Hier eine Zusammenfassung von Sally.io des interessanten Interviews mit RB Ramesh vom 23.06.2026 aus dem Perpetual Chess Podcast.
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RB Ramesh sprach über seine neu gestartete YouTube-Präsenz und erklärte, dass er nach Jahren mit viel Reisetätigkeit nun mehr Zeit habe, sein Wissen öffentlich zu teilen. Sein Ziel sei es, vor allem jungen und ambitionierten Spielern eine Art Roadmap zu geben: wie man Schach lernen sollte, welche typischen Probleme auftreten und wie man sie löst.
Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs war seine Trainingsphilosophie. Ramesh betonte, dass viele Spieler und Eltern zu früh zu viel Wert auf Eröffnungen legen. Aus seiner Sicht ist es wichtiger, zuerst das Denken im Schach zu lernen: Positionen richtig wahrnehmen, Kandidatenzüge finden, objektiv analysieren, Varianten sauber bewerten und Entscheidungen ohne Zeitverlust treffen. Er beschrieb typische Fehler wie emotionale Bindung an den ersten Zug, mangelnde Visualisierung und das Verbiegen der Analyse zugunsten eines Wunschzugs.
Er erläuterte außerdem, dass viele Probleme auf höherem Niveau ähnlich bleiben, sich aber anders äußern: Konzentration, Zeitmanagement, Umgang mit Niederlagen und psychologische Stabilität. Bei seinen Spitzenschülern wie Praggnanandhaa und Aravindh seien insbesondere Zeitnot und der Umgang mit Niederlagen wiederkehrende Themen. Ramesh sieht darin oft keine reine Technikfrage, sondern eine Mischung aus psychologischen Triggern, Angst vor Fehlern und zu starker Reaktion auf den Gegner.
Auf die Frage nach Burnout und Überlastung bei Praggnanandhaa sagte Ramesh, dass zu viele Turniere und zu wenig Erholung ein reales Problem seien. Er schilderte, dass intensive Turnierpläne, wechselnde Zeitkontrollen und ständiger Leistungsdruck zu mentaler und körperlicher Ermüdung führen können. Für 2025 und 2026 sei deshalb bewusst versucht worden, die Turnierlast zu reduzieren, auch wenn neue Pflichttermine und Qualifikationswege diesen Plan immer wieder erschweren. Er äußerte zudem Sorge, wie lange die heutige Generation von Wunderkindern das extrem hohe Pensum durchhalten kann.
Zu Gukesh meinte Ramesh, dass dessen Entwicklung stark von praktischer Turniererfahrung und großer Selbstsicherheit geprägt sei. Nach dem Weltmeistertitel komme nun zusätzlicher Druck hinzu, sich ständig beweisen zu müssen. Der Titel bringe Sichtbarkeit, aber auch Erwartungen und Kritik mit sich. Ramesh riet, solche äußeren Stimmen weitgehend zu ignorieren und sich nur auf konstruktive Rückmeldungen zu konzentrieren.
Für Amateure unterschied er klar zwischen Analyse und Berechnung: Berechnung sei nur ein Teil der Analyse, die auch Prinzipien, Logik, Prophylaxe und allgemeines Verständnis umfasse. Für Spieler mit nur 3–4 Stunden pro Woche empfahl er vor allem viel Blitz und Taktiktraining; wenn möglich, sei mehr Zeit natürlich besser. Pattern Recognition entstehe durch wiederholtes Sehen von Stellungen, aber die eigentliche Priorität sollte auf dem analytischen Denken liegen.
Zu seinen künftigen Projekten sagte Ramesh, dass er vorerst keine neuen Bücher oder Chessable-Kurse plane. Stattdessen wolle er sich in 2026 und 2027 auf den Ausbau seines YouTube-Kanals konzentrieren, idealerweise mit regelmäßigem Content. Geplant seien unter anderem Videos zu Rechenaufgaben, psychologischen Themen und Lernwegen für verschiedene Spielstärken.
Zum Abschluss gab er zwei klare Ratschläge:
- Amateure mit wenig Zeit sollen das Beste aus ihren Möglichkeiten machen und sich nicht schlecht fühlen, wenn sie nicht alles abdecken können.
- Ambitionierte Nachwuchsspieler sollten mehr Zeit in das Verstehen und praktische Lernen investieren und weniger in das Auswendiglernen von Eröffnungen.