Hier eine Zusammenfassung von sally.io des interessanten Interviews von GM Jacob Aagaard aus dem Perpetual Chess Podcast.
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Jac
ob Aagaard stellte mehrere neue und kommende Schachbücher vor und erläuterte zugleich seine Arbeitsweise als Autor, Trainer und Verleger. Besonders hervorgehoben wurden A Killer Guide to Attacking Chess, das Memorial-Boxset zu Daniel Naroditsky sowie das geplante Kasparov-Projekt über die Weltmeister. Er betonte, dass die neuen Bücher bewusst nicht nur Aktualisierungen, sondern mit neuen Beispielen und teils neuem Ansatz geschrieben wurden, damit Leser, die frühere Werke kennen, keinen bloßen Wiederaufguss erhalten.
Zur Frage, warum er trotz vieler Aufgaben weiter schreibt, sagte Aagaard, dass ihn vor allem die Freude an Schach, Büchern, Lehre und Kommunikation antreibt. Er erklärte außerdem, dass er inzwischen genau 50 Bücher mitverfasst, bearbeitet oder ghostgeschrieben habe und aktuell an Nummer 51 arbeite. Seine Schreibarbeit erledigt er vor allem dann, wenn „nichts brennt“, häufig an Wochenenden, abends oder in ruhigeren Phasen.
Ein größerer Themenblock war der Umgang mit KI. Aagaard sagte klar, dass Quality Chess und seine anderen Projekte keine KI-generierten Bücher veröffentlichen wollen. KI werde aber als Werkzeug genutzt, etwa für Korrekturlesen, das Finden von Tippfehlern und teilweise für Illustrationen. Der eigentliche Inhalt, die Auswahl der Varianten und die „Seele“ der Bücher blieben jedoch menschlich. Er warnte davor, KI als Ersatz für echte redaktionelle Arbeit oder für hochwertige, kuratierte Schachinhalte zu sehen.
Auf Hörerfragen zur Schachverbesserung gab Aagaard mehrere konkrete Empfehlungen:
- Für Taktiktraining seien viele kurze Aufgaben sinnvoll, meist 1–2 Minuten pro Aufgabe, um Mustererkennung zu trainieren.
- Für Berechnung solle man langsamer und bewusster arbeiten; für Spieler um 1800 sei tiefes, langes Rechnen noch nicht der Hauptfokus.
- Er empfahl, Trainingsziele sichtbar zu machen, etwa durch eine kleine Notiz am Brett.
- Bei der Analyse eigener Fehler müsse man nicht zu fein kategorisieren; meist reichen 20–30 Fehlerkategorien aus, statt alles übergenau zu definieren.
Zur Frage nach guten Angriffsschach-Büchern nannte er mehrere Klassiker und kündigte an, dass The Art of Attack in Chess 2027 in überarbeiteter Form zurückkehren soll. Auch eine neue Ausgabe von The Games of Mikhail Tal sei in Arbeit. Sein neues Buch sei bewusst so angelegt, dass es sich nicht wie eine Wiederholung des früheren Attacking Manual anfühlt.
Im Gespräch über Kasparov und das neue Weltmeister-Buch erklärte Aagaard, dass das Projekt deutlich prose- und ideenorientierter sei als die alten „Predecessors“-Bände. Es enthalte eine längere Biografie, Kapitel zu Stärken und Schwächen von Tal sowie ausführlich kommentierte Partien. Ziel sei nicht nur historische Dokumentation, sondern auch ein Improvement Manual mit klarer didaktischer Linie. Als Veröffentlichungstermin nannte er den 01.11.2026.
Zu New in Chess und dem digitalen Vertrieb sagte Aagaard, dass die Lage insgesamt stabil sei, auch wenn Printmagazine unter Druck stehen. Die Zahl der Ausgaben wurde von acht auf sechs pro Jahr reduziert, dafür sollen Inhalt und Umfang pro Ausgabe steigen. Die Umstellung der digitalen Angebote auf Forward Chess begründete er mit einer strategischen Entscheidung, um Doppelstrukturen zu vermeiden und die bereits gekauften Inhalte der Leser zu schützen. Langfristig könne man sich zusätzliche Zugangs- oder Archivmodelle vorstellen.
Zum Schachgeschehen äußerte er sich auch:
- Für die Olympiade in Samarkand sieht er Usbekistan als klaren Favoriten.
- Bei der FIDE-Präsidentschaft hält er Arkady Dvorkovich für den Favoriten, Rosenstein aber für einen ernsthaften Herausforderer.
- Über Gukesh sagte er, dass dieser 2024 aus seiner Sicht klar die Nummer eins der Welt gewesen sei.
- Das WM-Match gegen Ding Liren schätzt er als sehr eng ein.
Zum Schluss sprach Aagaard noch über persönliche Themen: Er spielt Schach weiterhin aus Freude und sozialem Interesse, fühlt sich als Spieler aber deutlich schwächer als früher. Außerdem lernt er Gitarre und nimmt dafür regelmäßig Unterricht, den er als sehr motivierend beschreibt.