Wenn ein Turnier Kapazität für 100 Teilnehmende hat und dann 23 auftauchen, haben alle viel Platz. Dieser Bericht auch „in eigener Sache“ – vorab hatte ich über das Turnier nicht berichtet, da ich zweifelte ob es überhaupt zustande kommt. Dann hat es heute stattgefunden mit einem in mehrfacher Hinsicht bunt gemischten Teilnehmerfeld: Elo (oder auch nicht), Alter und auch Herkunftsland der Spieler (gendern muss ich da nicht, eine junge Dame hatte sich zwar angemeldet aber ist dann nicht erschienen).
Worum geht es? Ein Schnellturnier an der Hochschule Fulda – die Hochschule stellte die Räumlichkeiten, Hochschulsport war auch vor Ort vertreten. Organisiert wurde es dabei wohl vor allem von der evangelischen Studierendengemeinde mit (durch meine Person) etwas Unterstützung vom SC Fulda. Wie lange der erwähnte Link esg-fulda.de noch ein Schachturnier erwähnt weiß ich nicht, aber das ist wohl die offizielle Turnierseite. Das Turnier war eine Mischung aus einerseits ambitioniert und andererseits niedrigschwellig. Ambitioniert war FIDE-Auswertung, insgesamt 700 Euro Preisgeld und daher auch 25 Euro Startgeld. Das ist für derlei Turniere viel und hat vielleicht einige abgeschreckt. Niedrigschwellig bedeutete dabei: alle willkommen, auch Spieler ohne Elo und ohne Turniererfahrung. Das war eine kleine (am Ende nur eine kleine) Herausforderung für die Schiedsrichter.
Das Teilnehmerfeld
Wie es genau zustande kam, da bin ich überfragt. Lange stand auf chess-results nur ein Teilnehmer (Sohn der Organisatorin). Dann wurden es allmählich mehr, darunter ein Titelträger der vielleicht dachte „der erste Geldpreis von 300 Euro ist für mich“. Beworben wurde das Turnier wohl vor allem an der Hochschule, auch Aushänge in der Mensa, und darüber hinaus in Kreisen evangelischer Studierendengemeinden. Ich machte auch noch vereinsintern Reklame, das brachte vielleicht vier Teilnehmer. Und ich hatte eine Reihe ost- und nordhessischer Vereine informiert, das brachte vielleicht einen Teilnehmer vom Nachbarverein SK Turm Bad Hersfeld (kein Spieler der ersten Mannschaft).
Relativ kurzfristig haben sich dann noch zwei Titelträger angemeldet, die sich seit langem kennen – dazu gleich eine eigene Rubrik. Stand 23.10. waren es 23 Teilnehmer. Stand 30.10. hatten sich 28 angemeldet, am 31.10. waren es dann 23 – nicht genau dieselben, die sich frühzeitig angemeldet hatten. Die Anreise aus Jordanien, Sri Lanka und Usbekistan war vielleicht doch zu kompliziert? Quatsch, das sind wohl internationale Studierende an der Hochschule Fulda, die sich zwar angemeldet hatten (und Startgeld bezahlten?) aber dann nicht auftauchten. International war es trotzdem: vertreten waren (wenn auch nicht mit ihren besten Spielern) neben Deutschland die großen Schachländer Frankreich, Ukraine, Iran, Russland und Indien sowie das schachlich eher kleine Albanien und offenbar auch Tunesien. Das sind die Heimatländer – FIDE-Land wird bei denen, die sie für dieses Turnier beantragten, wohl GER.
Nach nomineller Spielstärke
Die Startrangliste hatte ich bereits verlinkt, es war quasi dreigeteilt: drei Titelträger (ein IM und zwei FMs), sieben weitere mit vorhandener Elo und dreizehn elolose. In der zweiten Gruppe vor allem SC Fulda (Ali Moradi hatte es bei der Anmeldung offenbar nicht angegeben), zwei andere hessische Vereine und ein aktuell offenbar vereinsloser Spieler. Franz-Peter Scholz war in dieser Gruppe vielleicht doppelt Exot: der bei weitem elobeste in diesem Kreis, und der einzige Senior – in dieser Gruppe und im gesamten Turnier.
