26.07.2026

12 Gedanken zu „Großer Erfolg für Fiona Sieber auf der Europameisterschaft

  1. Glückwunsch an Fiona!

    Aber bezüglich der Olympionikinnen:
    Warum fehlt in der Aufzählung der Kandidatinnen Lara Schulze? Immerhin die #5 in D laut Schachbund.de. Außerdem 2326 Elo und 1,5/2 in der Bundesliga gegen GM/IM.
    War, warum auch immer, allerdings bei der EM nicht dabei?!

    1. Hallo Peter, wenn du den Bericht aufmerksam liest, habe ich über den vierten Nominierungsplatz der Frauenmannschaft nichts geschrieben, da ich davon ausging, dass er an Lara Schulze geht, die aktuell über 2300 Elo hat. Allerdings hat sie an der EM nicht teilgenommen, was eine Gegenindikation für die Nominierung sein könnte (genau wie bei Katerina Dolzhikova). Der Bundestrainer erwartet natürlich, dass sich seine Spitzenspielerinnen aktuellen Herausforderungen stellen. Ein wichtiges Nominierungskriterium ist übrigens auch die spielerische Aktivität, d.h. eine Mindestanzahl von gespielten Partien, wobei hier für Elisabeth eine Ausnahme gelten sollte: sie kommt nicht auf die geforderten Mindestpartien, weil sie heuer eine Tochter entbunden hat.

  2. Im EM-Vorbericht hatte Gerald geschrieben „dürfte der Bundestrainer bei Josefine (Safarli) und Jana (Schneider) sicher ganz genau hinschauen, ob sie in Form sind, und gut abschneiden!“ Sie haben dann vielleicht nicht gut abgeschnitten, aber auch nicht wirklich schlecht – Platzierung und TPR jeweils etwa im Rahmen der aktuellen (im Vergleich zu mitunter früher relativ niedrigen) Elozahlen. Wenn „genau hinschauen“ neben Ergebnissen auch Partien beinhaltet: beide hatten einmal Glück, dass die Gegnerin die Eröffnung versemmelt hatte – dafür kann man sie natürlich nicht kritisieren, aber auch nicht unbedingt loben. Safarli/Heinemann war zuvor unabhängig von aktueller Form und Elozahl eigentlich immer gesetzt, nun nicht mehr?
    Klek hatte diesmal ein relativ schlechtes Turnier – frühe Niederlage gegen Tereza Rodshtein (2218) und dann recht viele Remisen gegen nominell unterlegene Gegnerinnen. Letzteres war auch der Grund, warum Dinara Wagner am Ende die Weltcup-Qualifikation knapp verpasste.
    Fiona Sieber hatten der Bundestrainer (und Gerald) zuvor wohl gar nicht „auf dem Zettel“, nach Elo lag sie ja noch hinter Charis Peglau (ganz schlechtes Turnier). Zu ihren Partien: Siege gegen Brunello und Khukashvili waren ebenso glatt wie die Niederlage gegen Bivol, die Partie gegen Sophie Milliet war eine ziemliche Lotterie. Niederlage zum Schluss gegen Arabidze: aus schlechter Stellung war sie entwischt und griff erneut daneben. Ob _ein_ starkes Turnier nun reicht für Olympia-Nominierung muss der Bundestrainer entscheiden.

    Gab es zuvor eine klare Ansage, dass bei Wackelkandidatinnen (mehr oder weniger erfolgreiche) Teilnahme an der EM Voraussetzung für (eventuelle) Olympia-Nominierung ist? Wie viele Partien müssen es ansonsten insgesamt sein? Dolzhykova ist demnach wohl raus: nach der Mannschafts-EM nur vier Elo-gewertete Partien in Mannschaftskämpfen (Oberliga und Frauenbundesliga), Anfang/Mitte 2025 war sie noch ziemlich aktiv aber das ist zu lange her!?
    Lara Schulze hat eine vergleichsweise hohe Elozahl aber war nicht allzu aktiv, und das nicht auf hohem und internationalem Niveau. Seit der Mannschafts-EM 23 Partien, Turniere waren Schach-Open Leer, Bremer Silvester-Open und Nordwest-Cup. In der Bundesliga hatte der GM Elo 2408, der IM 2385 (relativiert 1,5/2 etwas).
    Jana Schneider war Vielspielerin – mit der EM nun 88 Partien, auch starke Opens (OIBM am Tegernsee, Graz, Grenke). Sie hat sich „Herausforderungen gestellt“.

