Hier eine KI-Zusammenfassung der Q&A Session im Vorfeld der FIDE Präsidentenwahl. Link zum Video.
• Kandidaten: Buettner
Buettner stellte sich als 62-jähriger deutscher Unternehmer vor, mit Erfahrung in Mobilfunk, Internet-Startups und Venture Capital (Headline Ventures, 4,5 Mrd. USD unter Verwaltung). Er betonte seine persönliche Kampagnenstrategie (direkte Ansprache der ~200 Delegierten statt öffentlicher Messestände) und nannte seine Aktivitäten rund um Schach: Gründung und Finanzierung der Freestyle/Fischer‑Random‑Serie (Grand Slam Tour, neun Turniere, 28 Mio. USD), Zusammenarbeit mit Magnus Carlsen sowie Investitionen in Events und Infrastruktur. Er erklärte, sein Ziel sei, als FIDE‑Präsident die Organisation zu professionalisieren und Schach global zu fördern.
• Kandidaten: Timur Turlov
Timur Turlov präsentierte sich als Geschäftsführer eines börsennotierten Unternehmens (NASDAQ, ~10 Mrd. USD Marktkapitalisierung) und als Präsident der Kasachischen Schachföderation. Er hob hervor, dass er in den letzten Jahren die kasachische Schachlandschaft durch Management, Marketing, Finanz‑ und Projektmanagement‑Expertise stark ausgebaut habe, u. a. durch die International Chess and School Federation und ein flächendeckendes „Chess in School“‑Programm (von ~20 auf ~2.500 Schulen). Er betonte seine finanzielle und persönliche Verpflichtung, Schach als Bildungs‑ und Talentquelle zu stärken, sowie seine Bereitschaft, FIDE‑Events und nationale Föderationen zu unterstützen.
• KI und Spielvarianten
Farouk Nabi Rae fragte nach der Einschätzung der Kandidaten zur Rolle von KI und neuen Spielvarianten (z. B. Fischer Random) und wie FIDE mit diesen Paradigmenwechseln umgehen sollte. Timur Turlov antwortete, dass Schach historisch mit KI‑Forschung verbunden sei und dass die Zukunft in der Balance zwischen klassischem Sport und Cybersport liege; er plädierte dafür, Regeln nicht grundsätzlich zu ändern, aber Formate, Spielgeschwindigkeit, Analysequalität, Bildung und Übertragungsqualität zu experimentieren und zu verbessern, um Schach für Nicht‑Profis attraktiver zu machen. Er signalisierte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Experten nach der Kampagne.
• Rechtsstreit mit Journalist
Vlad Gita fragte Timur Turlov nach einem eingereichten Rechtsstreit gegen den Fotojournalisten David Yada und ob unabhängige Journalisten sich Sorgen machen müssten. Timur Turlov erklärte, er sei offen für Medien und Kritik, toleriere Meinungen, aber nicht faktisch falsche Behauptungen; er habe vor Klage Korrekturmöglichkeiten und Belege angeboten und die Klage auf Anraten seiner Anwälte eingereicht, um falsche Tatsachenbehauptungen zu widerlegen. Er betonte, dass dies keine persönliche Präferenz sei, sondern rechtliche Notwendigkeit.
• Jugend und Nachwuchsförderung
Abdullah Mourad fragte beide Kandidaten, wie junge Spieler nicht nur auf dem Brett, sondern auch in Entscheidungspositionen (Organisation, Schiedsrichter, Komitees) eingebunden werden können. Buettner antwortete, dass die Prioritäten für Kinder drei Säulen seien: Sicherheit (strikte Regeln gegen Missbrauch), Attraktivität (Schach „cool“ machen, Role Models, Marketing mit großen Marken) und lukrative Perspektiven (Sponsoren, Karrierechancen). Er nannte Beispiele aus der Freestyle‑Tour (Sternenstatus, Bekleidung, Präsentationen) und betonte, dass er mit großen Marken (z. B. Louis Vuitton, Hugo Boss) in Kontakt sei, um Mädchen und Jungen zu halten. Timur Turlov sagte, er würde eine Jugendkommission prüfen, Medien‑ und SMM‑Initiativen für Föderationen unterstützen, Trainings, KPIs und Finanzierung bereitstellen sowie Programme zur Ausbildung von Organisatoren und Schiedsrichtern fördern; er wies darauf hin, dass Schiedsrichter meist mehr Reife benötigen, aber mehr Nicht‑Sportler in FIDE‑Rollen sinnvoll seien.
• Abwesenheit dritter Kandidat
Josip Pasik fragte, warum der dritte Kandidat (Vadim Rosenstein) nicht anwesend sei und ob nach der Wahl Kooperation möglich sei. Theo erklärte, dass alle drei Kandidaten rechtzeitig eingeladen wurden, aber keine Bestätigung von Vadim eingegangen sei. Die Frage nach Kooperation wurde nicht weiter beantwortet.