Am Ende landeten die ersten vier der Setzliste in genau dieser Reihenfolge vorne, dann kamen – etwas durcheinander – Nummer 8, 6, 5 und 7 der Setzliste. Das große Durcheinander dahinter ist logisch: Spieler ohne Elo und auch ohne DWZ werden alphabetisch sortiert. Dabei ist – auch wenn es tendenziell fast stimmte – der Franzose Sacha Arabeyre (Austauschstudent in Fulda) nicht unbedingt der Beste, und Tobias Woltmann (Bad Hersfeld) nicht zwingend der schlechteste.
Endstand
Hier mal nur die ungeteilten vorderen Plätze: IM Krastev 9/9, FM Bethke 8, FM Hasanov 7, Franz-Peter Scholz 6, Kenny Jung 5.5, dann sechs Spieler mit 5/9, usw. . Die ersten vier spielten ein remisloses Rundenturnier gegeneinander nebst 6/6 aus den verbleibenden Partien.
Deutscher Meister und deutscher Vizemeister
Nachdem zunächst Richard Bethke in der Teilnehmerliste auftauchte habe ich recherchiert. Zunächst informierte ich einen Arbeitskollegen, der auch Mitglied von Bethkes Heimatverein SC 1934 Gelnhausen (südwestlich von Fulda) ist. Er meinte darauf „der konnte als Kind kaum über den Tisch gucken und hat dann alle vom Tisch gespielt“ – also schon in jungen Jahren talentiert. Google fand dann unter anderem das anno 2015 von seinem Heimatverein – „Richard Bethke Deutscher Vizemeister im Schach“. Das war die damalige deutsche U10-Meisterschaft. Unten im Artikel steht „Der Samstag begann mit einer Remis-Vereinbarung an Brett 1, die dem Weiß-Spieler Alexander Krastev den Turniersieg sicherte.“
Als Krastev auch in der Teilnehmerliste auftauchte habe ich das Archiv der Deutschen Schachjugend konsultiert: Sieger der DEM U10 2015 Alexander Krastev (Biebertaler SF, DWZ 1767, Elo 1940) vor Richard Bethke (SC Gelnhausen, DWZ 1607, Elo 1655). Ein Jahr zuvor hatten beide auch DEM U10 gespielt, da waren sie ja noch jünger und hatten starke Konkurrenz: Favoritensieg für einen gewissen Vincent Keymer, der an zwei gesetzte Frederik Svane wurde nur oder immerhin Vierter (Platz 5 für Krastev, Platz 12 für Bethke).
Wir werden alle älter, in jungen Jahren wird man mitunter auch noch deutlich besser: DEM U14 2018 Platz eins für Krastev (immer noch Biebertaler Schachfreunde, nun DWZ 2211 und Elo 2230) und Platz drei für Bethke (nun SF Neuberg, DWZ 2137 und Elo 2148). Der damals gegenüber Krastev nominell leicht favorisierte Frederik Svane wurde Neunter. Noch ein Jahr später wieder U14, man ist ja immer zwei Jahre in derselben Altersklasse: Platz 1 für Krastev (weiterhin Biebertal, nun Elo 2340 also FM), Platz 2 für Bethke (weiterhin Neuberg, nun Elo 2246).
Wie ging es für sie weiter?
Auch Krastev hat dann seinen Heimatverein verlassen und spielt nun für Solingen Bundesliga. Bethke hat Neuberg, deren Oberliga-Mannschaft sich Ende letzter Saison auflöste, verlassen und spielt nun für Schönaich bei Stuttgart Zweite Bundesliga. Er hatte nach eigener Aussage auch andere Angebote, indirekt auch vom Hessenliga-Aufsteiger SC Fulda – aber nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Vielleicht landet ja der eine oder andere noch vereinslose Student in meinem Verein – dann wohl jedenfalls anfangs eher in der dritten, vielleicht in meiner zweiten Mannschaft.
Warum können Vereinslose Schach spielen?
Zum Teil vielleicht, weil sie (jedenfalls ein Teilnehmer des Turniers) früher mal in einem Verein waren. Heutzutage dabei häufiger: sie spielen generell vor allem im Internet. In einem aufgeschnappten Gespräch sagten dann auch mehrere, dass Schach am Brett „gewöhnungsbedürftig“ ist. Man muss die Uhr selbst bedienen, aber vor allem genannt:
1) Regelwidrige Züge sind möglich – bei Lichess, chess.com usw. erlaubt der Server sie gar nicht.
