Anders als das Titelbild vielleicht suggeriert geht es nicht nur um den letzten Weltcup. Es wird historisch-datenbasiert seit 2005. Ich lege Wert darauf, dass ich diese Idee bereits hatte bevor Kollege Conrad Schormann sie auf seiner Seite anderweitig umsetzte. Da verlinke ich mal die erste Version. Ansonsten nur noch ein paar Vorbemerkungen, bevor es zur Sache geht:
Politik spielt insofern keine Rolle, dass ich die Erfolge des Schachspielers Karjakin erwähne und würdige – unabhängig vom Menschen und Politiker. Bei einer Frage spielt Politik allerdings wohl schon eine Rolle. Und noch kurz zum
Weltcup-Format seit 2005:
Einige Änderungen gab es da, aber immer galt „ein verlorenes Match und man ist raus“. Auch das stimmte nicht immer: manchmal (aber nicht immer) gab es auch ein Match um Platz 3 zwischen den Verlierern des Halbfinales. Und bei der allerersten Auflage 2005 wurden gar die ersten 16 Plätze ausgespielt – die besten 11 qualifizierten sich für die damaligen Kandidatenmatches. Andere Änderungen:
- 2007-2019 gab es im Finale (zunächst) vier Partien mit klassischer Bedenkzeit, ab 2021 dann (wie zuvor 2005) nur deren zwei. Warum? Vielleicht siehe gleich:
- bis 2019 waren es anfangs 128 Spieler, seit 2021 zunächst 206. Die ersten 50 der Setzliste bekommen seither ein Bye für die erste Runde, damit sind es dann mit den Siegern der Quali-Runde wieder 128 in Runde 2. Eine Folge war: wackere IMs oder FMs, seit 2021 auch CMs bekommen nun zum Beginn des Turniers (für sie generell zugleich das Ende) keine Weltklassegegner mehr, sondern nur noch „die zweite Garnitur“. Eine andere Folge: das Turnier wird insgesamt (noch) länger, vielleicht deshalb nur noch zwei klassische Partien im Finale.
Andere Änderungen gab es vielleicht auch noch, aber nur noch zum leidigen oder lustigen, jedenfalls im KO-Format unvermeidlichen Thema
Tiebreaks
2009 hatte FIDE eine originelle Idee, die offenbar teilweise auf einem Versehen beruhte. Erst gab es immer 4 Schnellpartien (wer 2-0 führt ist noch nicht durch), das war offenbar aus Versehen. Und dann gab es bis zu fünfmal zwei Blitzpartien. Erst dann Armageddon, was nie erforderlich war. Aber es gab ein Match Akobian-Tregubov 9-7 (bei 8-8 müssten sie danach armageddonisieren), das erst gegen 1:00 nachts Ortszeit beendet war. War das das (nach Anzahl Partien) längste Weltcup-Match aller Zeiten? Ich werde doch nicht die Antwort auf eine spätere Frage bereits verraten … .
2023 gab es statt Armageddon sudden death, der Unterschied: Beim Stand von 4-4 wurde so lange geblitzt, bis eine Partie Sieger und Verlierer hatte. Mit einem Schwarzremis konnte man sich nicht für die nächste Runde qualifizieren sondern hatte nur in der nächsten Partie Weiß. Da war das längste Match Suleymanli-Xu 5,4-4,5 (Remis in der ersten sudden death Partie).
Noch zwei Disclaimer
Zu den Weltcups ist zwar alles auf Wikipedia (Startseite mit Links zu den einzelnen Turnieren) dokumentiert, aber vielleicht habe ich hier und da doch etwas übersehen. Daher sage ich bei einigen Fragen „mindestens“ und lege mich nicht auf genaue Zahlen fest.
Zweitens: beim Alter der Spieler verwende ich der Einfachheit halber [Jahr des Weltcups – Geburtsjahr] und untersuche nicht, wer im laufenden Kalenderjahr bereits seinen Geburtstag hatte und wer noch nicht. Der Weltcup wurde auch mal früher und mal später im laufenden Kalenderjahr ausgetragen. In einem Fall sollte man dabei vielleicht doch berücksichtigen, wer wann im goldenen Schachjahr 1990 das Licht der Welt erblickte.
Und nun hinein ins Geschehen, ich blicke zunächst auf das Turnierende und dann auf gesamte Turniere. Vielleicht sind auch Fangfragen darunter – alle Antworten richtig oder alle falsch.