    Was der Bundestrainer aus all dem macht muss er entscheiden – lange Turniere sind (auch unabhängig vom Ergebnis) dabei wohl auch eine bessere Vorbereitung auf die ebenfalls „anstrengende“ Olympiade als Wochenend-Turniere und Mannschaftskämpfe (zwei Partien an einem Wochenende). Die Olympiade ist vielleicht etwas weniger anstrengend als die EM, da man auch mal pausieren kann – für Erfolgschancen des Teams sollten Pähtz und Wagner dabei wohl weitgehend durchspielen.

    Wenn ich Bundestrainer wäre (zum Glück bin ich es nicht) würde ich zu Pähtz, Wagner (wer bekommt da Brett 1?), Klek, Sieber und Schneider tendieren.

    1. Hallo Thomas, ja es ist richtig, Fiona hatte ich gar nicht auf der Rechnung, da sie zuletzt wenig erfolgreich spielte. Nun hat sie aber ein deutliches Statement gesetzt. Das Aktivitätskriterium lautet, dass in den letzten 12 Monaten 30 bis 40 Turnierpartien gespielt worden sein sollten.

  3. Ist eine Nominierung von Fiona Sieber (die aktuell weder dem Weltklasse- noch dem Perspektivkader der Frauen angehört) für die Schacholympiade 2026 überhaupt möglich oder ist dies durch Abschnitt 2.1.3.3 der Konzeption Leistungssport grundsätzlich ausgeschlossen?

    „2.1.3.3 Mannschaftswettbewerbe im WK- und PK-Bereich
    Bei den Mannschaftswettbewerben werden die Nationalmannschaften aus der Anzahl Spieler:innen gebildet, die nötig ist, um alle Bretter gemäß den Richtlinien des Mannschaftswettbewerbs zu besetzen. Hinzu kommt jeweils ein:e Ersatzspieler:in. Die Berufung in die Nationalmannschaft erfolgt durch den zuständigen Bundestrainer, ersatzweise durch ein von der Kommission Leistungssport beschlossenes Verfahren und setzt die Bereitschaft der nominierten Athlet:innen zur Teilnahme an Vorbereitungsmaßnahmen voraus.
    Athlet:innen, die dem Weltklassekader angehören, sind in der Regel vorrangig für Einsätze in
    der Nationalmannschaft zu nominieren. Der zuständige Bundestrainer, ersatzweise die Kommission Leistungssport, kann nach sportfachlicher Abwägung alternativ zu Athlet:innen des
    Weltklassekaders Athlet:innen des Perspektivkaders für Einsätze in der Nationalmannschaft
    nominieren.“

    1. Gut beobachtet! Ja jetzt wird es ganz spannend, denn Fiona ist als einzige Spielerin in keinem Kader nominiert: https://www.schachbund.de/dsbkader-w-2026.html. Trotzdem meine ich, dass ihre Nominierung unter diesen besonderen Bedingungen zumindest in Erwägung gezogen werden sollte.
      Also, jetzt stellen wir spaßeshalber nach Kader auf:
      1. WK 1 IM Dinara Wagner
      2. WK 2 WGM Hanna Marie Klek
      3. Kateryna Dolzhykova / Josefine Safarli
      4. WK 5 FM Lara Schulze
      5. PK 1 GM Elisabeth Pähtz

      Also ich muss sagen, das ist auch eine seltsame Reihenfolge, und die Elozahlen haben sich auch stark verändert.