2) „Berührt geführt“ gilt im Internet auch nicht. Man kann eine Figur anklicken und sich dann doch anders entscheiden. Das stimmt generell, wobei ich gerade letzten Donnerstag auf Lichess einen kuriosen „Unfall“ hatte. Ich hatte den König angeklickt, um kurz zu rochieren, und dachte dann „doch zuerst Ta8-c8“. Und dann erschien die lange Rochade …. . Offenbar hatte ich versäumt, den Ke8 zu entklicken und den Ta8 anzuklicken, sondern nur das Feld c8 angeklickt. In der konkreten Stellung und gegen einen relativ schwachen Gegner hatte es dabei, bis auf Verwirrung meinerseits, keine Konsequenzen.
Das ist eigentlich schon die Überleitung zu später „Aufgaben eines Schiedsrichters“, aber zunächst nochmal das Titelbild mit Erläuterungen dazu:
Der Turniersaal

Hier erscheint das Titelfoto nur klein, man kann dabei auch (rechter Mausklick) „Bild in neuem Tab öffnen“ wählen und es dann noch etwas vergrößern. Ich hatte keine Kamera dabei, nur ein Handy. Handys waren zwar laut (s.u.) Hauptschiedsrichter Dirk Windhaus im Turniersaal nicht strengstens verboten, aber sie wurden doch bestenfalls toleriert. Natürlich für Spieler keine Nutzung während der Partie. Den Beginn der sechsten Runde fotografierte ich vom Rand und angesichts der Situation vor Ort quasi „von hinten“. Ganz vorne auf dem Foto Organisatorin Bita Faryabi, bereits mit Aufräumarbeiten beschäftigt – nicht benötigte Stühle am Rand des Raumes stapeln. Die Halle 8, „gute Stube“ der Hochschule Fulda, musste hinterher leer hinterlassen werden.
Dahinter Brett 11, das Schiedsrichter tendenziell am meisten beschäftigte. Ganz hinten die Spitzenbretter. Stehend da der Spieler, der in dieser Runde Freilos hatte (bei ungerader Teilnehmerzahl ja immer einer). Daneben sitzend in dunkelgrün Alexander Krastev. An Brett 2 in Weiß Richard Bethke (hat zwar +- dieselbe Frisur wie anno 2015, kann aber inzwischen über den Tisch gucken), in Rot Zaur Hasanov. Ganz rechts Turniersenior Franz-Peter Scholz – vielleicht nicht dieselbe Frisur wie vor gut 10 Jahren, ich bin erst seit Anfang 2022 in Fulda und etwa seit Mitte 2022 da im Schachverein.
Ich musste ja Aufgaben als Schiedsrichter (vor allem die hinteren Bretter) gegenüber denen als Reporter priorisieren, aber doch ein paar Worte zu den drei Favoritenduellen:
Runde 4 IM Krastev – FM Bethke 1-0
Nach meinem Eindruck (und auch von Richard Bethke bestätigt) ein recht souveräner und verdienter Sieg des IM. Die beiden anderen Partien dagegen eher aus der Rubrik „das kann im Schnellschach passieren“. Aus dem Gedächtnis rekonstruiert:
Runde 5 FM Hasanov – IM Krastev 0-1
Auf dem Brett stand ein Endspiel mit Türmen, ungleichfarbigen Läufern, beiderseits zwei oder drei Bauern am Königsflügel und weißem Freibauern auf d7. Schwarz kontrollierte dabei das Umwandlungsfeld d8, aber jedenfalls waren nur zwei Ergebnisse denkbar. Dann verirrte sich der weiße König nach f5, und nach -Te6 drohte plötzlich fast undeckbar -Te5#. „Fast“ bedeutete, dass Weiß das nur unter Läuferverlust verhindern konnte. Ich widerstand der Versuchung, die Stellung nach -Te6 mit dem Handy zu fotografieren und kann es nun nicht genau rekonstruieren. Jedenfalls: so wurde aus „1/2, vielleicht 1-0“ später 0-1.
Runde 6 FM Bethke – FM Hasanov 1-0
Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hatte Weiß eine Figur weniger für die er gewisse Kompensation hatte – dabei zunächst vor allem eigene, später beiderseitige Zeitnot. Irgendwie wurde daraus 1-0.
Die Körpersprache von Zaur Hasanov nach diesen beiden Partien jeweils aus der Rubrik „das darf doch nicht wahr sein!?“. Heimatland ist nach eigener Aussage Aserbaidschan, dabei spielte er bis Ende 2024 für Russland und seither für Deutschland. Aber eventuell konnte man eingangs noch ein großes Schachland erwähnen, wobei auch er da wohl kein Kandidat für die Nationalmannschaft ist oder wäre. Hinterher sagte er „war vielleicht eine gute Vorbereitung auf mein nächstes Turnier“ – das kommt ganz am Ende dieses Beitrags.