• Plattformzugang und Fairness
Ein Journalist (Speaker 9) fragte Buettner, ob er als FIDE‑Präsident fairen Zugang für alle Online‑Plattformen garantieren und kommerziellen Druck widerstehen würde, angesichts vergangener Vorfälle mit der Freestyle‑Tour und Online‑Qualifikationswegen. Buettner antwortete, er sehe die Bedeutung guter Beziehungen zu allen Plattformen (Chess.com, Lichess etc.) und wolle FIDE‑eigene Entwicklungswege für Spieler (von Online zu Offline/Clubs) unter dem FIDE‑Umbau etablieren; er bot an, die Angelegenheit offline zu besprechen und betonte, dass er als FIDE‑Vertreter nicht mehr Freestyle vertritt. Er signalisierte Kooperationsbereitschaft mit Plattformen und will die FIDE‑Marke stärken.
• Medien und Übertragungen
Himan Ghosh fragte beide Kandidaten nach konkreten Maßnahmen zur Verbesserung von Schach‑Medien, Unterstützung von Content‑Creators und Erhöhung der Zuschauerzahlen. Timur Turlov (als Adressat) antwortete, dass bessere Visualisierung, AI‑gestützte Features und unterschiedliche Übertragungsformate für verschiedene Zuschauergruppen nötig seien; er plädierte für mehr Emotionen, Storytelling und ein Live‑Medienprodukt, das Millionen Zuschauer anziehen könne, und nannte dies eine Voraussetzung für die olympische Anerkennung. Buettner ergänzte später, dass er mit der Freestyle‑Tour bereits Reichweiten von ~1,2 Mrd. erreicht habe, Inhalte auf YouTube/Twitch/DAZN verteilt wurden und er diese Produktions‑ und Vertriebskompetenz nach FIDE bringen wolle.
• Erfahrungen aus Kasachstan
Diana Sibudena fragte Timur Turlov, welche Erfahrungen aus der Kasachischen Schachföderation er nach FIDE bringen und was er anders machen würde. Timur Turlov sagte, er würde neue Führungskultur, frisches Personal auf mittlerer und seniorer Ebene sowie langfristige Planung (vierjährige Entwicklungsbudgets) einführen, um FIDE unabhängiger von kurzfristigen Sponsorenentscheidungen zu machen. Er betonte die Notwendigkeit, qualifizierte Fachkräfte (Medien, Recht, Marketing, Organisation) zu gewinnen und zu halten, um nachhaltige Entwicklung und Wachstum über mehrere Jahre zu sichern.
• Entwicklungsfonds und Budget
Alexandra fragte nach Details zu einem von Timur Turlov genannten Programm mit rund 6 Mio. USD Budget. Timur Turlov präzisierte, es handele sich um 6,2 Mio. EUR plus 1,5 Mio. USD für Medienentwicklung; das Programm umfasse offene Turniere, Reisebeihilfen, besseren Zugang zu Coaching, Unterstützung für Nachwuchstalent und digitale Plattformen/CRM. Er betonte, dass die Mittel für alle Föderationen zugänglich sein sollen, unabhängig von Status oder Lage.
• Erste 100 Tage: Strukturmaßnahmen
Jafar fragte Timur Turlov nach konkreten strukturellen Änderungen in den ersten 100 Tagen. Timur Turlov nannte als Prioritäten: Personal für Kommunikation und Governance, Digitalisierung, Ausbau der Softwareentwicklung, Verstärkung von PR/Marketing, engere Abstimmung mit der International School Chess Federation und der Chess‑and‑School‑Kommission sowie Sicherstellung der Ressourcen für die Umsetzung der Strategie. Er betonte, dass er die Ressourcen bereitstellen und die Umsetzung der geplanten Maßnahmen vorantreiben werde.
• Lokale Turniere und Föderationsfinanzierung
Daniel fragte Buettner, wie FIDE lokale Turniere und kleine Veranstaltungen unterstützen würde. Buettner antwortete, dass er als Präsident Verantwortung übernehmen und Einnahmen generieren wolle; er nannte ein Modell, wonach 20 % der FIDE‑Einnahmen direkt an die nationalen Föderationen fließen würden (geschätzt 15–30 Tsd. USD pro Föderation), die diese Mittel für lokale Turniere, Bildung oder andere Schachaktivitäten verwenden müssen und dafür Rechenschaft ablegen. Er betonte, dass er als unentgeltlicher Präsident arbeiten und die Kommissionen unterstützen werde, statt Probleme zu umgehen.
