Symbolbild Seniorenkommission; Quelle: Gemini KI
Man mag es kaum glauben, aber arstaunlicherweise hat die FIDE aktuell 20 Kommissionen, von denen nicht eine die Interessen der Senioren vertritt. Schon lange hatten wir den Eindruck, dass die Senioren von FIDE und auch ECU eher stiefmütterlich behandelt werden. Ja es gibt seit längerem Seniorenweltmeisterschaften und Senioreneuropameisterschaften, sowohl im Einzel als auch im Team. Aber das ist schon alles. Ach ja und es gibt die Veteranenförderung der FIDE.
Um dem abzuhelfen haben GM Igor Glek und Patrick van Hoolandt nun einen Vorschlag zur Gründung einer ständigen Seniorenkommission vorgelegt, den wir nachfolgend wiedergeben.
GEMEINSAMER VORSCHLAG ZUR GRÜNDUNG EINER FIDE-KOMMISSION FÜR SENIOREN UND VETERANEN
August 2026
Wir freuen uns, einen gemeinsamen Vorschlag zur Gründung einer FIDE-Kommission für Senioren und Veteranen vorzulegen.
Seniorenspieler stellen einen wesentlichen und wachsenden Teil der internationalen Schachgemeinschaft dar. Sie sind nicht nur als Wettkämpfer aktiv, sondern auch als Trainer, Schiedsrichter, Organisatoren, Funktionäre, Verwaltungsmitarbeiter, Autoren, Mentoren und Botschafter unseres Sports.
Doch trotz der Existenz von FIDE-Seniorenkategorien sowie Welt- und Kontinentalmeisterschaften für Senioren werden die Interessen, spezifischen Bedürfnisse und der Beitrag dieser wichtigen Gemeinschaft derzeit nicht durch eine ausreichend strukturierte institutionelle Vertretung innerhalb der FIDE gewürdigt.
Wir glauben, dass es an der Zeit ist, dies zu ändern.
Gemeinsam mit Patrick Van Hoolandt, dem Präsidenten der Association Internationale des Echecs Francophones – AIDEF (die 51 Länder vereint), haben wir Entwürfe für das Konzept und die Satzung ausgearbeitet und allen Präsidentschaftskandidaten einen Vorschlag zur Gründung einer FIDE-Kommission für Senioren und Veteranen unterbreitet!
WARUM EINE KOMMISSION FÜR SENIOREN UND VETERANEN?
Schach ist eine der wenigen Sportarten, die ein Leben lang auf Wettkampfniveau ausgeübt werden können.
Spieler im Alter von 50, 60, 70, 80 und darüber hinaus nehmen weiterhin aktiv am internationalen Schach teil. Sie verkörpern ein einzigartiges und wertvolles Erbe an Wissen, Erfahrung und Engagement für unseren Sport.
Nach Angaben aus der FIDE-Datenbank machen Spieler ab 50 Jahren fast 30 % aller Spielstärkebewerteten aus – das sind mehr als 157.000 Spieler. Derzeit sind international rund 850 Großmeister im Alter von 50 Jahren oder älter gelistet.
Dies ist eindeutig keine Randgruppe.
Viele dieser Spieler haben auch vor dem Aufkommen der heutigen extrem leistungsstarken Computer-Engines und modernen Vorbereitungswerkzeuge zur Schachtheorie beigetragen und diese weiterentwickelt. Ihre Erfahrung stellt ein lebendiges Erbe dar, das bewahrt und an zukünftige Generationen weitergegeben werden sollte.
WAS WÜRDE DIE KOMMISSION TUN?
Die vorgeschlagene Kommission würde:
- die Interessen der Senioren- und Veteranen-Spieler innerhalb der FIDE vertreten
- internationale Seniorenwettbewerbe entwickeln und besser koordinieren
- die Organisation und die Spielbedingungen von Welt- und Kontinentalmeisterschaften verbessern
- mit den Kontinentalverbänden und den nationalen Verbänden zusammenarbeiten
- regelmäßige internationale Senioren-Wettkampfserien fördern
- die Schaffung eines internationalen Senioren-Grand-Prix prüfen
- offene Turniere dazu ermutigen, spezielle Seniorenpreise und -kategorien einzuführen
- bestehende Altersklassen, darunter 50+ und 65+, überprüfen und eine angemessene Anerkennung für Spieler ab 75 Jahren in Betracht ziehen
- die Entwicklung nationaler Seniorenmeisterschaften und -mannschaften unterstützen
- eine stärkere Beteiligung von Seniorinnen fördern
- Möglichkeiten für erfahrene Spieler schaffen, jüngere Generationen zu betreuen
- Programme für den Wissens- und Erfahrungstransfer entwickeln
- den generationsübergreifenden Dialog innerhalb des Schachs fördern
SENIORINNEN IM SCHACH
Besondere Aufmerksamkeit sollte den Seniorinnen gewidmet werden.
Die Kommission könnte die spezifischen Hindernisse untersuchen, die ihre Teilnahme beeinträchtigen, und Maßnahmen vorschlagen, um ihre Präsenz bei nationalen und internationalen Wettbewerben zu erhöhen.
ERFAHRUNGEN, VON DENEN ZUKÜNFTIGE GENERATIONEN PROFITIEREN KÖNNEN
Der Zweck der Kommission bestünde nicht lediglich darin, Wettbewerbe zu organisieren.
