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Im Streitfall Kramnik gegen NewInChess hat das angerufene Gericht hat heute, am 1. September 2026, entschieden: Vladimir Kramnik hat den Rechtsstreit gegen New In Chess verloren.
Zum Hintergrund: Kramnik hatte New In Chess wegen eines sechsseitigen Artikels von Leon Watson verklagt. Der Artikel trägt den Titel „A Very Public Feud“ und erschien Ende 2025 in New In Chess 2025/8. Im Mittelpunkt standen Kramniks öffentliche Auseinandersetzungen mit Daniel Naroditsky, David Navara und weiteren Spielern.
Besonders brisant war bereits der Einstieg des Artikels: Naroditsky sei Opfer von „cyberbullying“ durch Vladimir Kramnik geworden. Der Artikel setzte sich außerdem mit Kramniks wiederholten öffentlichen Verdächtigungen auseinander, wonach bestimmte Spieler beim Online-Schach Computerhilfe verwendet hätten.
Kramnik sah darin eine Verletzung seines Persönlichkeitsrechts bzw. eine Verleumdung und zog deshalb vor ein niederländisches Gericht in Amsterdam. Die mündliche Verhandlung fand am 18. August 2026 statt; Kramnik nahm per Video aus der Schweiz teil
Laut dem Urteil wurde entschieden, dass das Artikel gemäß dem Gericht nicht als Verleumdung einzustufen ist – New In Chess durfte den Artikel also stehen lassen. Kramnik muss zudem einen begrenzten Teil der Prozesskosten übernehmen.
Das passt auch zum bisherigen Verlauf: New In Chess hatte im August angekündigt, den Artikel und das Recht auf freie Berichterstattung vor Gericht zu verteidigen, und wollte bis zum Urteil keine weiteren Kommentare abgeben. Die Klage stand im Zusammenhang mit einem separaten FIDE-Disziplinarverfahren, in dem Kramnik im Juli 2026 wegen Cybermobbings und ähnlicher Verstöße mit einer teils zur Bewährung ausgesetzten Zwei-Jahres-Sperre belegt wurde – gegen diese FIDE-Entscheidung hat Kramnik separat Berufung beim CAS eingelegt.
New In Chess gab an, über 25.000 Euro an Prozesskosten aufgewendet zu haben und wollte diese vollständig von Kramnik erstattet bekommen. Der Richter hat jedoch entschieden, dass Kramnik nur die gesetzliche Standardvergütung zahlen muss – das sind knapp 4.500 Euro. New In Chess bleibt also auf einem erheblichen Teil der eigenen Anwaltskosten sitzen, obwohl sie den Prozess gewonnen haben.
Ein besonders interessanter Aspekt ist, dass die wenige Wochen zuvor ergangene Entscheidung der FIDE Ethics & Disciplinary Commission in dem Zivilprozess eine Rolle spielte.
Die FIDE hatte Kramnik im Juli 2026 wegen verschiedener Verstöße im Zusammenhang mit seinen öffentlichen Äußerungen sanktioniert. Die Entscheidung kam zu dem Ergebnis, dass Kramniks Verhalten teilweise als Cyberbullying, psychologischer Missbrauch und falsche bzw. ungerechtfertigte öffentliche Anschuldigungen einzustufen war.