09.06.2026

32 Gedanken zu „Es regnet DWZ!

  1. Was bitte soll an einer höheren Zahl besser sein, wenn man nicht besser spielt, eine Marmelade wird durch einen höheren Preis auch nicht besser

  2. Da kommen mir gleich gravierende Fragen auf als Spielerin mit jetzt sehr niedrigen DWZ:

    Falls meine „geboostete“ neue DWZ unter 1200 fallen sollte, wird mir dann meine – ewig langjährige – DWZ weggenommen?

    Jolien Schittko

    1. Du meinst wohl 1100? Wenn ich es richtig verstehe, nein: „Ist hiernach Rn < 1100, so wird Rn auf 1100 gesetzt" bedeutet, dass alle immer mit mindestens 1100 geführt werden (entspricht aktuell 700). FIDE ist da "strenger": "Players whose ratings drop below 1400 are shown as unrated on the next list. Thereafter they are treated in the same manner as any other unrated player." - d.h. die zuvor vorhandene Elo ist schlicht und ergreifend futsch und man muss wieder neu anfangen. Als ehemaliger Jugendleiter muss ich auch an eines denken: zuvor war "vierstellige DWZ" für Anfänger(innen) teils der erste "Meilenstein", den man sich eventuell "hart erarbeiten musste" - einige brauchten dafür mehrere, im Einzelfall über 20 DWZ-Auswertungen, und man konnte auch wieder auf dreistellige Werte abstürzen. Nun hat man "sofort" 1100 (bzw. bekommt es demnächst) und weniger gibt es nicht mehr.

    1. Ich finde Anpassungen auch falsch, aber insgesamt bessere DWZ-Zahlen helfen aktiven stärkeren Spielern bei der Ernte („farming“) und sollten auf Dauer indirekt oben ankommen.

      1. Herr Cmiel,
        könnten Sie bitte einmal genauer darlegen, was Sie unter „helfen aktiven stärkeren Spielern bei der Ernte („farming“)“ verstehen ?
        Etwas verwirrend und daher wenig hilfreich ist leider auch die hier gebrauchte Verwendung von Ernte und dem englischen „farming“ nebeneinander als scheinbar gleichbedeutend. „Farming“ betrifft mehr oder weniger die gesamten agrarwirtschaftlichen Aktivitäten, das Ernten ist eher unter „harvesting“ zu verstehen.
        Danke !

        1. Das ist relativ einfach. Fabiano Caruana war vermutlich der Erste, der den Begriff „farming“ in seinem Podcast vor Jahren bereits eingeführt hat. Damit ist gemeint, dass stärkere Spieler gegen deutlich schwächere Spieler antreten und netto Elo-Punkte einsammeln. Ich habe das eingedeutscht in Ernte einfahren. Ich persönlich finde das Einsammeln nicht sonderlich einfach, sondern ich hole eher mehr Punkte bei stärkeren Gegnern und verliere gegen eloschwächere Gegner, aber so sehen es Top-Großmeister und Profis halt. Ich erwarte wie Lorscheid unten, dass geschenkte Elo-Zuwächse durch Spielen langfristig in die Weltspitze wandern – im Extrem zu Magnus, sofern er wieder mehr spielt. Höhere Elozahlen haben dann mit größerer Spielstärke nichts zu tun, sondern das ist ein reiner Mengeneffekt. Es gab historisch betrachtet mal 100 Punkte für Frauen, außer den Polgar-Schwestern, um das Schachspiel bei Frauen zu fördern. Gebracht hat es insofern nichts. Aus irgendeinem Grund wird ständig von Deflation im System gesprochen, mit der diese Punktegeschenke gerechtfertigt werden. Als Ökonom nervt mich das, denn das ist als Begriff fragwürdig wenn dann nur eine Gruppe betrachtet wird – meist die Top-Großmeister. Es gibt noch einen Aspekt: Wenn Spieler mit unterschiedlichen K-Faktoren gegeneinander spielen, dann kommt es auf das Ergebnis an, ob das System insgesamt(!) Punkte gewinnt oder verliert. Spielen „gleichfaktorierte“ Akteure gegeneinander ist das Gesamtvolumen der Punkte gleich – einer verliert zehn Punkte und der andere gewinnt zehn Punkte. Gewinnt ein Jugendlicher mit Faktor 40 im Elo-System gegen einen Internationalen Meister 40 Punkte durch einen Sieg, dann verliert der IM für die gleiche Partie nur 10 Punkte (sein Faktor) und das gesamte System gewinnt mit dieser Partie 30 Punkte usw..passiert natürlich auch andersrum. Spielt der gleiche Jugendliche gegen einen anderen Jugendlichen mit gleichem Faktor, dann bleibt es wieder bei der gleichen Punktzahl im System. Die Begriffe Deflation und Inflation müssen also präzise betrachtet wie im Preissystem auf das gesamte System bezogen verwendet werden.