Aus dem einige Tage vorab „sicheren“ Turniersieg (keine Konkurrenz angemeldet) wurde der „mögliche“ jedenfalls geteilte Turniersieg und dann wurde es Platz 3. So entfiel auch eine ansonsten denkbare Buchholz-Lotterie bei Punktgleichheit auf den vorderen Plätzen. Nur für die beiden „Sonderpreise“ (Elo unter 1800, ohne Elo) spielte „Kommissar Zufall im Schweizer System“ eine Rolle. Ich erkläre das mal nicht im Detail. Jeweils hatte der offiziell Zweitbeste „eigentlich“ ein besseres Turnier gespielt als derjenige, der 50 Euro Preisgeld bekam – aber eben einen halben Punkt weniger.
Osthessen-News
Eine Reporterin des regionalen Nachrichtenportals war zu Turnierbeginn etwa eine Stunde vor Ort. Ich hatte die mündliche Zustimmung, ihre Fotos zu verwenden. Aber a) reicht mir das vielleicht nicht (nicht mit der Redaktion geklärt?), b) „passen ihre Fotos nicht zu meinem Beitrag“. Ich verlinke mal, wie sie – für eine andere Zielgruppe – über dieses Turnier berichtete. Womöglich Zufall, dass auf dem Foto des jüngsten Teilnehmers hinten auch der älteste (könnte sein Opa sein) auftaucht.
Aufgaben eines Schiedsrichters – meine Rolle im Turnier
Vorab: Ich machte Ende 2022 einen Schiedsrichterkurs. Seither nutzte ich ihn vor allem, um bei Meldung von Ergebnissen von Heimspielen „Schiedsrichter Thomas Richter“ anzugeben – Turnierschiedsrichter war ich noch nie. Selbstverständlich hatte ein FIDE-ausgewertetes Turnier einen kompetenten und erfahrenen Hauptschiedsrichter – Dirk Windhaus, Turnierleiter des Hessischen Schachverbands, International Arbiter (ich nur national), lange Liste von Turnieren, die er seit 2017 „gepfiffen“ hat. Er ist aus Wiesbaden angereist.
Generell habe ich mich mit ihm abgestimmt, aber jedenfalls wenn es doch 50+ Teilnehmer geworden wären braucht man auch einen „deputy arbiter“. FIDE-offiziell ist es Bita Faryabi, de fakto hatte ich diese Rolle – Schwerpunkt hintere Bretter. Was gab es zu tun?
Gleich in der ersten Runde monierte ein Spieler, dass sein Gegner mit einer Hand zog und mit der anderen die Uhr bediente. Recht hatte er, ich sagte dann auch „da hat er Recht“. Der „Sünder“: „Und nun?“ „Spielt weiter, Du bekommst eine Verwarnung“. Später dasselbe noch einmal, nun wollte ich dem Gegner eine extra Minute auf der Uhr geben. Das wollte der Gegner aber nicht, und der „Wiederholungstäter“ meinte „ach, ich verliere doch sowieso“. Ich erteilte dann eine zweite Verwarnung.
Regelwidrige Züge
Darauf – Schachgebot ignorieren – war ich vorbereitet, dann gibt es eine Zeitgutschrift für den Gegner. Neu war mir, dass es bei Schnellschach nun nicht zwei Minuten sind sondern nur eine – das wusste der Hauptschiedsrichter. Zweimal war es der Fall, das erste Mal stand Dirk in der Nähe und ich sagte „mach Du das mal“. Generell hatte der unerfahrene Thomas Richter diesbezüglich weniger zu tun als 2021 der erfahrene Bayer Thomas Sörgel bei der bayerischen U10-Mannschaftsmeisterschaft. Ich verlinke mal den noch vorhandenen launischen Turnierbericht aus meiner damaligen Münchner Tastatur.