Weltcup-Halbfinales
Diesmal standen mit Sindarov (19), Wei Yi (26), Esipenko und Yakubboev (beide 23) vier recht junge Spieler im Halbfinale. Zusammen sind sie 91 Jahre alt.
1) War das das kollektiv jüngste Weltcup-Halbfinale aller Zeiten?
a) Ja
b) Nein
Wer sich für b) entscheidet darf auch sagen, wann es zuvor noch jünger war.
2) Wer war der jüngste Weltcup-Halbfinalist aller Zeiten?
a) Carlsen
b) Karjakin
c) Praggnanandhaa
d) Sindarov
[bei allen Fragen sind die Optionen alphabetisch sortiert]
3) Wer war der älteste Weltcup-Halbfinalist aller Zeiten?
a) Gelfand
b) Ivanchuk
c) Kramnik
d) Svidler
4) Wie viele Spieler waren als Weltcup-Halbfinalisten bereits über 30?
Wer das mehrfach schaffte, wird auch mehrfach gezählt. Insgesamt sind es ja jetzt 44 Spieler.
a) 5 – neben den gerade erwähnten nur einer
b) 8
c) 13
d) 23
5) Vier Spieler standen dreimal im Weltcup-Halbfinale, wer schaffte es sogar viermal?
a) Carlsen
b) Karjakin
c) Ponomariov
d) Vachier-Lagrave
6) Was haben diese vier Spieler gemeinsam?
a) Alle hatten mal einen Weltmeistertitel (irgendeinen, aber bitte mit klassischer Bedenkzeit)
b) Alle hatten mal Elo über 2800 (oder haben es weiterhin, das ist keine Fangfrage). Hier gilt auch Schnellschach- und/oder Blitzelo.
c) Alle standen auch zweimal nacheinander im Weltcup-Halbfinale
d) Alle sind Jahrgang 1990
Finale
7) Wie oft standen zwei Landsleute im Weltcup-Finale?
a) nie
b) dreimal
c) fünfmal
d) siebenmal – früher dominierte eben Russland
8) Welche(r) Weltcup-Finalist(en) spielte(n) im gesamten Turnier nur einen Tiebreak (Finale eingeschlossen)?
a) Aronian
b) Carlsen
c) Ding Liren
d) Kamsky
e) Shirov
[Die Frage ist ja so formuliert, dass mehrere Antworten richtig sein könnten. „Finale eingeschlossen“ bitte auch beachten.]
Manche erinnern sich vielleicht noch an das Weltcup-Finale Karjakin-Svidler 2015. Svidler führte bereits 2-0 aber damals wurden ja zunächst vier Partien mit klassischer Bedenkzeit gespielt. Endstand dann 6-4 für Karjakin (kein einziges Remis).
9) War das das längste Weltcup-Finale aller Zeiten?
a) Ja, absolut
b) Jein, es gab noch ein Finale über 10 Partien
c) Nein, einmal waren es 12 Partien
d) Nein, einmal 13 Partien – Entscheidung im Armageddon
e) Nein, einmal 16 Partien. Die Spieler verpassten ihre eigene Siegerehrung und bereits gebuchte Rückflüge.
Landsleute gegeneinander
Anno 2025 wurde das deutsch-deutsche Derby Blübaum-Donchenko jedenfalls hierzulande registriert. Das usbekische Untereinander Sindarov-Yakubboev bekam auch international wohl noch mehr Aufmerksamkeit – Halbfinale, Sieger bereits für das Kandidatenturnier qualifiziert.
10) Wie viele Duelle unter Landsleuten gab es im Laufe der Jahre und Jahrzehnte insgesamt (mindestens)?
a) 12 – etwa eines pro Turnier
b) 44 – diesmal ja insgesamt 4 (auch noch Karthik-Aravindh und Esipenko-Grebnev) und das war über die vielen Jahre „durchschnittlich“
c) 68
d) 95
e) 117
11) Aus welchem Land gab es noch nie ein Derby?
a) Aserbaidschan
b) Frankreich
c) Niederlande
d) Norwegen
e) Polen
f) Rumänien
g) Uruguay
[nur eine richtige Antwort, wobei es oft Seltenheitswert hatte. Deutschland und Usbekistan habe ich mal nicht nochmals erwähnt.]