          1. Nach meinem verständnis entsteht der Begriff der Deflation durch eine größere Menge von Spielenden in Turnieren. Wenn diese mit 700 in das System einsteigen, real aber in der beiden ersten Jahren bis zu einer DWZ von 1700 alle besiegen, weil sie sich online bis dahin vorher entwickelt hatten, nehmen Sie besseren Spielern Ratingpunkte ab. Ich habe es nicht durchgerechnet, aber ich denke, dass der Faktor nicht komplett die 1000 Punkte ausgleicht.
            Durch die Entwicklung des Turniergeschehens in den letzten knapp 10 Jahren, spätestens seit 2020, als die Corona-Kids schach gespielt haben, gibt es neue Bedingungen.
            Ein nebeneffekt ist tatsächlich, dass Senioren lieber unter sich spielen, um keine Ratingpunkte abzugeben. Findet ihr das eine gute Entwicklung? Ich finde es schade – wenn ich (Punkte) verliere, dann gern an Leute, die 25 jahre und mehr jünger sind als ich! 🙂

    2. Wie Thorsten Cmiel schon andeutet: starke Spieler profitieren ja indirekt. Wenn ein 2100er gegen einen 1900er spielt, der bisher ein 1800er war, beeinflusst die Änderung ja seine neue DWZ – mehr Punkte dazu wenn er gewinnt, weniger Verlust wenn er nicht gewinnt. Und das gibt er dann an noch stärkere Spieler weiter.

      „Bessere Vergleichbarkeit mit Elozahlen“ ist deshalb zukünftig der Fall, weil Elozahlen zum März 2024 (unten) angehoben wurden. Niederländische nationale Elo wurde vielleicht ein Jahr später angepasst, in Deutschland dauert es mehr als zwei Jahre. „Höhere Zahlen“ stimmt natürlich, mittelfristig „für alle“. „Realistischere Einstufungen“ – hmmm, DWZ und Elo ist und bleibt ‚dimensionslos‘.

      Wenn man sich die Wertungsordnung – auf https://www.schachbund.de/wertungsordnung.html verlinkt – im Detail anschaut: unglaublich kompliziert, „deutsche Gründlichkeit“. K-Faktor ist auch abhängig von Anzahl bisheriger DWZ-Auswertungen, es gibt auch noch „Erfolgsaufschlag“ abhängig von Alter und bisheriger DWZ sowie einen „Bremsfaktor“. K kann so alle möglichen Werte zwischen 22 und 80 haben. Und das soll alles zukünftig überprüft und bei „Fehlentwicklungen“ angepasst werden – wer beurteilt, was eine Fehlentwicklung ist, und wie wird es dann angepasst?

      Für FIDE-Elo gibt es im Prinzip die K-Faktoren 10, 20 und 40. Ähnlich kompliziert wie DWZ sind wohl „Universal Chess Ratings“ – hat sich nicht wirklich etabliert, und da sind Details der Algorithmen nicht öffentlich dokumentiert.

