Liebe Schachfreundin, lieber Schachfreund,
ich präsentiere ihnen immer die wunderbare Welt des Schachs, heute muss ich leider auf traurige Seiten hinweisen. Wegschauen hilft nichts! Sorry, ich bitte Sie, im Interesse des Schachs, in ihrem Interesse und am wichtigsten, im Interesse von vielen Kindern, den Rundbrief genau durchzulesen
In meiner Heimatgemeinde Vaterstetten brennt der Baum lichterloh! Ic.h war als Kind beim SC Baldham Fußballer, organisiere einmal im Jahr die Nacht der Baldhamer Fußball-Legenden und jetzt das. Verdacht auf Kindesmissbrauch erschüttert oberbayerischen Fußballverein: Mann mit Vorgeschichte in U-Haft Noch viel schlimmer ist die Überschrift im Focus, die meines Wissens nicht zuftreffend ist: Kinder-Missbrauch in Vaterstetten: Ganzer Bayern-Ort deckte Fußballbetreuer – FOCUS online
Die Kurzgeschichte: Ein 60jähriger Helfer des Vereins hat Trainingslager organisiert, war dort auch immer dabei und ist wegen Straftaten im Bereich sexualisierte Gewalt schon im Gefängnis gewesen.
Ich war ja leider nicht bei der Schachakademie der DSJ im Seminar zu PSG (Prävention sexualisierter Gewalt) bei Veranstaltungen. Beim Abendessen bei einem Gespräch mit der Referentin musste ich leider einsehen, dass dieses Problem leider auch im Schach größer ist, als man denkt. Viele glauben, das kann in meinem Verein nicht passieren. Das war auch bei mir einmal der Fall!
Vor Jahren habe ich diese Situation als Funktionär kennen gelernt. Vor langer Zeit habe ich als Vorsitzender des SC Vaterstetten auf Wunsch aller Eltern einer Ausnahmemannschaft einen fachlich zweifelsohne kompetenten Trainer engagiert. Das entwickelte sich zum absoluten Alptraum, als ich ein Dokument erhielt, das bewies, dass der Trainer eine Vorstrafe hat. In diesen Tagen bin ich um Jahre gealtert. Drei Kreuze und noch viel mehr, dass keinem der vier Kinder unseres Vereins was passiert ist, der Trainer wurde sofort rausgeschmissen. Damals war das Zeigen vom Führungszeugnis in der Jugendarbeit noch weitgehend unbekannt. Natürlich muss ich mir in dem Fall trotzdem großes Versagen anlasten, das muss ich mir selber anlasten.
Als Vizepräsident DSB habe ich den ersten Workshop zum Thema sexualisierte Gewalt im Schach organisiert, damals war der Einwand in der Vorstandschaft, es gab noch keinen Fall im Schach. Leider ist dem nicht so, heute wissen wir, das es auch im Schach Fälle von sexualisierter Gewalt gab und gibt. Die Situation Trainer (Trainerin)+Schutzbefohlener+hinter verborgenen Türen ist eine ungünstige Kombination für solche Delikte.
DESWEGEN MEINE BITTE ZUM WOHLE DER KINDER IM VEREIN (und der eigenen Verantwortung auch)
a) Trainer, Helfer im Jugendbereich, nur mit erweitertem Führungszeugnis, was mittlerweile zum Glück eine Selbstverständlichkeit ist.
b) Helfer im Jugendbereich bei Fahrten… auch nur mit erweiterten Führungszeugnis. Lieber zu viel als zu wenig! (Der gute alte Konfuzius sagte übrigens damals: Lieber zu wenig als zu viel!)
c) Der Betreuer vom Zeitungsbericht war auch Ortsvorsitzender der SPD => Auch Funktionäre bei Erwachsenensportverbänden und politischen Verbänden benötigen für ein Amt meiner Meinung nach auch das erweiterte Führungszeugnis .Das ist traurig, aber in diesen Zeiten unausweichlich.
