Die FIDE Ethik- und Disziplinarkommission (EDC) verhängte am 3. Juli 2026 gegen Vladimir Kramnik eine zweijährige weltweite Sperre (davon ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt) plus 12 Monate unbezahlten Dienst für die Schachgemeinschaft – wegen Mobbing, Cybermobbing, psychischer Misshandlung und unbegründeter Cheating-Vorwürfe gegen u.a. GM David Navara und den verstorbenen GM Daniel Naroditsky.
Inzwischen ist der Betroffene in Berufung gegangen. Wir glauben aber ehrlich gesagt nicht, dass diese zum Erfolg führen wird.
Reaktionen von Großmeistern
Vladimir Kramnik selbst – auf X/Twitter (@VBkramnik), 3. Juli 2026:
Er kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen und sprach von zahlreichen Verfahrensverstößen der Kommission. Er zeigte sich absolut überzeugt, dass das seiner Ansicht nach rechtswidrige Urteil letztlich aufgehoben werde, und kündigte an, alle notwendigen Instanzen bis zum Ende zu verfolgen, um Gerechtigkeit und insbesondere seinen Ruf wiederherzustellen.
Laut Match TV (zitiert von Lenta.ru) sagte Kramnik, die Entscheidung der FIDE überrasche ihn nicht. Er bedauerte, dass er laut Satzung nicht sofort den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anrufen könne, und kündigte an, seine bereits vorbereitete Berufung in den kommenden Tagen einzureichen.
Am 9. Juli 2026 (laut Lenta.ru) reichte Kramnik die Berufung offiziell ein und veröffentlichte Screenshots davon auf X. Er forderte die Aufhebung der Entscheidung sowie die Feststellung, dass das Verfahren wegen systematischer und wiederholter Verstöße fehlerhaft gewesen sei – alternativ die Aufhebung der Feststellungen und Sanktionen in der Sache.
Magnus Carlsen – (laut Chess.com-Bericht, Zeitpunkt der Aussage vor dem Urteil, im Kontext zitiert):
Er hatte Kramniks Verhalten gegenüber Naroditsky bereits zuvor öffentlich scharf kritisiert und als schrecklich bezeichnet.
Hikaru Nakamura – in einem Video-Statement, aufgegriffen u.a. von ChessBase India auf X:
Sinngemäß begrüßte er, dass überhaupt etwas passiert sei, äußerte aber Zweifel, ob bestimmte Spieler Kramnik weiterhin als Trainer beschäftigen würden – eine eher zurückhaltend-kritische Reaktion. (Quelle: X/ChessbaseIndia, YouTube)
Levon Aronian – (ebenfalls im Chess.com-Bericht referenziert):
Er hatte Kramnik bereits vor der Veröffentlichung öffentlich geraten, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Nihal Sarin – er bezeichnete Kramniks Vorgehen als Belästigung/Mobbing.
Emil Sutovsky (FIDE-CEO) – bereits 2025, im Kontext der Vorgeschichte: Er nannte Kramniks damalige Äußerungen gegenüber Navara unmenschlich.
Elena Naroditsky (Mutter von Daniel Naroditsky, zentral zitiert in fast allen Berichten zum Urteil): Betonte, dass für ihren Sohn nichts wichtiger gewesen sei als seine Würde und sein Ruf als Schachspieler – und dass eine Person ihn immer wieder als Betrüger bezeichnet habe.
David Navara (Betroffener):
Schilderte in einem offenen Brief und in E-Mails an FIDE gravierende psychische Folgen – Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, einen Rating-Einbruch und in der akuten Phase suizidale Gedanken. Er forderte öffentlich den Rücktritt von FIDE-Präsident Dvorkovich.
Anatoli Karpow (12. Weltmeister): Gegenüber RIA Nowosti am 3. Juli 2026 äußerte sich Karpow sehr scharf. Er bezeichnete die Entscheidung, Kramnik für ein Jahr zu disqualifizieren, als völlig unangemessen. Wörtlich sagte er sinngemäß: Es scheine, als seien diejenigen, die diese Entscheidung bei der FIDE getroffen hätten, verrückt geworden. Karpow vermutete zudem, Kramnik werde das Urteil anfechten und die Organisation könne sich dadurch in langwierige Gerichtsverfahren verstricken. (Quelle: RIA Novosti Sport, ria.ru)

Alexander Tkatschow (Exekutivdirektor des Russischen Schachverbands): Gegenüber TASS, zitiert von der Rossijskaja Gaseta: Er nannte das Urteil seltsam und meinte, so mit großen Champions umzugehen sei nicht ganz richtig.
Lev Alburt (emigrierter in den USA lebender GM): Jeder, der sich eine Stunde Zeit nimmt, um die Fakten zu betrachten, wüsste, dass Kramnik absolut nichts falsch gemacht hat und dass die Ethikkommission ein schlechter Witz ist – genau wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Und diejenigen, die – wie Karpow, Grischtschuk und ich – Wlad. Kramnik seit Jahrzehnten kennen, sind sich absolut sicher, dass er einer der anständigsten und fairsten Menschen ist.