  3. Mit einem mathematisch statistisch basierten Verfahren zur Schätzung eines Parameters genannt DWZ hat die „neue“ Methode immer noch nicht allzuviel tun.
    Sie ist zwar etwas anders aber ist sie auch besser? Über die durchaus nachvollziehbaren Motive kann man ja im Dokument nachlesen. Am ehesten an Statistik erinnert da noch die Normalverteilung.
    Die „Anhebung“ der DWZ, beruht wohl auf einer Regression zwischen den bestehenden DWZ und ELO Zahlen.
    Das ist auch ok, aber der Effekt unter den Spielern ist vor allem psychologisch.
    Aus einer DWZ von 1000 werden plötzlich 1400. Allerdings ändert sich an der bisherigen Rangfolge von Spielern gar nichts. Nur die Differenzen werden geringer. Aus 200 Punkten Unterschied werden jetzt 128 und die Gewinnerwartung sinkt damit von 76% auf 67,5%. Der bessere Spieler bekommt jetzt für einen Sieg weniger Punkte dazu, der schlechtere weniger Punkte abgezogen, aber beide haben ja schon vorher von der Anhebung profitiert. In ein bis zwei Jahren wird der psychologische Effekt auch wieder verpufft sein.

  4. Warum sollen DWZ und Elo angeglichen werden? DWZ ist eine nationale Wertzahl mit anderen Aufgaben als die ELO. DWZ beginnt bereits beim Anfänger und führt von tief unten zu 1.000, der Einstiegsschwelle zum Turnierschach. Indem man jetzt 1.100 als Einstiegszahl für Jedermann ansetzt, kappt man das ganze Kellergeschoß des Anfängerschachs. Nehmen wir als Beispiel die DEM u8w 2025:
    Der Durchschnitt aller Spielerinnen (einige noch ohne DWZ, die Schwächste 718, nur drei über 1.000) war ca. 900. In Zukunft hätten dann wohl alle 1.300, unabhängig davon, ob sie erst auf der Schwelle zum Turnierschach stehen oder bereits eine gewisse Spielstärke haben. So kann man das Niveau des Mädchenschachs natürlich anheben, aber dummerweise liegt die Wahrheit auf dem Brett!
    Vergleiche sind nun kompliziert, methodische Betrachtungen und Analysen werden stark erschwert.

    Als Trainer sehe ich die Einstiegsschwelle mit Unbehagen.
    – Die Einschätzung von Spielern und ihrer Entwicklung ist nun im unteren Bereich schwierig.
    – Die Motivation, eine DWZ zu erspielen und zu verbessern, ist nun stark vermindert, denn jeder bekommt ja eine – und gleich eine gute!
    – Im Vergleich zu chess.com und lichess Ratings ist diese Einstiegs-DWZ überhöht, denn dort muss man sich eine vierstellige Zahl erst mal erspielen.

    Unklar ist mir der Satz: „Nichtmitglieder fallen aus der Datenbank“. Werden sie bzw. ihre DWZ endgültig gelöscht?
    Der Wegfall alter Zahlen wäre dann ebenfalls problematisch. Ein 1900er, der z.B. nach 20 Jahren Pause wieder ins Turnierschach einsteigt, würde dadurch mit 1.100 bewertet. Natürlich ist er nicht mehr so stark wie damals, aber sicher immer noch 1600-1700 wert. Er müsste nun unter schwachen Spielern starten und, falls er die ein oder andere Partie remisiert oder verliert, würde er eine zu niedrige DWZ erhalten. Auch für die Gegner ist das unerfreulich und bringt ihnen unverdienten Ratingverlust.
    Sicher liegen dem neuen System sehr kluge mathematische Berechnungen zugrunde, was vermutlich auch die Einstiegsschwelle 1.100 erklärt. Aber die Praxis ist nicht immer im Einklang mit der Mathematik. Ist die Änderung der DWZ-Wertung nur ein Sturm im Wasserglas oder sogar eine Verschlimmbesserung?

    1. Ich verstehe auch nicht, was das bringen soll. Eine Änderung bringt doch zunächst mal das ganze System durcheinander. Für einen Anfänger ist es doch nicht ehrenrührig, eine DWZ unter 1000 zu haben.

      Die Zahlen von Nichtmitgliedern sind nicht unbedingt veraltet. Die Zahlen würden ja gelöscht, weil der/die Betreffende momentan nicht Mitglied eines Schachvereins ist und nicht weil die Zahlen veraltet sind. Die Betroffenen nehmen aber eventuell an offenen Turnieren teil, manche sogar regelmäßig. Da werden sich aber die Gegner freuen, wenn für die die Einstiegszahl angesetzt wird. Das ändert sich auch gar nicht, denn beim nächsten offenen Turnier haben die Betreffenden dann ja noch immer keine DWZ, weil sie weiterhin Nichtmitglied sein können.