Wir müssen dafür sorgen, dass mehr Hürden für Täter geschaffen werden, die vor Missbrauch schützen. Kein schönes Thema, das gebe ich gerne zu, aber wichtig. Haltet die Augen offen, arbeitet streng mit Führungszeugnissen. Wenn ihr das befolgt, kann viel weniger passieren! Ihr kriegt nocoh mehr Tipps von Jörg Schulz und Karoline Gröschel. Übrigens wird Euch auch hier beim DSB geholfen!
Deutscher Schachbund: Ansprechperson Prävention sexualisierter Gewalt
Für Anfragen zur Prävention sexualisierter Gewalt im Schach und als Ansprechpartner für Betroffene wenden Sie sich bitte an Astrid Hohl.
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Übersichtsseite zu Safe Sport.

- Jörg Schulz, bitte stelle dich kurz vor
Ich bin Beauftragter für Ausbildung in der DSJ und Mitglied in der AG gesellschaftliche Verantwortung. Und damit in beiden Bereichen mit dem Themenkomplex Kindeswohl, Kinderschutz und Prävention befasst.
- Was verstehst du unter sexueller Gewalt im Schach?
Der Komplex sexualisierte Gewalt ist vielschichtig. Darunter versteht man Grenzverletzungen und Übergriffe, körperliche (physische) Gewalt, emotionale (psychische) Gewalt und sexualisierte Gewalt. Hintergrund für die verschiedenen Aspekte der Gewalt sind die Machtpositionen, die in einer Organisation bestehen. Ob Schule, Kirche, Sport. Und da ist es egal, um welche Sportart es sich handelt. Es gibt Abhängigkeiten, es gibt Machtposition wie zum Beispiel das Aufstellen von Mannschaften, das Nominieren von Sportlern, das Gefüge in einer Trainingsgruppe. Erwachsene üben diese Macht aus und können sie für sich nutzen, indem sie Abhängigkeiten schaffen, Lieblinge herausbilden. Darin liegt dann auch die Strategie von Pädophilen. Sich zum einen im Verein als engagierter Mitstreiter aufbauen, der für den Verein unverzichtbar wird. Zum anderen sich schwache Kinder heraussuchen, die sie abhängig von sich machen können mit Gefälligkeiten, mit besonderer Fürsorge. Das ist strategisch und auf lange Zeit angelegt und ein schleichender Prozess.
Wichtig ist mir aber auch zu vermitteln, dass zum Beispiel körperliche und emotionale Gewalt bis hin zur sexuellen Gewalt auch zahlreich unter Kinder, Jugendlichen vorkommt. Auch hier geht es um Macht. Kinder, Jugendgruppen bilden in ihren Gruppen ein Machtgefüge aus, suchen sich Schwache heraus, aus denen sie Opfer machen können. Mobbing im Kinder- und Jugendbereich ist hier das Stichwort.
- Bei der DSJ-Akademie gab es den Workshop PSG bei Veranstaltungen. Was macht die DSJ gegen sexualisierte Gewalt bei Veranstaltungen?
In diesem Bereich hat die DSJ schon einiges getan, einiges ist aber auch noch zu tun. Im von der AG gesellschaftliche Verantwortung verabschiedeten Schutzkonzept ist vieles vorgegeben, das die DSJ jetzt Schritt für Schritt umsetzt.
An oberster Stelle steht, offen und offensiv mit dem Themenkomplex umgehen. Das gilt auch für jeden Verein. Nicht verschweigen und so tun, als ob es das Thema nicht gäbe. Das bedeutet, es muss sichtbar gemacht werden, durch einen eigenen Bereich auf der Homepage der Verbände, Vereine, neutrale Ansprechpersonen müssen benannt werden. Am besten keine aktuellen Funktionsträger, sondern fachkundige weibliche und männliche Personen aus der Organisation, an die man sich vertrauensvoll wenden kann, ohne dass sofort der Verband, der Verein involviert ist. Es gibt für diese Ansprechpersonen deshalb auch keine Berichtspflicht an den Vorstand.
