Elham Amar gewinnt die Sparkassen Chess Trophy 2026
Elham Amar ging mit einem halben Punkt Vorsprung und einer guten Feinwertung in die letzte Runde. Es war abzusehen, dass ihm bereits ein Remis reichen würde, um den Turniersieg zu sichern.
Sein Gegner Surya Ganguly versuchte zwar, dem Norweger mit den schwarzen Steinen Probleme zu stellen, doch Amar blieb solide und hatte für alles eine Antwort parat. Kurz vor der Zeitkontrolle fand Amar dann einen forcierten Weg zur Zugwiederholung, und Ganguly blieb nichts anderes übrig, als auf das Remis einzugehen. Somit hätte theoretisch nur noch Sumiya Chinguun mit Amar gleichziehen können.
Chinguun spielte am zweiten Brett gegen seinen Landsmann Amilal Munkhdalai. Die beiden mongolischen Internationalen Meister schienen keine Berührungsängste zu haben, und es entstand ein offener Kampf in der Najdorf-Variante. In dem für diese Eröffnung typischen Stil schoben beide Spieler ihre Bauern dem gegnerischen König entgegen. Die Stellung war dynamisch ausgeglichen, bis Munkhdalai einen schönen taktischen Trick fand, der ihm eine vorteilhafte Stellung einbrachte. Zwar kämpfte sich Sumiya Chinguun noch einmal in die Partie zurück, doch sein Gegner behielt stets die Kontrolle. Schließlich wurde Chinguun von Munkhdalai im Endspiel überspielt. Damit war der Sieg der Sparkassen Chess Trophy 2026 für Elham Amar endgültig gesichert.
Amilal Munkhdalais Sieg brachte nicht nur Amar etwas, sondern auch ihm selbst. Mit der besten Feinwertung unter den Spielern mit 7/9 beendet er das Turnier auf dem zweiten Platz. Den dritten Platz belegt der polnische GM Kacper Piorun.
Über Normen dürfen sich die beiden Internationalen Meister Yu Tian Poh aus Malaysia und Felix Xie aus Neuseeland freuen. Beiden reichte ein Remis in der letzten Runde, um die Großmeister-Norm zu sichern. Poh gelang dies in schnellem Stil, während Xie lange zittern musste. Gegen Aksel Bu Kvaloy stand er im Endspiel völlig verloren, doch der Norweger fand den Weg zum Sieg nicht.
Auch die Spieler der deutschen Nationalmannschaft bekamen noch ein versöhnliches Ende bei den Dortmunder Schachtagen. Alle drei konnten ihre Partie in der letzten Runde gewinnen. Dmitrij Kollars beendet das Turnier mit 7/9 Punkten auf Platz 5, Matthias Blübaum auf Platz 7 und Rasmus Svane mit 6,5/9 auf Platz 12.
DSB-Präsident zu Gast
Der Präsident des Deutschen Schachbundes, Paul Meyer-Dunker, war zur Siegerehrung der Sparkassen Chess Trophy 2026 zu Gast und gab Turnierdirektor Patrick Zelbel ein Kurzinterview:
Schön, dass Sie bei den Dortmunder Schachtagen vorbeischauen. Warum ist es Ihnen als DSB-Präsident wichtig, Turniere in Deutschland persönlich zu besuchen?
Dortmund hat natürlich eine riesige Tradition. Es ist eines unserer größten und wichtigsten Open, die wir in Deutschland haben. Es ist auch eines, bei dem ich selbst einmal mitgespielt habe. Dementsprechend freue ich mich, wieder hier zu sein, um zu sehen, wie es läuft, Stimmen einzufangen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Ideen aufzusammeln und zu sehen, an welchen Stellen man eventuell unterstützen kann. Ich finde es wichtig, dass der Deutsche Schachbund solche Veranstaltungen begleitet und Präsenz zeigt, anstatt zu sagen: „Wenn das nicht unsere Zuständigkeit ist, interessieren wir uns nicht dafür.“ Das sollte so nicht sein.
Sie haben bestimmt das Abschneiden der DSB-Spieler besonders verfolgt. Wie ist Ihr Fazit?