    2. Der Grund für Angleichung von DWZ und Elo wurde ja bereits 2024 vom DSB genannt: https://www.schachbund.de/news/anhebung-der-fide-elo-kleiner-2000-am-1-maerz-2024.html „Wir können keineswegs mehr wie bisher für DWZ-lose Turnierteilnehmer deren Elo (unter 2000) als DWZ einsetzen“. Häufigster Anwendungsfall sind Paarungen im Schweizer System in Turnieren mit Elo-losen Spielern mit DWZ, und DWZ-losen Spielern mit Elo (letzteres vor allem Ausländer, aber auch vereinslose deutsche Spieler).

      Am 7. Juli 2025 https://www.schachbund.de/news/infos-fuer-spieler-und-spielerinnen-dewis-wird-bald-durch-das-wertungsportal-ersetzt.html wurde die Formel für „DWZ-Upgrade“ erwähnt. „wird die geplante einmalige DWZ-Umstellung erstmals konkret beschrieben“ in diesem Artikel ist demnach nicht korrekt. Damals war es ein „Plan“ der Wertungskommission, nun wird es umgesetzt – zusammen mit technischer Einführung des neuen DWZ-Systems. Zwischenzeitlich war offenbar auch einmalige Anpassung von DWZ in der vorhandenen Software nicht umsetzbar.

      Das „Kellergeschoss des Anfängerschachs“ bleibt ja erhalten, 1100 entspricht bisher 700 (nur wenige haben aktuell eine noch niedrigere DWZ, nur das wird zukünftig nicht mehr abgebildet). Übergangsweise muss man eben umdenken. Das ist wie nach Einführung des Euro (anfangs rechneten viele wohl noch in DM), oder im Schach noch länger her: Abschaffung der Ingo-Zahl (je niedriger desto besser, generell dreistellig und für die besten zweistellig) für DWZ (generell vierstellig, im Kellergeschoss dreistellig).

      „Wegfall alter Zahlen“ – Wiedereinsteiger werden sicher nicht mit 1100 bewertet, sondern mit 0 (DWZ-los bis sie wieder eine Zahl haben), bis dahin werden deren Partien auch nur „einseitig ausgewertet“ d.h. kein Ratingverlust oder -gewinn für die Gegner. Welche Gegner sie bekommen liegt an ihren Ergebnissen in Turnieren nach Schweizer System (tendenziell wie für etablierte Spieler: schwächere, etwa gleichwertige und stärkere) und daran, in welchen Mannschaften/Ligen sie vom Verein eingesetzt werden (bei richtiger Einschätzung etwa gleichwertige).

      Ich bin ja ein Beispiel: 2019 war ich nach 20 Jahren in den Niederlanden Wiedereinsteiger _in Deutschland_ (München). Anfangs war ich DWZ-los, erste Wieder-DWZ dann 1817. Bei mir steht nach wie vor „Historie: Vorhanden, aber zuletzt abgemeldet“ – wie auch bei einem anderen Spieler, der parallel mit mir bei Tarrasch München Mitglied wurde und offenbar auch schon mal eine DWZ hatte, die aber dann „irrelevant“ war. In meinem Fall war also im System noch vorhanden, dass es schon einmal einen Thomas Richter mit demselben Geburtsdatum gab – auch das wird offenbar zukünftig schon nach 5 Jahren gelöscht.

      Anfangs etwas kurios: FIDE-Elo habe ich nicht, bei Münchner Turnieren wurde anfangs meine niederländische nationale Elo (von mir angegeben, im Internet überprüfbar) als DWZ-äquivalent berücksichtigt. Sobald ich Mitglied eines deutschen Vereins war ging das nicht mehr – ich weiß nicht ob das irgendwo offiziell festgelegt ist oder ob verschiedene Ausrichter immer so entschieden haben. Jedenfalls war ich dann bis auf weiteres DWZ-los und konnte auch keine Ratingpreise gewinnen („unbekannte Spielstärke“) – nachdem ich eine DWZ hatte ging es wieder und hat auch mal geklappt. Auch zu diesem Zweck sollte DWZ und Elo vergleichbar sein!?

