Blick in den Turniersaal. Quelle: P. Scholz
Ein Bericht von Turnierleiter Philipp Scholz
Rund 350 Spielerinnen und Spieler aus aller Welt fanden sich am Pfingstwochenende bei mehr als sommerlichen Temperaturen in Haßloch ein um am Schachbrett ihre Kräfte zu messen. Damit war das Turnier auch in diesem Jahr – wie in den vier Vorjahren – ausgebucht. Doch nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze versprach die Teilnehmerliste spannende Kämpfe. Traditionell offen erschien das Rennen im B-Turnier (<1800 DWZ), hier wiesen 50 Spielerinnen eine DWZ von über 1700 auf und konnten sich damit realistische Hoffnungen auf den Turniersieg machen.
Klarer verteilt war die Favoritenrolle im A-Turnier. Angelockt von über 10.000€ Gesamtpreisfonds (davon 2100€ für den ersten Platz) tummelten sich 9 Titelträger unter den 128 Teilnehmerinnen mit DWZ >1800. Neben den beiden routinierten Großmeistern Hagen Poetsch und Vitaly Kunin mit ihrer dritten bzw. vierten Teilnahme im Turnier, war erstmals auch GM Narayanan S.L. (Peak Elo 2695) mit von der Partie. Letzterer hatte in Weltklasseturnieren wie dem Grand Swiss oder Qatar Masters (in beiden Siege gegen Weltmeister D. Gukesh) bereits gezeigt, dass er ganz oben mitspielen kann und hatte sich nun vorgenommen, auch in Haßloch entscheidend in das Rennen um den Turniersieg einzugreifen.
Zusätzlichen Grund zur Feier bot außerdem das 100-Jährige bestehen des Schachclubs Haßloch, welches das Orga-Team zum Anlass nahm, den Teilnehmerinnen in der Mittagspause jeweils zwei Kugeln Eis zu spendieren – eine willkommene Abkühlung an dem bis zu 33 Grad warmen Wochenende. Und da es auch in der Nacht nicht so recht abkühlen wollte, wurden die im Innenhof aufgestellten Bretter noch bis spät am Abend (teilweise bis spät in die Nacht) von spiel- und analysehungrigen SpielerInnen bevölkert.
B-Turnier
Wie prognostiziert wurde der Kampf im B-Turnier durch die verdichtete Spitze sehr eng. Vor der siebten und letzten Runde waren es Namita Schulten von SF Neurot und Stephan Ziska vom Schachforum Darmstadt, die mit 5,5 Punkten an der Spitze der Tabelle thronten. Letzterer hatte das Turnier 2023 erstmals für sich entdeck und seitdem keine Ausgabe mehr verpasst während die 16-Jährige Schulten ihre erste Teilnahme feierte. Dahinter? Ein sechsköpfigen Verfolgerfeld das aus einem halben Punkt Abstand auf eine Punktteilung am Spitzenbrett hoffte. Letztlich war es Stephan Ziska, der im direkten Duell am Spitzenbrett die Nase vorn hatte und sich mit 6,5 Punkten neben dem alleinigen Turniersieg einen stattlichen Pokal und stolze 1000€ Preisgeld sicherte während Schulten auf Platz 4 zurückfiel.

A-Turnier
Einen wahren Raketenstart hatte Valentin Udelnov vom Potsdamer SV hingelegt: Mit fünf Punkten aus fünf Partien (darunter ein souveräner Sieg gegen IM Tarun Kanyamarala (Diagramm rechts) zierte sein Name nach Runde 5 einsam die Tabellenspitze.
Am Schlusstag warteten mit GM Kunin und GM Narayanan allerdings zwei schachliche Schwergewichte auf Udelnov. Beide hatten sich im direkten Vergleich mit Remis getrennt und zeigten sich fest entschlossen, das Turnier ohne weitere Punktabgaben zu beenden- Sehr zum Leidtragen des 18-Jährigen, der sich trotz zäher Verteidigung letztlich in beiden Partien geschlagen geben musste. Er beendete ein trotz dessen starkes Turnier auf Rang 5.
Die abschließende Tabelle nach der siebten Runde zeigte neben dem bekannten Bild einer großmeisterlichen Tabellenspitze eine Kuriosität: Neben der Punktzahl war nicht nur die erste Feinwertung (Buchholz) sondern auch die zweite Feinwertung (Sonneborn-Berger) der beiden Führenden exakt gleich! Das war in 39 Jahren Haßlocher Schachtage noch nie vorkommen und sorgte dafür, dass sich erstmal zwei Spieler in als Turniersieger eintragen durften. Herzlichen Glückwunsch an GM Vitaly Kunin und GM Narayanan S L!


Alle Ergebnisse:
Schachclub 1926 Hassloch e.V. – 39. Internationale Hasslocher Schachtage
Live-Übertragung & Partien zum Nachspielen:
39. Internationale Haßlocher Schachtage • Runde 1 • lichess.org
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