28.09.2026

3 Gedanken zu „Deutsches Frauenschach am Tiefpunkt!“

  1. Tragisch bzw. schlecht bzw. jedenfalls „unter dem Erwartungswert“ waren dabei nur die (vor)entscheidenden Runden 9 und 10 mit Niederlagen gegen Indonesien und Lettland, das abschließende (etwas wacklige) 3-1 gegen Montenegro war dann nur noch Schadensbegrenzung. Mit den beiden anderen Niederlagen gegen Kasachstan und Indien musste man rechnen – dass sie relativ früh im Turnier gegen diese Teams spielten zeigt, dass es zunächst durchaus lief. Bis einschließlich Runde 8: wenn die Stimmung wegen Niederlagen gegen Spitzenteams „mies“ war, dann waren die (im Vorfeld geäußerten) Erwartungen zu hoch? Was dann passierte ist ein anderes Thema, das auch Paehtz betrifft: erst verlor sie eine zunächst vielversprechende Stellung gegen eine ca. 200 Punkte schwächere Gegnerin, in den letzten beiden Runden pausierte sie.

    Generell gilt dabei: für Erfolge braucht man alle in mindestens Normalform und ein bis zwei die überragen. So war es bei den Männern, bei den Frauen mit generell stärkeren Formschwankungen eben nicht. Jana Schneider und Lara Schulze deutlich im Soll, Dinara Wagner etwas – Niederlage gegen Koneru „kann passieren“, und nur drei der Remisen waren wirklich enttäuschend (nur eines kostete ein bis zwei Mannschaftspunkte). Bei Klek ist Elo -4 mit K-Faktor 20 allenfalls ein „unordentliches“ Minus.

    Wie lief es früher?
    Olympiade 2024 an 8 gesetzt Platz 22 – damals früh mehrfach 2-2 gegen nominell unterlegene Gegnerinnen, dadurch erst in den letzten Runden starke Teams und Niederlagen gegen Polen und Armenien. Dinara Wagner im Elosoll (-16), die vier anderen (Paehtz, Heinemann, Klek, Schulze) etwa Normalform.
    Olympiade 2022 an 8 gesetzt Platz 10, dabei bis auf die Ukraine in der vorletzten Runde keine starken Gegnerinnen. Klek katastrophal (Elo -48), daher auch nur sechs Partien. Jana Schneider glänzte an Brett 5 (de fakto 4) mit 9/10 (Pause in der letzten Runde um den Brettpreis nicht zu gefährden?), hatte dabei bis auf die Ukrainerin Nataliya Buksa nur Gegnerinnen mit (oft deutlich) unter 2200.

    Europameisterschaften sind ein anderes Thema:
    2025 ohne Paehtz an 6 gesetzt Bronze (lag vor allem an Klek und Dolzhykova)
    2023 an 3 gesetzt Platz 7 (Paehtz normal, Heinemann stark, Wagner, Klek und Schneider enttäuschend).
    In Europa wäre Platz 20+x bereits untere Tabellenhälfte, in dieser Hinsicht nicht mit Olympiaden vergleichbar.

  2. Zum Nachwuchs: „nicht-deutscher Name“ bedeutet nicht zwangsläufig „(schachlich halbfertig) aus dem Ausland nach Deutschland gewechselt“. Wie ist es bei Luisa Bashylina? Czaeczine ist auch „kein deutscher Name“, wobei ich das nicht einordnen kann und die Familie wohl „100% deutsch“ ist.
    Bei Alicia Kovalskyy kann man leicht herausfinden, dass sie bereits 2020 (also vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine) deutsche U8-Meisterschaften spielte – erste DWZ danach 794. Wenn Migrationshintergrund, dann vielleicht die Eltern – übrigens nicht zwingend Ukraine, FIDE hat neben ihr 10 Kovalskys – 5 Ukrainer, 2 Slowaken, ein Tscheche, ein Pole (und ein Spanier). Dabei vermutlich „ebenso deutsch“ wie Donchenko (kam im Alter von 4 Jahren aus Moskau) oder Kollars (in Deutschland geboren).
    Von den in der Liste genannten sind nur Mariia Bohatyrova (Verbandswechsel 2023) und Daria Shynkar (Verbandswechsel 2024) Ukraine-Flüchtlinge, auch Rafikova und Klymenko spielten immer in Deutschland.

  3. Inzwischen habe ich mir die Elo-Bilanz von einigen anderen europäischen Nationalmannschaften angesehen, und da ähnliche „Aussetzer“ entdeckt. Man muss natürlich bei der Kritik auch berücksichtigen, dass viele Spieler*innen in Asien underrated sind, und dass man so leicht Elo-Punkte verliert. Bei der Europameisterschaft ist es weniger schlimm, weil dort die meisten Spieler*innen richtig geratet sind.
    Insofern kann man die Kritik vielleicht etwas abmildern, allerdings bleibt es dabei, dass ich gerne wenigstens eine junge deutsche Spielerin hinter Elisabeth und Dinara sehen würde, die ihnen ein wenig das Wasser reichen kann. Man kann aktuell nicht mal sagen, welche von den 2300-Spielerinnen das größte Potenzial hat, sich als deutsche Nummer drei zu etablieren!

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