    3. Das halte ich auch für kritisch. Wir haben im aktiven Turnierbetrieb signifikant viele Spieler, die 1650+ DWZ-Punkte schlechter sind als Vincent Keymer. Die Leistungsunterschiede innerhalb dieser Gruppe sind aber auch sicher mehrere hundert DWZ-Punkte. Die jetzt alle auf ein Mindestniveau zu nivellieren schafft neue Probleme, auch wenn es einige bisher bestehende löst.

      1. Ich verstehe inhaltlich die Kritik nicht. Ich bitte wirklich ehrlich um eine Erklärung!

        Interessant sind doch immer nur die Gewinnerwartungen bei spielern +/- 400 Punkte, danach sind die Überraschungen doch vernachlässigbar. Vincent K. gewinnt gegen Leute mit 1100 ziemlich garantiert zu 100%. Das ist also keine relevante Größe. das angehobene Mindestniveau hat einfach folgen für die Exaktheit der Zahlen. nach meinem mathematischen Verständnis der Formel wäre der Effekt ungenauer, wenn man die Eingangs-DWZ niedriger ansetzen würde, da ja die DWZ-alt in die Formel einfließt. – Aber ich bin weder Mathematiker noch Auswerter. Helft mir doch mal bitte mit einer Erklärung, nicht nur immer mit einer starken Meinung!

        1. Folgende Überlegung:
          – Spieler A ist von der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Vincent Keymer
          – Spieler B ist der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Spieler A
          – Spieler C ist der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Spieler B
          – Spieler D ist der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Spieler C
          – Spieler E ist der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Spieler D
          – Spieler F ist der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Spieler E
          – Spieler G ist der realen Spielstärke 300 DWZ schwächer als Spieler F

          Der reale Spielstärkeunterschied zwischen Vincent Keymer und Spieler G ist also 2100 DWZ. Ihre tatsächliche DWZ unterscheidet sich aber wegen Mindestzahl 1100 nur um 1650. Entsprechend ist auch die Summe der Abstände Keymer/A, A/B, B/C, C/D, D/E, E/F, F/G 1650. Die realen Spielstärkeunterschiede können also nicht überall korrekt abgebildet werden. Wo genau lässt sich (für mich) nicht vorhersagen, aber irgendwo im System müssen die DWZ-Unterschiede dann deutlich geringer sein als die tatsächlichen Unterschiede in der Spielstärke.

          1. Vielen Dank. Das ist ja einmal ein Gedankenexperiment, dass die Sachlage verdeutlicht. Der Liste oben entnehme ich, dass V.K. DWZ 2761 hat. Daraus ergibt sich folgendes: (nach der vorangekündigten Formel: DWZ alt x 0,64 + 760 = DWZ neu / k.A., ob die sich noch knapp geändert hat)
            Spieler A: 2461 alt wie neu
            Spieler B: 2161 alt wie neu
            Spieler C: 1861 alt / neu: 1951
            Spieler D: 1561 alt / neu: 1759
            Spieler E: 1261 alt / neu: 1567
            Spieler F: 961 alt / neu: 1361 (ab hier gilt DWZ neu = DWZ alt + 400)
            Theoretisch: Spieler G: 661 alt / neu: 11061
            Diese Zahlen sagen nichts über die Spielstärke aus, sondern sind statistisch aus dem alten System abgeleitete Gewinnerwartungen – da könnte es durch die Formel natürlich leichte Diffrenzen ergeben. Nach oben (über 2110) ist also nichts verändert. Unterhalb dieser Grenze nimmt die Verschiebung der Gewinnwahrscheinlichkeiten (durch die Umrechnung) nach oben hin ab, sodass es nur bei Spielern mit einer geringeren Spielstärke (wo also wirklich statistisch sicher auch Fehler größeren Ausmaßes auftreten) zu größeren Sprüngen kommt. Diese sind jedoch hier sowieso zu erwarten, weil die Stabilität der schachlichen Leistung/Qualität eher schwankend ist.
            Die von Gerry angefragte Benachteiligung höherer Leistungsklassen kann man unterschiedlich beurteilen, bemerkbar (vielleicht auch nur psychologisch/gefühlt) benachteiligt sind wahrscheinlich nur Spieler zwischen DWZ ca. 2050 und 2150. Langfristig ist es ganz sicher so, dass die „zusätzlich ausgeschütteten Rating-Punkte“ nach oben wandern – aber das liegt in der Natur der Spielstärkeunterschiede. Diese „Benachteiligung“ führt wahrscheinlich eher dazu, dass die Punkte langsamer nach oben wandern.
            Ich finde es keinesfalls ungerecht. Je nach der Anzahl wenig absehbaren Variablen (z.B. Menge neuer Spieler im System, deren Spielstärke, Anzahl ausgewerteter Partien) kann es zu Effekten kommen, die man beobachten muss.
            Also nach nochmaliger Durchsicht der neuen Wertungsordnung (https://www.schachbund.de/wertungsordnung.html) und dieses Gedankenexperiments halte ich die gefundene Regelung für durchdacht und eine angemessene Reaktion auf die Entwicklungen im Turnierschach hierzulande. Also denen, die hier Gehirnschmalz investiert haben: Vielen Dank! 😉

