Auch wenn es mich in der Tastatur juckt: ein „kompletter“ Bericht zu sechs Turnieren (U14, U16, U18 und jeweils auch weiblich) mit vielen Diagrammen usw. ist nicht machbar. Bisher fand ich zwei Berichte: beim Schachbund aus deutscher Sicht (dabei etwas selektiv), FIDE würdigt vor allem bzw. nur die insgesamt 18, die sich eine Medaille sichern konnten. Darunter am Ende keine deutschen Spieler(innen), einige waren im Turnierverlauf und z.T. bis zum Schluss relativ nahe dran. Drei landeten am Ende in der top10 ihrer Altersklasse.
Turnierübergreifend kann man sagen: oft fiel die Entscheidung über Medaillen erst in der dramatischen letzten Runde (Ausnahme tendenziell U18w). Edelmetall am Ende oft für Spieler(innen) aus dem jedenfalls erweiterten Favoritenkreis, mit einigen Ausnahmen. Einige hoch eingeschätzte erwischten auch für ihre Verhältnisse ziemlich schlechte Turniere. Nun der Reihe nach, jeweils aus internationaler und dann aus deutscher Sicht:
U18
1. IM Atanasov (CAN) 9/11, 2. IM Kot (CAN) 9/11, 3. IM Habans Aguerrea (ESP) 8, 4. FM Vallee (FRA) 8, GM Mamedov (KAZ) 8, usw. (deutsche Spieler später)
Über Gold und Silber entschied, bei Remis im direkten Vergleich bereits in Runde 5, ein Buchholz-Punkt. Über Bronze und Blech entschied, bei ebenfalls Remis untereinander in Runde 5, gar nur ein halber Buchholz-Punkt in der zweiten Wertung (einschließlich aller Gegner, bei Buchholz Cut1 bleibt der ergebnisschlechteste außen vor). Der GM (Edgar Mamedov nicht mit dem älteren und etablierteren Azeri Rauf Mamedov verwechseln) kam etwas von hinten und hatte dadurch die recht deutlich schlechtere Wertung. Für Anthony Atanasov ist es auch der direkte GM-Titel, für Emanuel Kot als „first equal“ dagegen nur eine GM-Norm. Und für den Pechvogel Louis Vallee immerhin eine IM-Norm.
Doppelsieg für Kanada wird vom kanadischen Schachverband sicher gefeiert. Wird das geographisch große aber nach Einwohnern und schachlich eher kleine Land damit ein Medaillenkandidat bei zukünftigen Olympiaden? Vermutlich nicht, das Turnier war ja – im Vergleich zu was möglich gewesen wäre – relativ schwach besetzt. Der an eins gesetzte Rumäne IM Magold war Nummer 29 der Weltrangliste Geburtsjahr 2008 und danach, der an zwei gesetzte norwegische GM Kvaloy gerade noch in der top50. Jüngere Altersklassen waren relativ stärker besetzt, auch diese ohne z.B. Yagiz Kaan Erdogmus oder Faustino Oro.
Atanasov war als Nummer 4 der Setzliste Mitfavorit, Kot dagegen nur an 34 gesetzt mit dann starkem Turnier. Elo 2400 hatte er noch nie, auch nicht nach diesem Turnier, IM wurde er als nordamerikanischer U18-Meister anno 2025.
Aus deutscher Sicht
IM Hagner 7,5/11 (geteilter Sechster, nach Wertung Neunter), FM Atoyan, IM Besou und FM Klaska nebeneinander mit 7/11 (Platz 16, 17 und 19). Der an 40 gesetzte Klaska damit relativ besser, die drei anderen etwa da wo sie „hingehörten“. VOR der letzten Runde war für Hagner und Atoyan mehr möglich, und auch noch bis zu einem gewissen Zeitpunkt ihrer Partien. Bennet Hagner wurde zwar von Edgar Mamedov in der Eröffnung überrascht und kam nach eigener Aussage (Quelle Schachbund) „ins Grübeln“, dabei auch nicht mehr als sein Gegner. Dann stand er besser, dann entglitt ihm die Partie komplett. Ein Sieg wäre Bronze gewesen, ein Remis immerhin (8/11 mit schlechter Wertung) Platz 5 den so der Gegner bekam. Die erste logische und dabei falsche Entscheidung (18.-fxg4) traf er schnell, weitere Ungenauigkeiten/Fehler jeweils nach reiflicher Überlegung. Insgesamt war der nominell 20 Punkte bessere Gegner dann der bessere Spieler, nicht durchgehend aber insgesamt.
Alberto Atoyan hatte nach 7 Zügen einen Mehrbauern – vom Gegner FM Vallee geopfert, in vergleichbaren Stellungen bekanntes Motiv, hier nicht ganz korrekt. Aber nach Atoyans achtem Zug hatte Schwarz typische Kompensation, in der Praxis war es wohl für ihn leichter zu spielen und brachte ihm dann den vollen Punkt. Auch hier wäre „Platz 4 für den Sieger“ auch unter umgekehrten Vorzeichen der Fall gewesen. Atoyan wird beim Schachbund übrigens gar nicht erwähnt, im Gegensatz zu den drei anderen. Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler über Bennet Hagner: „Er hat gezeigt, dass er in seiner Altersklasse zu Recht zur Weltspitze gehört.“ Das wird durch das oben erwähnte etwas relativiert!?
