Jerome Lorenz. Photo: privat
Der Deutsche Schachbund (DSB) hat endlich die lang ersehnte Marke von 100.000 Mitgliedern geknackt – Jubiläumsmitglied ist der 18-jährige Jerome Lorenz vom Schachverein Dinslaken 1923, der sich am 23. August um 23:32 Uhr durch Spielleiter und Jugendwart Thomas Rosenberg anmeldete.
Die Geschichte dahinter: Lorenz lernte Schach mit neun Jahren von seinem Vater und spielte bisher vor allem online oder mit einem Kumpel in der Schulpause. Vor drei Wochen fasste er sich ein Herz und ging – „supernervös“ – zum Spielabend des SV Dinslaken. Der Verein nahm ihn sofort herzlich auf: Er landete gleich einen ersten Sieg, wurde nach nur zwei Spielabenden angemeldet und darf nun für die Jugend- sowie die vierte Mannschaft des Vereins antreten.
Reaktion des Verbands: DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker nannte die 100.000er-Marke einen „schönen symbolischen Moment“ und einen Beleg dafür, dass Schach boome. Als besonderes Willkommensgeschenk erhält Lorenz einen freien Startplatz für die Deutsche Amateurmeisterschaft (DSAM) in Bonn im Dezember – wo zufällig auch mehrere Vereinskollegen aus Dinslaken teilnehmen.
Einordnung: Der Bericht deutet Lorenz‘ Weg als typisch für einen größeren Trend: Viele reine Online-Spieler entdecken zunehmend die Sehnsucht nach echtem Brettschach mit Gegnern von Angesicht zu Angesicht. Nur 20 Minuten nach Lorenz‘ Anmeldung kam bereits das nächste Mitglied hinzu – zum Stichtag 31. August zählte der DSB bereits 100.088 Mitglieder.
Unter dem folgenen Link lässt sich die Mitgliederentwicklung abrufen. Tatsächlich pendelt der Schachbund seit langem zwischen 90.000 und 100.000 Mitgliedern, hatte aber bisher noch nie die magische Grenze überschritten.
Besonders erfreulich ist der Anstieg in den letzten zehn Jahren: von 2016 bis 2018 lag der Bestand knapp bei unter 90.000 (89.000 plus X), und zuletzt war dies 2023 der Fall, doch seitdem hat ein regelrechter Schachboom die Mitgliedszahlen nach oben getrieben. Dazu trugen folgende Faktoren bei:
- Zweifelsohne die Corona-Pandemie, wo man nach Beschäftigungen sucht, die man zu Hause ausüben konnte
- Die Netflixserie „Das Damengambit“, die überraschend viele Zuschauer fand, und auch Frauen für Schach warb
- Den leichten Zugang zu Schach über die führenden Schachserver, insbesondere chess.com und Lichess.
- Wohl auch die Breitenarbeit des Deutschen Schachbunds, deren Aushängeschild die DSAM ist, also die Deutsche Amateurmeisterschaft
Allerdings muss man auch einräumen: im Jahr 1992, also nach der Wiedervereinigung stand die Mitgliederzahl im DSB bereits bei 97.000 – so gesehen trat der Deutsche Schachbund sehr lange auf der Stelle, bis endlich die sechsstellige Marke geknackt wurde.
Abschließend ist anzumerken: Der Transfer in die Vereine gelingt natürlich auch nicht immer, viele Hobbyspieler spielen regelmäßig online Schach, ohne sich in einem Verein anzumelden. Hier reden wir über Millionen.