  5. Man sollte auch darauf hinweisen, dass diese Anpassungen offensichtlich in Verbindung mit der technischen Einführung des neuen DWZ-Systems stehen.

  6. Trotz verschiedener berechtigter Fragen kann man im neuen System sowohl bei DWZ- als auch bei Elo-Auswertungen durchaus eine Verbesserung sehen. Diese betrifft insbesondere die Reaktion auf große Veränderungen im Bereich Turnierschach: international (also weltweit mit Elo-Auswertung), noch mehr vielleicht im Bereich des DSB (mit DWZ-, oft parallel mit Elo-Auswertung) gibt es zunehmend SpielerInnen, die aufgrund ihrer online-Erfahrung recht weit oben in die Wertungen einsteigen. Da dies nicht nur eine Ausnahme ist, kam es unter vielen langjährigen Spielern eher zu einer Deflation. Dem wird durch die erhöhte Einstiegswertzahl entgegengewirkt. Dies dokumentiert dann auch, dass langjährige SpielerInnen ja nicht „schlechter“ spielen, weil die Konkurrenz stärker wird.
    Durchaus nachvollziehbar ist auch der Ansatz, dass dies im Bereich deutlich über 2000 nur geringe sofortige Auswirkungen haben sollte. Hier sind ja die Wertzahlen bereits realistisch „ausgespielt“, mehr gute SpielerInnen werden dann auch Ratings > 2000 erreichen, die Spielstärke bleibt ohne Deflation auch mit Aufsteigenden vergleichbar.
    Psychologische Effekte sollten bei realistischer Betrachtung da sehr begrenzt entstehen, man setzt sich einfach individuell andere Ziele. Die Einschätzung von „guten“ oder „weniger guten“ Wertungszahlen ist ohne Zuordnung zu konkreten SpielerInnen und seinen/ihren persönlichen Ambitionen kaum sinnvoll. Gerade langjährige Vereinsmitglieder, die aktiv ausgewertete Partien in Ligen und Turnieren spielen, erhalten so eigentlich eine gewisse Stabilität in ihrem Rating. Es werden ihnen durch die ambitionierten NeueinsteigerInnen weniger Punkte „weggenommen“. Wie dann in einigen Jahren die Ratingpunkte von unten nach oben „wandern“ wird eine spannende Beobachtungsaufgabe – wir können uns da gern über Prognosen austauschen (ausdrückliche Einladung zur Diskussion!)
    Für das Turnierschach sehe ich ebenfalls 2 entscheidende Vorteile: – durch DWZ- und Elo-Angleichung werden die TWZ realistischer, also insbesondere die Auslosung in Runde 1 Schweizer System korrekter, auch können Teilnehmende ohne DWZ, aber mit Elo besser den DWZ-Gruppen zugeordnet werden. Zum zweiten müssen sich langjährige TurnierspielerInnen nicht aus Angst vor DWZ-Verlust von Turnieren abmelden, wenn sie dort zu viele „Unbekannte“ oder „unterbewertete NeueinsteigerInnen“ vermuten – leider habe ich das schon erlebt. Auch Vermeidungsreaktionen, wenn zu viele „Kinder“ mitspielen, kann so zumindest argumentativ etwas entgegengesetzt werden.
    Fazit: Im Grundsatz und nach meinen Erwartungen begrüße ich die Reform. Es wird mir Freude machen, die Auswirkungen zu verfolgen. Ich denke, es wird langfristig helfen, mehr SchachspielerInnen mit realistischer „Gewinnerwartung“ auf Turnieren zu finden.

