Einen Tag nach der Schachbundesliga und den zweiten Bundesligen sind jetzt auch die Aufstellungen der Frauenbundesliga da. Nach dem Rückzug des Meisters SK Schwäbisch Hall, bei dem ich ja Teil der Mannschaftsleitung war, werde ich weiterhin versuchen über die Frauenbundesliga zu berichten, aber vermutlich nicht mehr so ausführlich wie bisher, und sicher nicht so häufig vor Ort.
Schaut man sich die Meldelisten an, ist – nicht besonders überraschend – ein Zweikampf zwischen Baden-Baden und Bad Königshofen zu erwarten, die jetzt mit Abstand die beiden stärksten Mannschaften sind. Das spiegelt sich auch in der mittleren Elo wider. Baden-Baden ist sowohl in der Statistik aller gemeldeten Spielerinnen als auch in der Statistik der an Brett 1 bis 6 gemeldeten „Stammspielerinnen“ vorne, und Bad Königshofen ist in beiden Kategorien Zweiter. Dahinter folgen Hamburg, Rodewisch und Deizisau. Was etwas überraschend ist, ist, dass keine Spielerin des abgemeldeten Meisters Schwäbisch Hall zu einem anderen Bundesligaverein wechselte. Zeit war eigentlich genug, die Spielerinnen wussten rechtzeitig vom Schwäbisch Haller Rückzug. Problem waren vermutlich Reisekosten, Honorare und auch der Gastspielerinnen-Status, weil einige wenige Spielerinnen in der Schwäbisch Haller Oberliga-Mannschaft gemeldet bleiben, und zum Beispiel auch Irina Bulmaga weiterhin in der Hessenliga für meinen Eppsteiner Verein (zumindest ab und zu) spielt.
Man weiß ja, dass kaum eine Mannschaft immer ihre Stammbesetzung ans Brett bekommt. Entscheidend ist vor allem, die Top-Spielerinnen in den „richtigen“ Begegnungen dabei zu haben.
Gerade bei Baden-Baden klappte das in der Vorsaison gar nicht, als von den ersten 6 kaum eine Spielerin spielte, und gerade im vorentscheidenden Spiel gegen Schwäbisch Hall die Kocherstädter mit den Positionen 1 bis 6 spielten und Baden-Baden die letzten 4 Spielerinnen der Meldeliste am Start hatte. Darauf reagierte man dann auch zur neuen Saison – gleich 5 Spielerinnen flogen aus dem Kader, neu im Team sind unter anderem Ulviyya Fataliyeva, Nataliya Buksa (bis zu ihrer Babypause Schwäbisch Hall) und Olga Badelka (auch mal eine Saison in Schwäbisch Hall) sowie Sonja Bluhm. Wenn man davon ausgeht, dass Divya Deshmuk eher selten spielen wird, ist Nationalspielerin Dinara Wagner das neue Spitzenbrett, sie wird wohl gemeinsam mit Elisabeth Pähtz und Josefine Sarfali den Kern der Mannschaft bilden, und man hat sicher versucht darauf zu achten, dass die neuen Spielerinnen häufiger zur Verfügung stehen.

Bei Bad Königshofen gab es vorne zwei Veränderungen: Neu im Team ist Alua Nurman, die beim Grenke Open durch ihr Selfie mit Magnus Carlsen Aufmerksamkeit erregte, aber auch eine starke IM ist. Zurück im Team nach Babypause ist die starke Ukrainerin Iulija Osmak. Sie ersetzten Klaudia Kulon und Karina Cyfka. Ansonsten baut Bad Königshofen weiterhin unter anderem auf die frischgebackene deutsche Meisterin Jana Schneider und die letztjährige Bundesliga-Topscorerin Olga Babiy sowie auf Oliwia Kiolbasa und Aleksandra Matsevskaya aus Polen.

Wer sind die Verfolger? Gerade Hamburg kann ein ernsthafter Anwärter auf den Titel sein, wenn sie in den wichtigen Spielen die ersten 6 ans Brett bekommen. Und Hamburg hat den spannendsten Neuzugang der Liga: Neu im Team ist die erst 11-jährige Engländerin Bodhana Sivanandan, die schon jetzt bei Elo 2300 steht und auch in der zweiten Bundesligamannschaft des HSK gemeldet ist. Man wird sehen, ob sie in der kommenden Saison wirklich zum Einsatz kommt. Ansonsten sind Deizisau, Rodewisch, Solingen und Harksheide immer Mannschaften, die, wenn gut besetzt, für eine Überraschung gut sind, wenn nicht, kann es, wie schon erlebt, auch ganz schnell in hintere Tabellenregionen gehen. Neu bei Deizisau ist Lara Schulze, mal sehen, ob es Hanna Marie Klek, bei der man für das letzte versäumte Spiel in der Frauenbundesliga ganz weit zurückgehen muss, gelingt, Mit-Nationalspielerin Lara Schulze zu mehr Einsätzen als in den letzten Jahren für Harksheide zu überzeugen. Nicht mehr im Deizisauer Team ist Elena Köpke – Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Neu bei Deizisau ist Katharina Reinecke, und jetzt will natürlich jeder beim Aufeinandertreffen von Baden-Baden und Deizisau im März das Duell des Bluhmecke-Schach-Podcasts zwischen Sonja Bluhm und Katharina Reinecke sehen.
Spannung verspricht wieder der Abstiegskampf. Darein verwickelt werden sicherlich die drei Aufsteiger aus Pankow (mit nur 9 gemeldeten Spielerinnen – die Mannschaft baut auf eine langjährige Stammbesetzung), Dippoldiswalde (jetzt mit 7x Peglau – hier wird die Performance der Zwillinge Charis und Dora an den Spitzenbrettern mitentscheidend sein, ob es dieses Mal reicht) und Bayern München – man wird sehen, ob die Fahrstuhlmannschaft der Liga dieses Mal drinnen bleibt, die Spielerinnen dafür hat man. Am Spitzenbrett spielt nach wie vor Svenja Butenandt. Hemer hatte vom Rückzug Schwäbisch Halls profitiert. Normalerweise ist die Mannschaft stark genug, um sicher die Klasse zu erhalten, aber die letzten Jahre waren immer wieder eine Zitterpartie. Gezeigt hat die Mannschaft in der Vorsaison, was in ihr steckt, insbesondere in Runde 2 gegen Meister Schwäbisch Hall, als man kurz vor einem Unentschieden stand. Im Grunde war das der schmeichelhafteste Schwäbisch Haller Sieg auf dem Weg zum Titel, und Hemer war noch nicht einmal in Bestbesetzung, sondern mit der Jugend am Start. Auch Freiburg, das sich etwas begünstigt durch die Rodewischer Aufstellungsprobleme in den letzten drei Runden recht souverän in der Liga hielt, wird wohl wieder gegen den Abstieg kämpfen.
Die Saison startet am 3. Oktober und geht am 18. April zu Ende. Laut Terminplan findet die zentrale Endrunde wie im Vorjahr wieder in Bad Königshofen statt, wo dann unter anderem in der vorletzten Runde am 17. April die Gastgeber auf Baden-Baden treffen und sich vielleicht die Meisterschaft entscheidet.
