Anton Weigand. Quelle: SK Lehrte
Manchmal reibt man sich verwundert die Augen, wenn man Turnierergebnisse liest. So geschehen im Münchner Whitsun-Open, das gestern endete. Wie erwartet, platzierten sich die Großmeister so wie Rasmus Svane vorne im Turnierfeld. Und die schwächeren Spieler landen dann eben weiter hinten. So weit, so gut.
Doch halt – was sehen unsere Augen da? Der „Amateur“ Anton Weigand startete schlecht ins Turnier, mit 1,5 aus 4. Doch was dann folgte, war eine unglaubliche Aufholjagd mit 5 aus 5, die ihn von Startplatz 63 auf Platz 7 brachte, und nebenbei einen Elogewinn von 60 Punkten bescherte. Eine IM-Norm war allerdings nicht drin, denn dazu hätte die Performance bei 2450 liegen müssen. Aber das Elo-Plus nimmt man natürlich trotzdem gerne mit! Und nebenbei war noch ein Preisgeld von 500 Euro drin.

Nun fragt man sich natürlich: wer ist Anton Weigand? Vielleicht ein fünfzehnjähriges Wunderkind? Weit gefehlt!Geburtsjahr 2002, also ist er wohl 23 Jahre alt.
Wir gratulieren herzlich!
P-S. Der Titel dieses Beitrags ist natürlich eine Anspielung auf „Hans im Glück“ und nicht etwa die Unterstellung, dass er bei seinem „home run“ Glück hatte.
Natürlich kann man auch jenseits der 20 noch Fortschritte machen (Schachfreund Weigand hat erst seit Ende 2023 Elo 2000+) und dann auch mal ein am Ende sehr gutes Turnier erwischen. Zunächst war es (bis auf vielleicht das Remis in Runde 4) kein schlechtes, sondern eher ein „normales“ Turnier mit Auf und Ab im Schweizer System. Ab Runde 6 spielte er dann über seinen nominellen Möglichkeiten. Etwas Glück war vielleicht dabei – Sieg in Runde 6 aus Verluststellung und auch gegen vier 2300er dreimal Weiß. Am Turnierende war er sicher (auf Englisch) „happy“, dabei zuvor auch ein bisschen „lucky“.
Er fällt in der Abschlusstabelle am meisten auf und bekam auch reguläres Preisgeld, einige andere kann man auch erwähnen:
– die Wahl-Münchnerin Marharyta Khrapko (*1998) mit anfangs ebenfalls 1,5/4 und am Ende 6/9. Sie hatte fast durchgehend 2300er, dabei keine noch stärkeren Gegner. So war TPR 2436 (Elo +78) auch keine weibliche Titelnorm (acht FMs und ein CM, keine höheren Titel), aber es war wohl der erste Damenpreis von 500 Euro. Das bei nicht allzu starker Konkurrenz, Turnier ja parallel zur Frauen-EM.
Ein junger Erwachsener und ein junger Jugendlicher hatten vielleicht am Ende gemischte Gefühle:
– der ukrainische FM Vladyslav Sydoryka (*2003) war lange ganz vorne dabei – aus 5,5/7 (drei Remisen gegen die GMs Svane, Yuffa und Jumabayev) wurde durch Niederlagen gegen zwei IMs 5,5/9 und wohl kein Preisgeld. Es reichte wohl für eine IM-Norm, zuvor schien auch eine GM-Norm möglich. Der Elogewinn war mit +30 vergleichsweise bescheiden.
– der Inder Krishna Prasnath Bhuvan (*2012) begann mit 4,5/6 und hatte am Ende auch 5,5/9. Ebenfalls kein Preisgeld, Jugendpreise hat er knapp verpasst. Aber vermutlich eine IM-Norm, und mit K-Faktor 40 Elo +148.
Sydoryka wohnt womöglich in Spanien, jedenfalls spielt er sonst generell dort Turniere und Mannschaftskämpfe. Kurios dann, dass er in den ersten beiden Runden zwei Portugiesen bekam. Krishna Prasath Bhuvan spielt sonst in Asien (auch mal Hongkong, Thailand, Malaysia, Singapur), für ihn wohl interkontinentale Anreise.
Herzlichen Glückwunsch Anton!
Lieber Anton, das ist ja eine tolle Nachricht, die ich über Eiko bekommen habe! Das hast du sicher gefeiert – so soll das auch sein!