  7. Den lächerlichsten Begriff in dem Artikel ist „modern“. Früher war 2 + 2 = 4. Da wir jetzt „modern“ sind ist nun 2 + 2 = 5?
    Zum einen gilt das gleiche wie bei ELO auch. Wenn man einzelnen Gruppen ELO Punkte verschenkt dann verteilen sich die gleichmäßig auf alle, der Effekt ist weg, und alle haben eine gleiche Erhöhung. Bei ELO ist meine Vermutung dass die ELO von Magnus auf Dauer dadurch um 50 Punkte steigt. Die neuen 1700er geben die Punkte an die 2000er ab, die an die 2200er usw.
    Es gibt allerdings noch einen anderen Effekt. Ein 1500er, der nun 1700er ist und viel spielt, gibt den größten Teil seiner geschenkten Punkte wieder ab. Ein 1500er, der wenig spielt, behält seine 1700. Wenn man nun gegen einen Gegner mit einer Zahl 1700 spielt, kann es ein alter 1500er oder einer sein, der seine Punkte schon verspielt hat. Der Unterschied in der Erwartung ist aber 25%. Dies heißt Zahlen bis 2000 sind in Zukunft nur noch Zufallszahlen, haben nichts mehr mit Spielstärke zu tun.
    Im Gegensatz zur FIDE plant der DSB aber Änderungen der Berechnung. Dummerweise stehen in diesem Artikel keine Details, insofern kann man es auch nicht kommentieren.
    Ich habe hier das Gefühl dass kleine Kinder mit Feuer spielen. Wenn man die neuen Regeln nehmen würde, die Turniere der letzten fünf Jahre neu berechnen würde um dann zu vergleichen wo die Unterschiede sind. Das wäre seriöse Arbeit, kann man von Funktionären nicht erwarten.

    1. Ich finde, dass in dem Artikel sehr viele Details stehen, über die man auch diskutieren könnte. Auch wenn ich ungern auf die Schachkicker Polemik eingehe: auch in modernen Zeiten gilt bei normalen mathematischen Berechnungen 2+2=4.
      Was es aber nicht gibt und auch nie gab, sind nach DWZ 1500er und 1700er, denn die DWZ ist eine statistisch berechnete Größe, die aus in der Vergangenheit gespielten Partien eine theoretische Gewinnerwartung vorhersagt. Daraus leitet man dann im besten Fall ab, wo eine interessante Partie entstehen könnte. Die Spielstärke ändert sich nach Tagen und Jahren immer sehr stark, und das ist ja gut so.
      Eine nachträgliche Berechnung der letzten 5 Jahre kann die momentan entstandene Problematik ebensowenig lösen wie eine Beibehaltung des Status Quo. Es geht ja gerade um die Vielzahl neuer SchachspielerInnen – und das ist es ja, was erreicht werden soll – im Turnierbetrieb, die dann mit wenig oder ohne Deflation integriert werden.

      Vielleicht liege ich ja mit meinen Annahmen falsch. Lasst uns gern inhaltlich dazu diskutieren.

    1. Gerald, wenn man in den 80er Jahren Ingo/DWZ-Bearbeiter war, sich sein erstes Auswertungsprogramm auf dem Atari geschrieben hat, das Buch von Prof. Elo gelesen hat, dann wundert man sich doch mit welchem Diletantismus heute mit dem System umgesprungen wird.
      Wenn man eine Änderung haben möchte, muss man sie sowieso programmieren. Dann ist es nicht mehr viel Arbeit die Zahlen von vor fünf Jahren zu nehmen und die Turniere danach neu auszuwerten. Dann hat man Material für eine handfeste Argumentation.