12) Wie viele an Derbies beteiligte Spieler haben später den Verband gewechselt?
a) niemand – man wechselt vielleicht mal den Bundesliga-Verein, aber seinem Verband bleibt man ein Schachleben lang treu
b) 3 – einige Verbandswechsel gab es durchaus z.B. Kamsky, Shirov, Caruana, Naiditsch
c) 7
d) 11
e) 27
13) Wie oft spielte Dimitry Andreikin bei Weltcups gegen Landsleute?
a) Das ist eine Fangfrage! Den kenn ich nicht, also hat er nie bei Weltcups mitgespielt
b) einmal – 2013 im Finale
c) wird schon öfter gewesen sein – vielleicht dreimal
d) zehnmal bei mehreren Weltcups
Armageddons (oder sudden death)
Das deutsche Publikum erinnert sich vielleicht noch an Rasmus Svane – Mamedov 5-4 anno 2025.
14) Wie oft gab es Armageddon oder sudden death mit deutscher Beteiligung?
a) nie [das stimmt jedenfalls nicht]
b) einmal
c) zweimal – Rasmus Svane kannte das bereits aber Armageddon gewinnen war Neuland für ihn
d) fünfmal – insgesamt 40% für Deutschland
15) Wie oft gab es Armageddon bzw. sudden death insgesamt?
a) 7-mal – zum Glück war es ziemlich selten
b) 18-mal
c) 32-mal
d) 58-mal
Wie eingangs erwähnt, 2009 gab es Armageddon gar nicht.
16) In welchen Jahren wurde nur ein Match im Armageddon entschieden?
a) Es gab ansonsten immer mehrere Armageddons
b) 2005 und 2013
c) 2007, 2009 und 2023
d) 2011 und 2017
e) 2013, 2015, 2019 und 2023
Kampflose Siege beim Weltcup
Aus deutscher Sicht gab es das dieses Jahr dann doch nicht. IM Orlando Husbands aus Bermuda, Gegner von Frederik Svane in der ersten Runde, erschien jedenfalls zur zweiten Partie. Generell gab es das durchaus – in fast jedem Turnier, dabei (warum auch immer) vor allem 2021. Oft wurde nur, wenn überhaupt, „travel issues“ oder „visa problems“ erwähnt.
17) Welche konkreteren Gründe wurden genannt?
a) Ein Spieler musste nach Beinbruch auf ärztlichen Rat auf die Reise verzichten.
b) Ein Spieler befürchtete Probleme bei der Rückreise in sein (neues) Heimatland.
c) Ein Spieler wurde zum Militärdienst eingezogen – das war aus Sicht seiner Regierung dringend und wichtiger als der Schach-Weltcup.
d) Ein Spieler war vor Ort, aber verzichtete nach Diskussionen zum Dresscode auf die nächste Runde.
Nicht ganz dasselbe: Kurzpartien gab es bei Weltcups durchaus (nicht nur Kurzremisen), aber eine Partie hatte nach 15 Zügen in ziemlich ausgeglichener Stellung plötzlich Sieger und Verlierer.
18) Was war da passiert?
a) Ein Handy klingelte.
b) Ein Spieler hatte bereits die Bedenkzeit überschritten.
c) Ein Spieler wurde nach dem dritten regelwidrigen Zug genullt.
d) Positiver COVID-Test, Ergebnis während der Partie – der Spieler wurde disqualifiziert und durfte auch tags darauf nicht antreten.
Zum Schluss nochmal mit vielleicht Bezug zu Deutschland:
19) Was machte dieses Jahr ein Spieler, nachdem (oder schon „während“) er die erste Runde beim Weltcup kampflos verlor?
a) Livekommentar für chess.com. Die zahlen gut, das kann man aus dem eigenen Wohnzimmer machen – warum dann in den Flieger steigen?
b) Urlaub auf den Malediven
c) Er spielte ein Open am Tegernsee.
d) Er spielte lieber Fußball als Schach.
Mal sehen, wann und wie ich die Antworten verrate. Ich hatte auch eine Art Buchstabenrätsel erwogen: Antworten so kodieren, dass bei den richtigen dann (durcheinander gewürfelt) z.B. vincentkeymer rauskommt (13 richtige Antworten) oder javokhirsindarov (deren 16) oder auch maximevachierlagrave (20 richtige Antworten). Aber das war mir dann zu kompliziert oder zu kreativ.