06.09.2026

3 Gedanken zu „Schachnation Indien weiter im Vormarsch

  1. „16 Spieler aus den USA, von denen die Hälfte allerdings eingewandert ist“ – ein bisschen Definitionssache, eindeutig der Fall ist es bei fünf bis sechs: So, Dominguez, Aronian, Oparin, Antipov, auch Alexander Onischuk (seit 2002 in den USA). Nakamura war als Schachspieler immer Amerikaner, Caruana ist Rückkehrer. Andere mit nicht-englischen Namen sind in den USA geboren. Das sind quasi ähnlich gelagerte Fälle wie in Deutschland die Svane-Brüder, Kollars, Donchenko und eventuell auch Leonardo Costa (italienische Wurzeln?) – entweder in Deutschland geboren oder in sehr jungem Alter eingewandert und in Deutschland schachlich ausgebildet.

    Bei Russland ist es umgekehrt: zu den sieben mit RUS notierten kommen zwei (Andreikin und Murzin), die aktuell unter der FIDE-Flagge spielen. Außerdem sind, wenn ich niemand übersehen habe, sieben seit 2022 ausgewandert bzw. haben den Verband gewechselt: Fedoseev, Sarana, Vitiugov, Alekseenko, Oparin, Chigaev, Antipov. Giri bleibt hier außen vor, ihn kann man wirklich nicht mehr als Russen betrachten.

    Aus deutscher Sicht mit Blick auf die Olympiade vielleicht Grund zur Sorge, dass vier von fünf zuletzt deutlich im Elosoll sind: Blübaum -27, Frederik Svane -16 (derzeit 0,5/4 bei der spanischen Mannschaftsmeisterschaft), Donchenko -22, Rasmus Svane -8. Der nicht berücksichtigte Kollars ist aktuell wieder deutsche Nummer vier. Oder auch kein Grund zur Sorge, wenn sie rechtzeitig wieder die Kurve kriegen.

  2. Was Anish Giri betrifft: Er ist ein Niederländer, dessen Mutter Russin ist, aber er erwarb schon zu seiner Schulzeit in den Niederlanden die niederländische Staatsangehörigkeit. Er ist ein Polyglot , spricht neben Niederländisch und Russisch auch noch andere Sprachen fließend.

    Ich habe jetzt nur die englische Wikipedia gefunden und füge sie mal als Quelle hinzu:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Anish_Giri

    1. Hallo Jolien,
      Ich weiß da Bescheid, schließlich war ich 20 Jahre (1998-2018) in den Niederlanden, die letzten Jahre Reporter vor Ort in Wijk aan Zee. Dort und auch bei anderen Gelegenheiten (jedenfalls NL-Meisterschaften) bin ich Giri auch persönlich begegnet. Er ist in den Niederlanden sicher voll integriert und wird geschätzt und respektiert.
      Wikipedia auf Niederländisch (wenn man diese Sprache beherrscht) hat diese Details: seit Februar 2008 wohnt er in den Niederlanden, seit 2013 ist er niederländischer Staatsbürger. Zwischendrin hatte er mal Visaprobleme, weil er nur einen russischen Pass hatte (vielleicht auch einen ebenso wenig hilfreichen nepalesischen). Der Verbandswechsel war im Januar 2010, GM wurde er 2009 noch offiziell als Russe (dabei alle drei Normen in NL erzielt).
      Er ist ebenso niederländisch wie z.B. Daniel Fridman oder Vitaly Kunin deutsch sind, das gilt in den USA auch für Alexander Onischuk.

      Bei einem Punkt im niederländischen Wikipedia-Artikel musste ich etwas grinsen da ich dazu eine eigene Anekdote habe: „Giri deed in 2013 zijn vwo-eindexamen aan het Grotius College in Delft. Als hij wedstrijden moest spelen, hoefde hij geen lessen te volgen.“ [Giri machte in 2013 sein Abitur. Für Turniere war er zuvor vom Unterricht freigestellt.]
      An einem Reportertag wurde ich von Arbeitskollegen zum Fährhafen Texel mitgenommen, und dann dieses Gespräch:
      „Thomas, was hast Du vor, so schick gekleidet?“ (mit Jackett, auf der Arbeit nicht der Fall aber ich passte mich an an den dress code bei Tata Steel Chess)
      „Reporter bei einem Schachturnier“
      „Meine Mutter ist Lehrerin in Delft. Ein exotischer Knirps wollte da ständig frei haben um Schachturniere spielen, die Schulleitung hat das eher widerwillig akzeptiert.“
      „Ja den kenne ich, es hat sich gelohnt – er ist nun Weltklassespieler, heute begegne ich ihm wieder.“

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