• Kampagnenkosten
Stefan Loeffler fragte beide Kandidaten nach den Kampagnenkosten. Buettner sagte, er finanziere alles aus eigener Tasche, schätze die Kosten auf einige hunderttausend Euro (hauptsächlich Reisekosten), zahle keine Gehälter und plane, als Präsident unnötige Ausgaben (z. B. Business‑Class‑Reisen) zu streichen. Timur Turlov antwortete, er gebe ebenfalls eigenes Geld aus, nannte aber keine genaue Summe und sagte, es sei schwer, die exakten Beträge zu beziffern.
• Ziel: Transparenz und Olympische Anerkennung
Dushan Krunich fragte beide Kandidaten nach dem einen großen Erfolg, für den sie in Erinnerung bleiben wollen. Buettner nannte als Ziel, FIDE zu einer transparenten, prosperierenden Organisation zu machen, die im Interesse der Föderationen arbeitet; er erwähnte zudem sein 25‑seitiges Manifest in sechs Sprachen und die Absicht, diese Sprachen offiziell zu machen. Timur Turlov sagte, sein Ziel sei die Aufnahme von Schach in das olympische Programm.
• Entwicklung in Afrika
George Akundazi fragte nach konkreten Plänen für Afrika. Timur Turlov betonte Afrikas großes Potenzial und nannte als Maßnahmen: Entwicklungsfonds zur Chancengleichheit, mehr offene Turniere, Ausbildung von Schiedsrichtern, Reisebeihilfen und Programme für junge Spielerinnen und Spieler. Buettner erklärte, er lebe in Südafrika, habe viele afrikanische Länder besucht und nannte ein spezifisches Afrika‑Programm in seinem Manifest; er hob die Ernennung von Vukani Dlamini (Eswatini) als Schatzmeister hervor und sprach von der Absicht, große Turniere nach Südafrika, Kenia und Nordafrika zu bringen sowie afrikanisches Talent in Führungspositionen zu fördern.
• Wahlgleichheit und Mitarbeitende
Tatinda fragte Timur Turlov, ob FIDE‑Mitarbeitende in seiner Kampagne auftraten und ob das Wahlfeld fair sei. Timur Turlov sagte, er versuche, die Wahlregeln einzuhalten, habe keine aktiven FIDE‑Mitarbeitenden zu seiner Kampagne eingeladen und zahle ihnen nichts; er könne nicht alle Personen kontrollieren, aber FIDE überwache die Regeln. Die Frage nach der Fairness des Wahlfeldes wurde nicht weiter beantwortet.
• Mission und Vision
Alexandra fragte nach Mission und Vision für die Schachentwicklung. Buettner verwies auf sein schriftliches Programm (24–25 Seiten, online verfügbar) und bot an, dass Timur Turlov antworten könne. Timur Turlov fasste seine Vision zusammen: Schach finanziell nachhaltig machen, es als echtes Geschäft etablieren und die Föderationen weniger abhängig von Spenden und kurzfristiger Fundraising‑Arbeit machen.
• Olympische Anerkennung (Französisch)
Ein französischsprachiger Teilnehmer aus Guinea forderte, die Anerkennung von Schach als olympische Disziplin als höchste Priorität zu setzen. Buettner antwortete, dass die olympische Anerkennung auf dem Programm aller Kandidaten stehe und nannte als Strategie, zunächst Schach in die Paralympics zu bringen, um Infrastruktur und Sichtbarkeit zu nutzen, und anschließend die Aufnahme in die Olympischen Spiele anzustreben. Er betonte, dass dies ein gemeinsames Ziel sei und verschiedene Wege möglich seien.
• Chessbase-Investition
Speaker 9 fragte Timur Turlov nach der Begründung für den Kauf von Chessbase, angesichts bestehender Nonprofit‑Initiativen. Timur Turlov erklärte, Chessbase werde weiterhin kommerzielle Produkte entwickeln (macOS, iOS, Android) und gleichzeitig Ressourcen für Open‑Domain‑Lernmaterialien bereitstellen; er sehe Potenzial, die Technologie‑ und Entwicklungskapazitäten von Chessbase auch für Nonprofit‑Bedarfe von FIDE zu nutzen und nannte die Integration von Schach in Super‑Apps als weiteres Ziel. Er betonte, dass Chessbase eine der erfahrensten Technologie‑Teams im Schachbereich habe.
Bei dieser Debatte hatte Wadim Rosenstein offenbar eine Einladung ignoriert. Zuvor war er auf chess.com nach seinem Eingangs-Statement verschwunden und kam nicht mehr zurück (technische Probleme hat er anscheinend auch im Nachgang nicht erwähnt). Bei der offiziellen FIDE-Debatte https://www.youtube.com/watch?v=os-xpYUVxJQ wohl vor Ort in Samarkand hieß es „he could not make it“. Was bedeutet das für seine Kandidatur? Nichts genaues weiß man offenbar (jedenfalls offiziell) nicht.