„Durchwachsen“ ist wohl eine faire Sicht darauf. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass unsere Leute bestmöglich abschneiden, aber so ist das im Sport – es gibt keine Garantien. Manchmal läuft es halt nicht so, wie man es möchte. Vor allem Matthias hatte ordentlich zu kämpfen, aber auch Dinara ist eigentlich immer für einen Punkt mehr gut, wenn es gut läuft. Gerade vor der Olympiade verfolgt man das mit besonderer Spannung: Wie läuft es bei den Leuten? Sind alle Wackler bei diesem Turnier ausgespielt worden, damit es dann bei der Olympiade besser läuft? Toi, toi, toi!
Wir haben hier vor Ort Teams aus der Mongolei und aus Neuseeland, die das Turnier als Vorbereitung auf die Olympiade nutzen. Auch für die deutschen Spieler ist das sehr wichtig. Was ist das Ziel der DSB-Auswahl?
Unsere Männer sind auf fünf gesetzt und unsere Frauen auf zehn. Ich glaube, wenn wir jetzt etwas sagen würden wie „Wir wollen in die Top 10 kommen“, dann würden wir der Stärke unserer Spielerinnen und Spieler nicht gerecht. Wenn man so stark ist wie unsere Leute, sollte das Ziel immer sein, eine Medaille zu gewinnen. Natürlich ist das alles andere als selbstverständlich und auch ein unfassbar schwer zu erreichendes Ziel. Trotzdem ist es das Ziel unserer Mannschaften. Mal schauen, wie nah wir dem Ganzen kommen. Ich hoffe, wir spielen so lange wie möglich mit beiden Teams um eine Medaille. Wenn das gelingt, können wir den Schachsport in Deutschland auch viel mehr in den Mittelpunkt rücken. Dementsprechend hoffe ich auf maximale sportliche Erfolge, weiß aber natürlich auch, dass man das nie erwarten kann, weil die Konkurrenz unglaublich stark ist. Ebenso ist das Turnier unfassbar brutal. Mal schauen. Ich drücke die Daumen!
Internationales Frauenturnier
Seit gestern war das Rennen unter den Frauen bereits entschieden. Song Yuxin gewinnt das internationale Frauenturnier 2026! Die Chinesin musste in der ersten Runde des Turniers eine Niederlage einstecken, kämpfte sich jedoch auf fantastische Weise zurück. Zunächst sicherte sich Song beim Event „Spielmacherinnen auf dem Schachbrett“ im Deutschen Fußballmuseum knapp vor Natalia Buksa den Sieg im Blitz-Tie-Break. In der Folge gewann Song drei Partien im klassischen Schach in Folge und stieg damit uneinholbar vom letzten auf den ersten Platz.
Die letzte Runde gegen Dinara Wagner war dementsprechend nur noch Kür. Beide Spielerinnen schienen nicht mehr allzu ambitioniert vorgehen zu wollen. Schnell wurde in ein vollkommen ausgeglichenes Endspiel abgetauscht, in dem die Spielerinnen durch eine dreimalige Stellungswiederholung das Remis beanspruchten.
In der letzten Paarung wurde noch einmal alles gegeben. Klaudia Kulon spielte 1.c4 gegen Natalia Buksa, und die Partie leitete in eine Katalanische Eröffnung über. Interessanterweise hatte Kulon im Blitz-Tie-Break alle ihre Weißpartien mit 1.c4 eröffnet, im klassischen Turnier spielte sie diesen Eröffnungszug nun jedoch zum ersten Mal. Die Partie nahm zunächst einen normalen Verlauf mit weißem Druck gegen den schwarzen Damenflügel, bis Buksa ein Fehler unterlief. Kulon fand eine günstige Transformation der Stellung in ein Endspiel mit Mehrbauern. Von da an ließ die Polin kein Gegenspiel mehr zu und brachte den vollen Punkt gegen Buksa souverän nach Hause. Mit 3/6 sichert sich Klaudia Kulon den alleinigen zweiten Platz.
Die Siegerehrung im Turnier führte später Bürgermeisterin Britta Gövert durch. Sie war bereits beim Blitzschachturnier zu Gast, und freute sich insbesondere über das hohe Niveau und die attraktiven Partien in diesem Turnier!
Endstand des Internationalen Frauenturniers:
- Song Yuxin 4
- Klaudia Kulon 3
- Natalia Buksa 2,5
- Dinara Wagner 2,5
Vielen Dank und beste Grüße aus Dortmund
Patrick Zelbel
Foto Siegerehrung A-Open:
Turnierdirektor Patrick Zelbel, Sieger Elham Amar, Platz 3 Kacper Piorun, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund Dirk Schaufelberger