Die populäre Netflix-Serie Damengambit, hohe Userzahlen bei Online-Schachportalen, unterhaltsame Streaming-Angebote auf YouTube und Twitch, mit fast 100.000 Spielerinnen und
Spielern im Deutschen Schachbund so viele wie lange nicht mehr – Schach kommt immer mehr raus aus der Nerdecke. Bemerkbar macht sich die zunehmende Popularität auch beim
Schachturnier „Rüben Open Leipzig“, zu dem der Leipziger Schachverein Rote Rüben am zweiten Juniwochenende in der Kulturfabrik WERK 2 einlädt: Mit etwa 250 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern ist das Turnier seit Wochen ausgebucht. Viele davon nehmen erstmals an einem Turnier teil. Mit einem klassischen Schachturnier, einem Legendenduell und weiteren Highlights
knüpft das Turnier an Leipzigs große Schachtradition an.
Hohe Beteiligung von Turnier-Neulingen
Von Freitag bis Sonntag messen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in fünf Runden in einem klassischen Schachturnier. Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten pro Spielerin und Spieler für die gesamte Partie plus 30 Sekunden Zeitgutschrift pro Zug. Das Turnier wird in drei Klassen unterschiedlicher Spielstärken gespielt, mehr als 1000 Euro Preisgeld werden vergeben. Im A-Turnier spielen viele Spielerinnen und Spieler aus ganz Deutschland, die in ihren Vereinen oft weit oben in der Rangliste stehen. Einige Titelträger (Internationale Meister (IM) und FIDE-Meister (FM)) haben sich angemeldet. Im B-Turnier spielen viele etablierte Vereinsspielerinnen und -spieler aus der Region Leipzig, aber auch die besonders geförderten Nachwuchskader Sachsens bekommen ihre Gelegenheit, gegen starke Gegnerschaft Erfahrungen zu sammeln. Außerdem sind insbesondere im C-Turnier viele Turnier-Neulinge angemeldet, die sich größenteils zum ersten Mal einem offiziellen Wettkampf stellen.
„Bekomme ich vom Schiedsrichter Hilfe, wenn ich beim Mitschreiben der Partieeinen Fehler mache? Droht mir die Disqualifikation?“ Solche Anfragen erreichten das Orga-Team im
Vorfeld häufiger. Allen konnte die Angst genommen werden. So wird zum Beispiel ein offizielles Info-Blatt veröffentlicht, wie man seine Züge richtig auf dem offiziellen Partieformular notiert.

Duell der Weltklasse-Altmeister
Ein Höhepunkt findet abseits des „Breitensport“-Turniers statt: Zwei Altmeister des Schachsports, die Führenden der Weltrangliste des FIDE-Schachverbands in der Kategorie der aktiven Spieler über 90 Jahren, liefern sich im WERK 2 ein besonderes Duell. Die Leipziger Schachlegende FM Dr. Gottfried Braun, Jahrgang 1933, und der deutschlandweit wohl aktivste Schachspieler seines Alters, Erich Krüger (Jahrgang 1932), duellieren sich quasi um die Weltmeisterschaft ihrer Kategorie. Beide verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft, die am Schachbrett aber auch mal ruhen darf: „Du kannst Gottfried sagen, dass ich in einem hervorragenden Trainingszustand bin“, schickte Erich Krüger im Vorfeld eine erste, nicht ganz ernstgemeinte Kampfansage an seinen Schachfreund. Beide Nestoren hätten auch im A-Turnier mit ihrer Spielstärke um die vorderen Plätze mitspielen können, verzichteten aber zu Gunsten des Duells um die Ü90er-Krone. Stattdessen spielen sie zwei Partien mit klassischer Bedenkzeit (jeder 2 Stunden) am Freitag und Samstag gegeneinander. Am Sonntag kreuzen sie in mehreren Schnellschach-Partien die Klingen.
Schach hat in Leipzig eine lange Tradition
Im WERK 2 (Halle A) wird es aber nicht nur an den rund 125 Brettern hoch hergehen. Die Organisatoren wollen in Zusammenarbeit mit dem Schachmuseum Löberitz auch die besondere
Schachhistorie Leipzigs würdigen: So wurde in Leipzig nicht nur im Jahr 1877, also vor fast 150 Jahren, der Deutsche Schachbund gegründet, sondern in der Messestadt fand auch im Herbst 1960 die 14. Schacholympiade statt. 40 Mannschaften nahmen daran teil. Damals trafen unter anderem die Schachgiganten Bobby Fischer (USA) und Michail Tal (Sowjetunion), beide ihres Zeichens Schachweltmeister, aufeinander. Auch deutsch-deutsche Schachgeschichte wurde 1960 geschrieben. Damals trafen – eine sportpolitische Besonderheit in Zeiten des Kalten Kriegs – die führenden Schachspieler beider deutscher Staaten aufeinander, Wolfgang Unzicker (BRD) und Wolfgang Uhlmann (DDR). Ein Original-Turniertisch der Schacholympiade wird an dieses Schachevent erinnern – und möglicherweise der Tisch sein, an dem Gottfried Braun und Erich Krüger gegeneinander spielen.
Punkte sammeln für die Gold Tour
Zusätzlich ist das Rüben Open Leipzig Teil der offiziellen Chess Tigers Gold Tour. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können damit wichtige Punkte für die Gesamtwertung sammeln. Die von den Chess Tigers organisierte Turnierserie verbindet zahlreiche Schach-Events in Deutschland und belohnt regelmäßige Turnierteilnahmen über die Saison hinweg. Die besten Spieler der Tour dürfen sich am Ende auf besondere Preise und exklusive Schach-Erlebnisse freuen. Ziel der Gold Tour ist es, den Turnierschach-Boom in Deutschland weiter zu fördern und noch mehr Menschen für Präsenzturniere zu begeistern.
Kontakt:
Rüdiger Bock (für die Organisation/Rote Rüben Leipzig)
Mobil: 0151/19356768
Ru***************@***il.com
https://rueben-open-leipzig.de
Beitragsbild: Originaltisch der Schacholympiade Leipzig (privat)