Falsche Grundstellung
Damit hatte ich nicht gerechnet, aber das – König auf d1, Dame auf e1 – gab es an den hinteren Brettern öfters mal, wenn Spieler nach Partieende die Grundstellung selbst aufbauten. Im Internet macht das ja auch immer der Server. Etwa ab Runde 4 habe ich es dann konsequent überprüft, zuvor wurde es auch mal erst in einer laufenden Partie entdeckt. Ein Fall war: später rochierte weiße Dame auf g1, unrochierter König auf d1 der dann nach Ld3-b5 im Schach stand. Bei zwei elolosen Spielern habe ich das so gelöst: Läufer zurück nach d3, Dame nach d1 und König nach g1 – „Weiß am Zug“ spielte dann Ld3-b5. Wohl nicht regelkonform (der Referent meines Schiedsrichterkurses hätte vermutlich anders entschieden) aber die Absicht des Weißspielers war offensichtlich, „Gnade vor Recht“?
„Wir brauchen einen Kugelschreiber!“
Das war der häufigste Fall. Dirk Windhaus ließ Ergebniskarten ausdrucken, auf denen auch beide Spieler unterschreiben mussten. Regelmäßig hatte dabei keiner der beiden ein Schreibwerkzeug dabei, was einer von ihnen dann mit erhobener Hand mir mitteilte. Dazu steht meines Wissens nichts im FIDE-Regelwerk, aber da konnte ich helfen (auch wenn ich darauf nicht vorbereitet war, aber Kugelschreiber hatte ich parat).
Andere Fälle
Ein Fall von „Berührt-geführt“: Schwarz berührt seinen Turm, stellt dann fest dass sein Läufer hängt und vom Turm nicht gedeckt werden kann. Kommando zurück: Tc8-c8 nebst Lf6-g7. Laut Dirk Windhaus lag ich richtig mit „Gegner muss das reklamieren (und tat es nicht), Schiedsrichter sollte da nicht selbst eingreifen“. Anders war es, als ein Spieler die Bedenkzeit überschritt und beide einfach weiterspielten. Ich dachte „das klärt sich schon, bei elektronischen Uhren sieht man ja auch welches Blättchen zuerst gefallen ist“. Laut Dirk Windhaus darf ein Schiedsrichter nicht nur Zeitüberschreitung reklamieren, er MUSS es tun. Wieder was gelernt oder ist das nur seine Ansicht?
In der letzten Runde der potentiell komplizierteste und ohne Liveübertragung kaum lösbare Fall: alle Bauern am Königflügel, drei für Weiß und zwei für Schwarz, zwei Türme und nur Schwarz hat einen Springer. Da wurde dann viel manövriert, 50- oder 75-Züge Regel könnte eine Rolle spielen. Aber da muss ein Schiedsrichter dann mitschreiben um Reklamation auf Verdacht korrekt zu beurteilen, oder nach 75 Zügen selbst einzugreifen? Nicht machbar!? In der Partie dann Turmtausch und Sieg für Schwarz.
Generell empfand ich Schiedsrichter als vielleicht ebenso anstrengend wie selbst spielen. Man muss ja – so interpretierte ich meine Rolle jedenfalls – ständig durch den Turniersaal laufen oder an einem Brett stehen, hinsetzen kann man sich nie.
„Wie geht es weiter?“
Für neue Leserinnen und Leser: das ist eine Standard-Rubrik in meinen Artikeln, zuvor schon einmal verwendet und nun zweigeteilt:
Kurzfristig in Berlin
Mit „nächstes Turnier“ meinte Zaur Hasanov die Deutsche Hochschulmeisterschaft am 7.11. in der deutschen Hauptstadt. Da ist er nach aktuellem Stand Nummer 12 von 326, da wird wohl auch ein (in Fulda anfangs eventuell vorgesehener) Damenpreis vergeben.
Mittelfristig in Fulda
Es soll offenbar eine zweite Auflage des Turniers geben, Details noch nicht bekannt – vielleicht dann auch ein Sponsor und damit vergleichbares Preisgeld bei weniger Startgeld. Ich sagte den Organisatoren auch „man muss vielleicht einen langen Atem haben“ und nannte da die Karbener Stadtmeisterschaft. Das ist ein größeres Schnellschachturnier im Frankfurter S-Bahn Bereich. 2024 hatten sie bei der Neuauflage nach langer Pause 45 Teilnehmer, 2025 waren es 73, 2026 dann über 100, und für 2027 wollen sie einen Saal mit Platz für ca. 200 anmieten. Wie gesagt Frankfurter S-Bahn Bereich, zentraler in Hessen als Fulda – Osthessen ist schachliche Provinz, „aus der Provinz zu einem zentral gelegenen Turnier“ ist häufiger als umgekehrt.