14.08.2026

5 Gedanken zu „Glocken- und/oder Paukenschlag in Biel

  1. zu Runde 8: „Glöckler hatte zuvor einen halben Punkt Vorsprung auf drei GMs und einen (diesen) IM. Acs hatte er ja bereits, warum statt einem der beiden anderen GMs der chinesische IM hochgelost wurde verstehe ich nicht – wird schon seine Gründe haben.“
    Das ergibt sich logisch aus den Farbverteilungen und den vorherigen Paarungen. Glöckler und Gopal hatten in den ersten 7 Runden je viermal Weiß, sollten also Schwarz bekommen, bei Acs, Alexakis und Cao verhielt es sich genau entgegengesetzt.
    Gleichzeitig hatte Gopal schon gegen Acs und Cao gespielt, so dass er gegen Alexakis spielte – für Glöckler blieb somit nur noch Cao übrig (da er ebenfalls schon gegen Acs gespielt hatte).

    1. Danke, das ist die Erklärung. Dabei dachte ich, dass „von oben nach unten“ gepaart wird: zuerst bekommt der allein führende Glöckler den „logisch-regelkonformen“ Gegner (schon in dieser Runde Alexakis) und dann sieht man weiter. So war der Eloschnitt in Runde 8 an Brett 1 (IM gegen IM) niedriger als in den GM-Duellen an Brett 2 und 3 (Acs nach Runde 6 gegen Glöckler erneut heruntergelost, was an sich möglichst vermieden werden soll). Theorie und Praxis der Paarungen, das Auslosungsprogramm „macht das Beste aus jeder Situation“.

      Generell zeigt das auch, dass GM-Normen in relativ aber nicht sehr starken Opens etwas Glückssache sind. Aus Glöcklers Sicht etwas Pech, dass die Inder Ganguly und Sasikiran schlechte Turniere erwischten (beide müssen sich von 20+ Elopunkten verabschieden) und daher nicht um den Turniersieg mitspielten. Eventuell auch, dass er früh WGM Lena Georgescu (2253) bekam und nicht den alternden GM Cherniaev (aktuell Elo 2275, aber GM ist er). Gereicht hat es am Ende, auch wenn er zum Schluss gegen GM Kozak verlor – diesmal die falsche Seite eines fast ausgeglichenen Endspiels.

      Cao Qingfeng war auch nahe an einer GM-Norm und schaffte es dann nicht. Bei ihm lag es nicht an zu wenigen GMs – er hatte drei in sieben Runden und den vierten zum Schluss. Es lag u.a. daran, dass er in Runde 5 mit 3/4 noch einen mit Elo 1986 offensichtlich unterbewerteten Gegner bekam. So reichte bei ihm am Ende weder die TPR (korrigiert 2575), noch hatte er den erforderlichen Gegnerschnitt von mindestens 2380 – Glöckler hatte in Runde 2-9 durchschnittlich 2388, knapp aber auf der richtigen Seite von knapp. Cao Qingfeng bekam als Zweiter immerhin noch 4500CHF Preisgeld. Da entschied nach Wertung gegenüber dem punktgleichen GM Kozak (Dritter, 3500CHF) ein halber Buchholzpunkt.

  2. Wie kompliziert-kurios Paarungen im Schweizer System sein können, was da in welcher Priorität zu beachten ist, zeigt sich nun an der letzten Runde des DEM-Kandidatenturniers.

    Stand davor: FM Heinrich 6,5/9, IM Besou und FM Zuferi 6, FM Klaska 5,5, usw. (die GMs dahinter).
    Paarungen Besou-Heinrich und Klaska-Zuferi – an sich logisch zumal Besou und Heinrich beide bereits gegen Zuferi gespielt haben. Aber … Besou und Heinrich hatten zuvor beide zweimal nacheinander Weiß, Besou bekommt es nun zum dritten Mal (insgesamt in neun Runden sechsmal Weiß).

    Ich dachte, dass man dann lieber beide (weit) herunterlost, aber laut FIDE-Regelwerk https://handbook.fide.com/chapter/C0403202602 „geht es mit rechten Dingen zu“. Paarungen, in denen beide Spieler dieselbe „absolute color preference“ haben, sind nur für „non-topcsorers“ (50% oder weniger) ausgeschlossen. Ansonsten ist erstes Qualitätskriterium „minimise the number of downfloaters“ (nur so viele Spieler herunterlosen wie zwingend erforderlich). Es gilt auch „Grant the colour preference of the higher ranked player“ – das ist hier nicht Besou (höhere Elo) sondern Heinrich (mehr Punkte).

    Was ein Computerprogramm zur Ermittlung der Paarungen alles berücksichtigen muss …. .

    1. Das ist echt verrückt! Übrigens hat Besou ein starkes Turnier hinter sich – er hat eigentlich in jeder Runde vor mir gespielt!

      1. Dass die Nummer vier der Setzliste vor der Nummer drei der Setzliste spielt ist nun nicht sooo überraschend – im Gegensatz zu einigen anderen Dingen, auch in der Meisterklasse. Mal sehen, ob ich hinterher einen Artikel dazu schaffe.

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