    2. Ja und das ist wohl ein hartes Kriterium, Aktivität dagegen ein weiches (30 bis 40 Turnierpartien in 12 Monaten „sollte“ der Fall sein, Ausnahmen möglich).

      Kaderlisten findet man via https://www.schachbund.de/kaderlisten.html sowie für WK und PK auch hier – https://schachkicker.de/die-neuen-dsb-kader-stehen/ . Da wurden im Dezember 2025 Entscheidungen getroffen, die man nun vielleicht etwas bereut: die nahezu inaktive Sarah Papp im PK („wenn Du wieder mehr spielst könnte Nationalmannschaft eine Option sein“) und auch Lisa Sickmann und Charis Peglau bekamen bereits die eventuelle Perspektive Nationalmannschaft. Da maximal zehn in WK und PK zusammen ein hartes Kriterium ist, blieb Fiona Sieber so außen vor.

      Sie könnte wohl nur dann für die Nationalmannschaft nominiert werden, wenn sechs von zehn Kaderspielerinnen entweder verzichten oder es greifen „Ausschlusskriterien“. Diese gibt es für Sarah Papp (weiterhin nahezu inaktiv), Charis Peglau und Lisa Sickmann (definitiv noch kein Nationalmannschafts-Niveau, bei Peglau greift dann auch die ziemlich misslungene EM) und eventuell Kateryna Dolzhykova – zum Nominierungszeitpunkt nächste Woche kommt sie auf 27 Partien in 12 Monaten (durch zwei allerdings misslungene Opens im zweiten Halbjahr 2025). Das wären vier, zwei zu wenig.

      Bei den Männern war es kadertechnisch einfacher: Es gibt ja seit einiger Zeit sechs Kandidaten für fünf Plätze in der Nationalmannschaft (einer bleibt außen vor, diesmal wahrscheinlich Rasmus Svane). Eine „Perspektive“ bekamen auch Dennis Wagner sowie die jungen Leonardo Costa und Marius Deuer und der sehr junge Christian Glöckler.

    1. Laut dem Bundestrainer war es für alle ein gutes Turnier: entweder sie haben Elo gewonnen (ausgehend von auch im Vergleich zu ihren früheren Zahlen niedrigem Niveau) oder sie sammelten Erfahrungen. Intern und individuell vielleicht doch ein bisschen konstruktive Kritik!?

      Zu einigen Spielerinnen:
      Fiona Sieber – auch ein Sieg in der letzten Runde gegen Arabidze wäre wohl keine Weltcup-Qualifikation, sondern der nach Wertung elfte Platz (noch undankbarer als Platz 12 für Dinara Wagner). Während der Runde nicht absehbar, es lag ja auch an vielen anderen Ergebnissen.

      Hanna Marie Klek „hat in diesem Turnier zu viele Chancen verpasst“. Chancen hatte sie am ehesten in Runde 2 gegen … Fiona Sieber, klarer Endspielvorteil mit Schwarz und dann Remis. Dann in Runde 3 noch zeitweise Remischancen in beiderseitiger Zeitnot gegen Tereza Rodshtein, und nach dieser Niederlage war Weltcup-Qualifikation nur mit einer nicht eintretenden Serie mehrerer Siege möglich. „Meiner Meinung nach ist sie stärker als sie es bei diesem Turnier gezeigt hat – und kann besseres Ergebnisse erzielen.“ – leicht vergiftetes Kompliment, sie konnte ihr übliches Niveau nicht abrufen!?

      Josefine Safarli konnte in der letzten Runde „Feinheiten der Eröffnungsphase gegen die armenische Spielerin Lilit Mkrtchian nicht durchschauen“. Partieentscheidend war, dass sie inkorrekt opferte oder abwickelte. Heraus kam Dame gegen Turm und zwei Springer – gegnerischer König optisch anfällig, aber Mkrtchian konnte ihre Stellung konsolidieren.

