Vincent Keymer hat es geschafft – oder besser: Win-cent. ♟️🔥
Der deutsche Großmeister gewinnt das grenke Freestyle Chess Open, sichert sich 60.000 Euro Preisgeld und qualifiziert sich für die Freestyle-Schach-Weltmeisterschaft im Februar 2027 in Weissenhaus. Auf dem zweiten Platz landet der Franzose Maxime Vachier-Lagrave.
Runde 8: Feuerwerk, Zeitnot und ein emotionaler Moment
Einen der bewegendsten Momente des Turniers lieferte Johanna Schmidt. Die deutsche Vize-Meisterin im Kickboxen sitzt nach einer Krankheit im Rollstuhl und wurde in die World Chess Hall of Fame in St. Louis aufgenommen. Sie durfte die Startposition auslosen.

📸 Ivica Müller
Die gezogene Startposition Nummer 332 sorgte für spektakuläres Schach. Magnus Carlsen bezeichnete sie als „vielleicht die bislang interessanteste Freestyle-Startposition dieses Turniers.“
Carlsen selbst investierte rund 1,5 Stunden für nur vier Züge und stellte später fest: „Jede Partie auf der Bühne war ein absolutes Feuerwerk.“
Auch Vincent Keymer zeigte in dieser Runde eine herausragende Leistung. Seine Partie gegen Sarana wurde von Carlsens Coach Peter Heine Nielsen mit großen Worten gewürdigt:
„Keymer–Sarana war ein Meisterwerk von Keymer. Am Ende wurde dies etwas getrübt, weil er ein Remis zugelassen hat, aber dennoch eine sehr beeindruckende Partie.“
In großer Zeitnot fand Keymer im 40. Zug nicht die einzige Gewinnfortsetzung (40. Txg5+!), sondern spielte exf7+ und lenkte die Partie damit ins Remis.
Runde 9: Feinwertung entscheidet das Turnier
Die Startposition für die letzte Runde (261) wurde von Radosław Jedynak, Präsident des polnischen Schachverbandes, gezogen.
Vincent Keymer und Maxime Vachier-Lagrave einigten sich früh auf Remis – aus Sicht des Franzosen durchaus überraschend, da er die schlechtere Zweitwertung hatte.
Doch auch die Verfolger konnten nicht profitieren: Sowohl Magnus Carlsen gegen Aryan Chopra als auch Sarana gegen Duda endeten ebenfalls unentschieden.
Damit blieb Keymer an der Spitze und setzte sich letztlich dank der besseren Zweitwertung durch. Hinter Vachier-Lagrave teilten sich weitere sieben Spieler punktgleich die Ränge 3 bis 9 – darunter auch Magnus Carlsen.

Drei Frauen erspielen sich begehrte Qualifikationsplätze
Bei den Frauen sicherten sich Harika Dronavalli (Indien), Alua Nurman (Kasachstan) sowie Dinara Wagner (Deutschland) die drei begehrten Plätze für die kommende Freestyle-WM, die noch im Jahr 2026 stattfinden soll.
Die bislang weniger bekannte Nurman hatte bereits in der zweiten Runde mit einem Selfie mit Magnus Carlsen für Aufmerksamkeit gesorgt. Alle drei erreichten starke 6 Punkte.
Die Gewinner der weiteren Turniere
Die Sieger in den weiteren Kategorien standen zum Redaktionsschluss noch nicht endgültig fest und werden zeitnah nachgereicht. Während viele bereits gespannt auf die Siegerehrung warteten, hatten zwei Spieler offenbar andere Prioritäten – und spielten ganz unaufgeregt ihr Endspiel Turm und Springer gegen Turm weiter.
Auch das ist irgendwie „typisch grenke“. ♟️

📸 Jonathan Reichel
Fazit: Ein Festival des Schachs
Mit über 3.500 Teilnehmern bestätigte das grenke Schachfestival einmal mehr seinen Status als das größte offene Schachturnier der Welt.
Ein besonderer Dank gilt den Hauptsponsoren Freestyle Chess und grenke sowie allen weiteren Partnern und Unterstützern, ohne die dieses Event nicht möglich wäre.

Wolfgang Grenke; 📸 Linus Bredehorst
Ebenso gebührt den zahlreichen Helferinnen und Helfern großer Dank, die im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben.
„Das grenke Schachfestival ist das Schachturnier, bei dem jeder Spieler in seinem Leben einmal mitgespielt haben muss.“ – Peter Leko.
Weltklasse und Breitensport begegnen sich hier auf Augenhöhe – vereint in einer Halle. Zusammen mit dem Anspruch, die positive Botschaft des Schachs und die besondere Atmosphäre des Turniers in die Welt hinauszutragen, entsteht genau daraus das Erfolgskonzept des grenke Schachfestivals.
Und am Ende zeigt sich einmal mehr: Schach verbindet Menschen, Kulturen und Geschichten auf einzigartige Weise. ♟️🌍
Beitragsfoto: Dariusz Gorzinski