Das Titelbild – danke Biel dass man das mit Quellenangabe @bielchessfestival.ch frei verwenden darf – verrät es: Das ist eine Spielerei mit dem Nachnamen eines deutschen Jungtalents. Zwar wird morgen noch eine Runde gespielt, aber Christian Glöckler hat momentan 8/9 und der Rest (darunter eine Reihe GMs) hat maximal 6,5/9. Damit steht er bereits als Turniersieger fest. Warum die letzte Runde wohl trotzdem einerseits wichtig, andererseits irrelevant ist – siehe unten. Zunächst im Schnelldurchlauf durch einige von Glöcklers Partien – ich beginne mit Runde 6. Da übernahm er die Führung im Turnier – zunächst geteilt, dann alleine mit einem halben, dann einem und dann anderthalb Punkten Vorsprung.
Runde 6 GM Acs – IM Glöckler 0-1
Peter Acs, wer ist das denn? Da ich etwas älter bin, war mir der Name ein Begriff. Früher war er auch mal ein Jungtalent – u.a. U12-Europameister und Juniorenweltmeister, Weltklassespieler wurde er dann nicht. Laut Wikipedia (daher stammt auch die Info zu frühen Erfolgen) ist er Student. Ob das mit nun 45 Lenzen immer noch der Fall ist oder ob der Artikel da nicht auf dem aktuellen Stand ist, dazu habe ich nicht recherchiert. In Deutschland spielt er für SC Eppingen, aktuell Zweite Bundesliga. Zuletzt spielt er auch wieder verstärkt Turniere – auch für das Dortmunder Sparkassen-Open ist er gemeldet und kann sich eventuell bei Christian Glöckler für diese Niederlage revanchieren.
Zuvor führte Acs alleine (4/4 und dann 4,5/5). Mit Weiß dachte er nach 1.e4 e5, dann Spanisch mit d3, vielleicht „gepflegt manövrieren“ – es kam anders. Von Schwarz kam nicht etwa 8.-d6 (Hauptzug, Zugumstellung zu vielen Partien auf hohem Niveau) sondern 8.-d5. Ab dem 11. Zug stand Weiß schlechter und dann immer schlechter, bis er nach 38 Zügen genug gesehen hatte.
Runde 7 IM Glöckler – IM Savitha Shri 1-0
Die junge Inderin hatte tags zuvor gegen eine Landsfrau ebenfalls gewonnen, ansonsten nur Remisen an den vorderen Brettern. Daher bekam Glöckler sie und nicht etwa den nächsten (hochgelosten) GM.
Es wurde eine quasi-weltmeisterliche Leistung des noch jüngeren Spielers: Turm, Läufer und drei Bauern für ihn, nur eine Dame für die Dame. „Objektiv“ war das Remis, Glöckler gewann trotzdem. So ähnlich gab es das ja auch im letzten WM-Match von Carlsen gegen Nepomniachtchi.
Runde 8 IM Cao Quingfeng – IM Glöckler 0-1
Glöckler hatte zuvor einen halben Punkt Vorsprung auf drei GMs und einen (diesen) IM. Acs hatte er ja bereits, warum statt einem der beiden anderen GMs der chinesische IM hochgelost wurde verstehe ich nicht – wird schon seine Gründe haben.
Wieder bekam er ein vorteilhaftes Remisendspiel – jedenfalls laut Engines war es mit ungleichfarbigen Läufern zunächst in der Remisbreite und dann nicht mehr. Der schwarze König musste dafür über das ganze Brett wandern – von g6 nach a2 und dann wieder zurück nach c4.
Runde 9 IM Glöckler – GM Alexakis 1-0
Der zweite großmeisterliche Gegner für Glöckler, in neun Runden einer zu wenig. Aus einem ungewöhnlichen Sizilianer entstand ein ungewöhnliches Endspiel mit Turm und Springer gegen Turm. Wie konnte Glöckler das gewinnen? Nun, es war nicht „in Reinform“, beide hatten noch Bauern – Schwarz viele, Weiß wenige aber einen behielt er. Spiel, Satz und (auch wegen wieder Remisen an Brett 2 und 3) Turniersieg für Glöckler.
Was hat er bereits sicher?
6000 Schweizer Franken Preisgeld und ein auf jeden Fall zweistelliges Eloplus (aktuell +18). Da es keine Doppelpreise gibt, bekommt wohl ein anderer den Sachpreis für den besten U16-Spieler.
Ist es auch eine GM-Norm?
Bisher noch nicht, da er ja nur zwei großmeisterliche Gegner hatte. Aber wenn ich Feinheiten des Regelwerks richtig interpretiere, müssen er selbst und der nächste Gegner GM Kozak morgen nur am Brett erscheinen und dann ist es eine GM-Norm für den deutschen Spieler. In zehn Runden braucht man ja im Prinzip vier GMs, aber man kann dann auch einen früheren Sieg „löschen“. Nach meinen Berechnungen auf Hirmulintu behält Glöckler auch bei einer Niederlage TPR 2600+ (dann 7/9 aus Runde 2-10). Ohne Gewähr …. .
Ohnehin hat sich der Verzicht auf die deutsche Meisterschaft (Kandidatenturnier, vielleicht hätte er auch einen Platz im Meisterturnier bekommen) für Glöckler gelohnt. Das ist bei Marius Deuer und Hanna Marie Klek eher nicht der Fall – beide hatten einen Fehlstart bei einem Open in Aix en Provence. Andererseits kann man auch im Meisterturnier der DEM eine GM-Norm erzielen: letztes Jahr schaffte das Leonardo Costa, nun ist Bennet Hagner auf dem besten Weg dahin – aktuell 4,5/6 und TPR 2766, 1/3 braucht er noch. IM Kügel und FM Dr. Braun haben dieses Ziel, das sie wohl ohnehin nicht hatten, bereits verfehlt. Die sieben GMs zwischendrin, nicht nach Elo sortiert – sondern Costa, Engel und Huschenbeth aktuell vor Rasmus Svane, Donchenko, Kollars und Dennis Wagner.
Wie geht es weiter?
Bei der deutschen Meisterschaft mit den entscheidenden letzten Runden, auch in den Kandidatenturnieren. Für Glöckler vielleicht die nächste GM-Norm Anfang August, also schon demnächst, in Dortmund – vielleicht auch nicht, wie alle anderen beginnt er wieder mit 0/0.