14.08.2026

4 Gedanken zu „Wie wurden deutsche Spieler IM oder GM?

  1. Naja, in Opens sind Normen vielleicht leichter, aber es kann immer trotz passender Leistung eine Kleinigkeit schief gehen (Ausländer, Mindest-ELO, Mindest-Titelträger), besonders bei großen Opens ohne ELO Beschränkung wie Grenke und OIBM.
    Das es in Rundenturnieren nicht einfach ist zeigt eins meiner First Saturday Turniere. Dort spielten in einem Turnier neben den Großmeistern die folgenden hungrigen IMs: Leon Hoyos, Sasa Martinovic, Arik Braun, Georg Meier, Markus Ragger, Maxim Rodstein und auch noch Le Quang Liem. Heute alles (nicht so schlechte) GMs. Nur Georg Meier machte eine Norm.
    Mannschaftsturniere sind im Prinzip wie Rundenturniere. Wenn man gut genug spielt ist die Norm garantiert.

  2. Die Geschichte mit dem Batavia-Turnier ist korrekt wiedergegeben. Ich saß gerade ganz normal in der Arbeit, und sah kurz auf Facebook nach. Dort poppte die Meldung auf, dass noch ein Großmeister zu einem Einladungsturnier gesucht wird, nur sollte das Turnier bereits am nächsten Tag gegen 15 Uhr in Amsterdam beginnen. Damals war ich gerade 50 Jahre alt, und hatte schon lang keine Einladung mehr zu einem GM-Turnier erhalten. Also meldete ich mich, und kurz darauf kam ein Anruf aus Holland, wo wir kurz über die Konditionen sprachen. Wir wurden uns schnell einig, und nach Rücksprache mit meinem Chef durfte ich loslegen. Ich fuhr nach Hause, packte meine Sachen, erzählte meiner Frau, dass sie mich die nächsten 9 Tage nicht sehen würde, und fuhr zum Bahnhof. Abends um 22:30 Uhr kam ich am Hauptbahnhof in Amsterdam an, und wurde dort vom Organisator empfangen. Der Spielort, nämlich eine total gemütliche Kneipe, war gleich neben dem Bahnhof (und auch im Rotlichtviertel). Doch das Wunder setzte sich fort. In dem Turnier gewann ich einige schöne Partien, und konnte mich an die Spitze setzen, und schließlich den ersten Preis gewinnen. Es war wie im Märchen!

    1. Das kann also passieren, wenn man auf der Arbeit „kurz auf Facebook nachschaut“. Demnach wurde es auf chess.com (ursprünglich Chessvibes) nicht ganz korrekt wiedergegeben. Der Artikel suggeriert (auch Gerald selbst wird entsprechend zitiert) „Can you play?“, nicht zunächst von ihm „I am willing to play“ – der Anruf (Merijn van Delft hatte demnach seine dienstliche oder Handynummer) als erster Schritt.
      Merijn van Delft ist ja seit Jahren Mitglied des Hamburger SK, war jedenfalls (wenn ich mich richtig erinnere) mit einer Hamburgerin verheiratet und pendelte zwischen den Niederlanden und Hamburg. Aber Hamburger GMs (denkbar damals David Baramidze, Karsten Müller oder auch Dorian Rogozenco – Niclas Huschenbeth noch IM) waren vielleicht nicht verfügbar.
      Später machte Alexander Donchenko dann eine ähnliche Erfahrung: Tata Steel Masters brauchte kurzfristig einen Corona-Ersatz, er wurde dabei persönlich in Gießen abgeholt.

      Wenn man vom Bahnhof zum Spiellokal geht merkt man nicht unbedingt, dass dahinter der Rotlichtdistrikt beginnt. Beruflich war ich auch mal im Hauptgebäude der KNAW (Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften), da geht der Fußweg vom Bahnhof mitten durch diese (tagsüber eher ausgestorbene) Touristenattraktion.

  3. Vielleicht noch als Schmankerl die Beigabe, wie Hertneck Internationaler Meister und Großmeister wurde.
    Beim IM war es noch ganz leicht: ich spielte das Budapester Frühlingsfestival, und da eröffnete man mir vor der letzten Runde, wenn ich morgen gegen (den kürzlich verstorbenen) T. Horvath gewinne, dann habe ich meine erste IM-Norm in der Tasche. Und so geschah es. Das nächste Turnier war in Jugoslawien in Petrinja, mir fiel auf dass die Jugos unterenander alle remisierten (natürlich abgesprochen), aber das war nicht mein Ding, ich wollte gewinnen, und so übererfüllte ich meine zweite IM-Norm mit einem ganzen Punkt. Einen Monat später fand ein deutsch-französisches Turnier in Verdun statt – ich spielte mit großer Leichtigkeit, verlor nur gegen Bernd Schneider und am Ende hatte ich 1,5 Punkte mehr als benötigt auf dem Konto. All das geschah 1986 in etwa 3 Monaten, und der Titel war wirklich leicht erspielt.

    Dann folgten wirklich schwierige Jahre, ich hatte schon eine gute Zahl, sagen wir 2480 Elo, aber es wollte sich einfach keine GM-Norm einstellen. Ich war tatsächlich etwas frustriert, und wusste auch nicht woran es lag. Vielleicht an der Berufsausbildung zum Beamten bei der Stadt München, die ich von 1986 bis 1989 absolvierte? Naja, jedenfalls kam der Durchbruch, wieder in Budapest, und zwar 1990, wo ich in der letzten Runde gegen GM Lukacs gewinnen musste, was zum Glück klappte. Ich weiß noch wie heute, dass er mir gleich zwei Mal die Hand reichte. Einmal zum Sieg und einmal zur Norm.
    Dann kam das GM-Turnier in München 1991, organisiert von Heinrich Jellissen. Das erfolgreichste Turnier das ich je spielte. Ich startete völlig überraschend (auch für mich selbst) mit 4,5 aus 5 in einem sehr starken Feld. Am Ende hatte ich, wenn ich mich nicht irre, die Norm wieder um einen Punkt übererfüllt. Und über 2500 war ich auch schon, und mit 13 plus 11 Partien reichte es genau aus, weil damals nur 24 Partien (statt heute 27 Partien) gefordert waren.

Die Kommentare sind geschlossen.