Zu den Seniorenspielern gehören ehemalige Meister, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre, Organisatoren und Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung.
Ihr Wissen könnte durch folgende Maßnahmen noch besser genutzt werden:
- Mentoring für junge Spieler
- Ausbildung von Trainern, Schiedsrichtern und Organisatoren
- Vorträge und Meisterkurse
- Bewahrung der Schachgeschichte und -kultur
- Mentoring für jüngere Funktionäre
- Austausch zwischen den Generationen
Ein Netzwerk von „Senior-Schachbotschaftern“ könnte ebenfalls dazu beitragen, diese Initiativen international zu fördern.
SCHACH, AKTIVES ALTERN UND SOZIALE INKLUSION
Schach kann älteren Menschen helfen, geistig und sozial aktiv zu bleiben.
Es kann soziale Verbindungen schaffen, Isolation verringern und einen sinnvollen Austausch zwischen den Generationen ermöglichen.
Die Kommission könnte daher mit Universitäten, Forschungsinstituten, Verbänden und anderen relevanten Organisationen bei Initiativen in den Bereichen geistige Aktivität, Altern, soziale Interaktion und Lebensqualität zusammenarbeiten – und dabei ihren sportlichen Auftrag weiterhin im Blick behalten.
EINE BRÜCKE ZWISCHEN DEN GENERATIONEN
Eines der grundlegenden Ziele sollte es sein, sicherzustellen, dass Seniorenspieler weiterhin voll und ganz mit der breiteren Schachgemeinschaft verbunden bleiben.
Die Erfahrung älterer Generationen und das Wissen jüngerer Generationen über neue Technologien ergänzen sich.
Schach bietet ein ideales Umfeld für diese Interaktion. Ein 15-jähriger Spieler kann am selben Schachbrett von einem 75-jährigen Spieler lernen, gegen ihn antreten und Ideen mit ihm austauschen.
EIN PRAKTISCHES PROGRAMM FÜR DAS ERSTE JAHR
Nach der Gründung der Kommission könnten eine Reihe konkreter Maßnahmen sofort umgesetzt werden:
- Durchführung einer weltweiten Bestandsaufnahme des Seniorenschachs.
- Erstellung detaillierter Statistiken nach Alter, Geschlecht, Aktivitätsstatus, Titel, Wertungszahl und Verband.
- Befragung der Teilnehmer an den Senioren-Weltmeisterschaften.
- Analyse der aktuellen Organisation der FIDE-Meisterschaften der Altersklassen 50+ und 65+.
- Ermittlung nationaler Verbände mit erfolgreichen Seniorenprogrammen.
- Veröffentlichung von Empfehlungen für nationale Verbände.
- Entwicklung eines koordinierten internationalen Kalenders für Seniorenwettkämpfe.
- Die Einrichtung eines Senioren-Grand-Prix prüfen.
- Ein Netzwerk aus Senioren-Meistern und -Botschaftern aufbauen.
- Mentoring- und generationenübergreifende Programme zum Wissenstransfer ins Leben rufen.
- Initiativen entwickeln, um die Beteiligung von Frauen zu steigern.
- Dem FIDE-Rat einen Jahresbericht mit konkreten Empfehlungen vorlegen.
EINE CHANCE FÜR DIE FIDE
Die Einrichtung einer Senioren- und Veteranen-Kommission sollte nicht einfach als Schaffung einer weiteren Verwaltungsstruktur betrachtet werden.
Sie würde die institutionelle Anerkennung einer bereits heute äußerst bedeutenden Realität innerhalb der Schachwelt darstellen.
Die Zahl der Spieler über 50 wird naturgemäß weiter steigen, während eine längere Lebenserwartung und verbesserte Gesundheitsbedingungen es mehr Menschen ermöglichen werden, bis ins hohe Alter Schach zu spielen.
Die FIDE hat daher die Chance, zu einer internationalen Referenz bei der Förderung einer Sportart zu werden, die wirklich ein Leben lang ausgeübt werden kann.
UNSER ZIEL
Spielern zu ermöglichen, weiter zu spielen, an Wettkämpfen teilzunehmen, zu lernen, zu unterrichten, ihre Erfahrungen zu teilen und uneingeschränkt am Schachleben teilzunehmen – unabhängig vom Alter.
Eine FIDE-Kommission für Senioren und Veteranen könnte werden:
- Die Stimme der Seniorenspieler
- Eine treibende Kraft für die Entwicklung von Seniorenwettbewerben
- Ein Forum zum Nachdenken über aktives Altern durch Schach
- Eine dauerhafte Brücke zwischen den Generationen
Wir laden die FIDE, die kontinentalen Schachkonföderationen, die nationalen Verbände und die internationale Senioren-Schachgemeinschaft höflich ein, diesen Vorschlag zu prüfen und gemeinsam an seiner Umsetzung zu arbeiten.
Patrick Van Hoolandt
Präsident der AIDEF
FM & FIDE-Trainer
Offizieller FIDE-Delegierter und Vorsitzender des Berufungsausschusses bei den letzten beiden FIDE-Senioren-Weltmeisterschaften
Igor Glek
Internationaler Großmeister
Internationaler FIDE-Organisator
FIDE-Schiedsrichter
FIDE-Senioren-Trainer
Kandidat für das Amt des FIDE-Vizepräsidenten 2026