Bei großen Veranstaltungen muss es eigene Ansprechpersonen geben, die man direkt auf den Veranstaltungen ansprechen kann. Das ist seit Jahren bei den Deutschen Jugendmeisterschaften umgesetzt, aber noch nicht bei allen großen Veranstaltungen. Bei jeder Veranstaltung muss ein Aushang zum Thema mit Kontaktmöglichkeiten der Ansprechpersonen sichtbar ausliegen.
Alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Personen, die Veranstaltungen organisieren und vor Ort umsetzen, müssen im Bereich Kinderschutz geschult werden und eine Verpflichtungserklärung gegenüber dem Verband, Verein abgeben (Führungszeugnis, oder Ehrenkodex), mit dem sie nachweisen, dass sie sich in diesem Bereich bisher nicht schuldig gemacht haben, dass sie den Kinderschutz ernst nehmen und umsetzen. Das ist schon seit vielen Jahren so bei der DSJ.
In allen Ausbildungsangeboten des Verbandes muss es Lehreinheiten zum Kinderschutz verpflichtend geben. Auch das ist umgesetzt bei der DSJ.
- Schwere Frage: Wie oft habt ihr im Jahr bei Turnieren mit Sexueller Gewalt zu tun?
Ich kann dies für die aktuellen Turniere und Veranstaltungen nicht sagen, da Fälle ja nicht offen thematisiert werde. Aus meiner Zeit als DSJ-Geschäftsführer und als derjenige, der in der DSJ begonnen hatte den Präventionsbereich aufzubauen, kann ich sagen, dass es im Schachsport ständig zu Vorfällen kommt. Und zwar aus den oben angeführten verschiedenen Bereichen der sexuellen Gewalt. Wir hatten Fälle von sexueller Gewalt unter Jugendlichen, Ausnutzen von Machtpositionen von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen, übergriffiges Verhalten von Betreuenden gegenüber ihren Schützlingen, bis zu sexueller Gewalt. Und da ist es auch schon zu Prozessen und Verurteilungen gekommen. Alle, die glauben, sexuelle Gewalt im Schachsport ist kein Thema, die irren gewaltig!
- Was ist euer Rat für Vereine. Was kann man manchen, wie kann man sich fortbilden?
Mein Rat an die Vereine, nehmt das Thema ernst. So wie bei Frage 3 ausgeführt. Jeder Verein muss es thematisieren, Ansprechpersonen benennen, sorgsam bei der Auswahl von Trainern und Trainerinnen, Ehrenamtlichen sein. Nicht nur auf die Spielstärke schauen, auch auf den Charakter, das soziale Verhalten. Nicht gleich zugreifen, wenn sich wer zur Mitarbeit bereiterklärt, sich von selbst anbietet. Führt Gespräche, kundschaftet die Motivation für das Engagement aus.
Erstellt ein eigenes Schutzkonzept für den Verein (Hilfe bekommt man bei den Sportjugenden.), macht das Thema öffentlich, erarbeitet einen vereinseigenen Verhaltenskodex (Als Muster kann man die DSJ-Fairplayvereinbarung für Vereine nutzen – https://www.deutsche-schachjugend.de/dsj-inside/gesellschaftliche-verantwortung/fairplay/vereinbarung-zum-fairplay/ -.), bindet die Eltern ein per Rundbrief, auf Elternabenden, denn sie wollen die Gewissheit haben, dass ihre Kinder, die sie dem Verein anvertrauen, sich in einem geschützten Raum bewegen.
Und natürlich fortbilden, fortbilden. Entweder über die Ausbildungsmodule der DSJ, über die Sportjugenden, oder über andere gemeinnützige Organisationen. Angebote gibt es viele. Hilfestellungen auch, die Vereine müssen nur bereit sei, sie zu nutzen. Und am besten, bevor es zu spät ist, es also zu Vorfällen gekommen ist.
Sollte es zu Vorfällen kommen, kein Aktionismus, ruhiges Handeln ist gefragt, der Schutz des Kindes, Jugendlichen steht im Vordergrund. Auch hier gibt es viele gemeinnützige Organisationen, die Hilfe anbieten. Und egal wie aktiv der Täter im Verein bisher war, Täter dürfen nicht in Schutz genommen werden, von ihnen muss sich der Verein trennen.