      1. komplett siehe oben, aber hier:
        Eine nachträgliche Berechnung der letzten 5 Jahre kann die momentan entstandene Problematik ebensowenig lösen wie eine Beibehaltung des Status Quo. Es geht ja gerade um die Vielzahl neuer SchachspielerInnen – und das ist es ja, was erreicht werden soll – im Turnierbetrieb, die dann mit wenig oder ohne Deflation integriert werden.

        Vielleicht liege ich ja mit meinen Annahmen falsch. Lasst uns gern inhaltlich dazu diskutieren.“

        Ich habe noch immer nicht verstanden, worüber sich hier viele Kommentierende aufregen! Bitte helft mir doch mal inhaltlich.
        Lieber Gehrhard, heute arbeiten doch auch Leute. Auch heute sitzen Leute (Funktionäre!? – das sollte kein Kampfbegriff sein.) daran, unsere Partien auszuwerten.
        Was regt euch denn so auf?

        1. Herr Bock, einfach mal das Buch von Prof Elo lesen und sehen wie er zu seinem System gekommen ist – und da gab es noch keine PCs. Dann verstehen Sie vielleicht etwas mehr von der Sache.

          1. Können wir hier bitte inhaltlich in Austausch kommen? Wo ist die Kritik. Falls man ihre Ausführungen nur verstehen kann, wenn man Arpad Elo liest, bin ich hier raus – das mache ich wohl in den nächsten Tagen nicht. Aber Ihre Einwände würde ich gern nachvollziehen.

        2. Eine Nachberechnung soll kein Problem lösen. Es soll einfach geprüft werden, welche Auswirkungen zu erwarten sind. Hier wird jetzt in der Diskussion vermutet, was eintreten wird. Das halte ich auch für wahrscheinlich, denn es hat ja schon Änderungen bei der Elozahl gegeben und da waren solche Auswirkungen zu beobachten. Ich rege mich auch gar nicht über die Änderungen auf. Wenn das eingeführt wird, dann ist es eben so. Die Ansprüche haben doch diejenigen, die das neue System einführen. Leider sind die ersten Jahre ab 2021 wegen der Corona-Problematik nicht repräsentativ, weil da praktisch wenig bis gar nicht gespielt wurde..

          1. Ich hätte nicht gedacht, dass zwischen 2020 und 2026 weniger Partien DWZ-ausgewertet wurden als in der jeweils mehrfach 7 Jahren zuvor. Vielleicht liest hier ja jemand mit, der da als beteiligter eine genaue Zahl kennt.
            Meine Prognose ist auch, dass die Anzahl der Turniere und der ausgewerteten Partien in den kommenden Jahren eher steigen wird. Anfangs vielleicht, ohne dass die Spielenden in einem Verein sind. Aber genau das ist ja der positive Effekt, den man erreicht: Spiele ich und bekomme eine DWZ, dann will ich auch in einen Verein, um meine zahl zu sehen und zu verbessern!
            Hier ist ja der positive Wirkungspunkt für das Schach in Deutschland: mehr Aktive in den vereinen!

  8. Gibt es irgendwelche Infos dazu, was mit der API passiert, über die man bisher freien Zugriff auf DeWIS-Zahlen bekommen konnte? Beispielsweise zum Anzeigen einer DWZ-Liste auf der Vereinswebsite oder zum Entwickeln von Software?

    1. Offizielles Zitat:
      Der Bereich „Ratings“ der Homepage bleibt unverändert. Alle Daten sind weiterhin für registrierte User sichtbar. Ab 22.7. dann auch mit den neuen Wertzahlen

      1. Das wäre schonmal gut. Intuitiv würde ich aber sagen, dass mit „Bereich ‚Ratings‘ der Homepage“ eher die Abfragen für DWZ-Daten im Frontend gemeint sind und nicht die API. Neben der technischen Umsetzung geht es da ja auch um verschiedene Ansichten zum Datenschutz.

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