      Charis Peglau – der großartige Sieg in Runde 2 gegen die an 2 gesetzte Yuliia Osmak relativierte sich im Nachhinein etwas dadurch, dass die Ukrainerin generell ein für sie sehr schlechtes Turnier erwischte (und vorzeitig beendete). Ab Runde 5 hatte Peglau nominell unterlegene Gegnerinnen, auch gegen diese insgesamt 3/7 (+1=4-2).

      Insgesamt kann man diesmal sagen: „Glas halb bis dreiviertel voll, mehr Licht als Schatten“!? 2025 kam nach einer kollektiv schlechten Einzel-EM („Krise des deutschen Frauenschachs“) Bronze bei der Mannschafts-EM. Das war ohne Pähtz, was wird es diesmal nach dieser Einzel-EM und wohl mit Pähtz bei der Olympiade?

  4. Wie kann man Platz 32 bei einer Europameisterschaft als Erfolg darstellen? Nimmt ein Schachspieler oder eine Schachspielerin nicht an einem Turnier mit dem Ziel teil, dieses Turnier auf Platz 1 und damit als Sieger(in) abzuschließen?

    Platz 2 bei der Europamannschaftsmeisterschaft 2023, das würde ich als „Erfolg“ akzeptieren, ganz klar auch den Europameistertitel für Matthias Blübaum, aber doch nicht einen Platz 32.

    Man stelle sich einmal vor, die deutsche Fußballnationalmannschaft scheidet bei der bevorstehenden WM im Viertelfinale aus, steigt aber um einige Plätze in der Weltrangliste nach oben. Würde irgendjemand ein solches Ergebnis als „Erfolg“ bewerten wollen?

    Das Schachvolk ist wahrlich „bescheiden“ geworden, und bei den Ergebnissen der Frauen wohl ganz besonders.

    1. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht (in der DWZ-Liste gibt es nur einen Maximilian Sommer, ohne DWZ): Ich spiele auch oder vor allem Turniere, bei denen Platz 1 für mich unrealistisch ist. Das Ziel Turniersieg hatte ich mitunter bei Vereinsmeisterschaften, das war bei meinen kleineren Vereinen (mal schaffte ich es dann und mal nicht).

      Platz 32 bei der EM ist ein Erfolg für die Nummer 70 der Setzliste, wobei Fiona Sieber auch schon mehrfach das Niveau der nun an 32 gesetzten Inna Gaponenko hatte (Elo ca. 2330 anno 2017, 2019 und 2023). Turniersieg für die an 76 gesetzte Anastasiia Hnatyshyn war „sensationell“, auch sie selbst hatte dieses Ziel vermutlich nicht von Anfang an – sondern erst im Lauf des Tuniers. Platz 12 war für die an 9 gesetzte Dinara Wagner kein schlechtes Ergebnis, Ziel war dabei jedenfalls ein Platz unter den ersten 10 und Weltcup-Qualifikation

      In Mannschaftssportarten wäre Viertelfinale und dann ausscheiden für Deutschland vielleicht ein Erfolg im Basketball oder Eishockey. Im Fußball wäre Viertelfinale in Champions League oder DFB-Pokal für viele Vereine bereits ein Erfolg (für einige bereits Qualifikation für die Champions League), für einige nicht.

    2. Hallo Max, ich war sehr überrascht über den Kommentar! Schau dir mal die Gegnerinnen von Fiona an, da sind 6 Internationale Meisterinnen dabei! Man muss dazu wissen, dass der IM-Titel noch etwas höher zu werten ist als der WGM-Titel. Und natürlich ist Erfolg immer relativ: wenn ich einen Marathon laufe, dann besteht der Erfolg schon darin, dabei zu sein. In dem Fall drückt sich der Erfolg dadurch am deutlichsten aus, dass sie deutlich über ihrer Elo-Erwartung gespielt hat, und von allen deutschen Teilnehmerinnen Zweitbeste wurde, womit vor dem Turnier wohl niemand gerechnet hätte. Ich habe zum Beispiel nicht geschrieben, dass Dinara einen großen Erfolg hatte, denn sie hat innerhalb der Erwartung gespielt, da sie ja die höhere Elozahl hat.

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