Besou und Klaska
Hussain Besou hatte „drei Turniere“: auf 3/3 folgte 1/5 und dann wieder 3/3. Die Niederlagen gegen Habans Aguerrea und Kot waren „im Nachhinein akzeptabel“, dann noch eine dritte Null. Besou (*2011) konnte auch noch U16 spielen, wie u.a. auch Edgar Mamedov (*2010). In der U18 war Besou an 12 gesetzt, in der U16 wäre es Platz 9 der Setzliste gewesen, kein großer Unterschied. Auch nächstes Jahr kann er sich noch zwischen U16 und U18 entscheiden, was wird es dann?
Klaska hatte laut Bernd Vökler „stabile sieben Punkte“. Bis einschließlich Runde 8 war es dabei „stabil instabil“, Auf und Ab im Schweizer System – nach Sieg gegen einen nominell unterlegenen Gegner jeweils Niederlage gegen einen auf dem Papier klar besseren. Bzw. das war nur in Runde 2, 4 und 6 der Fall – sein türkischer Gegner in Runde 8 war ihm nominell unterlegen aber spielte insgesamt klar besser als seine Elozahl. Aus 4/8 wurde dann 7/11 – Höhepunkt der Sieg zum Schluss gegen einen nominell besseren Gegner, der noch in der Eröffnung einen taktischen Schlag übersah. Auch 14.-Lf6? 15.Se6! war übrigens noch „Theorie“ – zwei Vorgängerpartien auf recht hohem Niveau.
U18w
1. WFM Kleymenova (FID) 10/11, 2. WFM Pratitee (IND) 9, 3. WIM Wang Quinxuanyi (CHN) 8, 4. WIM Kirtadze (GEO) 8, 5. WFM Emujin (MGL) 8.
Platz 1 und 2 war relativ früh vergeben, wobei nur Kleymenova bereits vor der letzten Runde Gold sicher hatte. Die Inderin konnte ihr generell fast ebenso dominantes Turnier in der letzten Runde noch ruinieren, darauf verzichtete sie. Platz 3, 4 und 5 nach Buchholz recht sauber getrennt.
Aus deutscher Sicht
Insgesamt sieben Spielerinnen, ich bespreche nur drei (bei zwei Nachnamen): Charis Peglau 7,5/11 (nach Wertung Platz 9), Dora Peglau 6,5/11 (Platz 27), Michelle Trunz 6/11 (Platz 31, Schwester Tamila spielte U16). Charis Peglau begann mit 3/3 und hatte dann ein Zwischentief – 0,5/3 in den Runden darauf. Worauf sich „Manchmal hängt alles nur an einem Zug, sie hat innerhalb von zwei Zügen aus einer Plus-Sechs-Stellung eine Niederlage gemacht“ von Bernd Vökler bezieht ist mir nicht ganz klar. In Runde 4 hatte sie im Leichtfigurenendspiel vorübergehend Oberwasser, die spätere Niederlage im Bauernendspiel war, hmmm, „vermeidbar“. Runde 6 war „turbulent“, vielleicht bezieht sich „zwei Züge“ auf die Phase vom 57.-61. Zug – aber schon zuvor waren drei Ergebnisse möglich. Wenn das jeweils „Pech“ war hatte sie in der letzten Runde auch Glück, dass die Gegnerin ein für sie gewonnenes Turmendspiel nicht gewinnen konnte.
Für beide Peglau-Schwestern am Ende etwa der zur Setzliste passende Platz, Michelle Trunz etwas darunter. In der letzten Runde entglitt ihr eine vereinfachte und nahezu ausgeglichene Stellung vor und auch nach der Zeitkontrolle komplett. „Pech gehabt“ oder Stellung und auch Gegnerin (nominell unterlegen aber mit für sie starkem Turnier) unterschätzt, oder beides/alles?
U16
1. IM Ahmad (AZE) 9,5/11, 2. IM Tudor (ROU) 8,5, 3. IM Nurgaliyev (KAZ) 8,5, 4.FM Prokhorov (FID) 8, 5. IM Marin Ferragut (ESP) 8.
Vorne keine großen Überraschungen – es waren die Nummern 4, 5 und 3 der Setzliste, die beiden dahinter (#35 und 16) dann über ihren nominellen Möglichkeiten. Der an zwei gesetzte andere Rumäne IM Ilinca verlor in der letzten Runde mit Weiß gegen Marin Ferragut. Der an eins gesetzte Österreicher IM Dotzer erwischte ein für ihn ziemlich schlechtes Turnier, am Ende Platz 28 (zwischen einigen deutschen Spielern, aber das kommt ja später). Ahmad und Tudor sind beide Baujahr 2011 und können damit auch nächstes Jahr noch U16 spielen, wie z.B. Christian Glöckler und Hussain Besou. Khagan Ahmad hatte auch vor der letzten Runde einen Punkt Vorsprung auf alle anderen und durfte dann nur nicht verlieren – was dann zwischenzeitlich möglich schien, bevor er doch gewann. Dahinter hatten sechs Spieler 7,5/10, nur zwei gewannen dann ihre letzte Partie. Vier verloren, auch die beiden die herauf- und heruntergelost wurden.
Aus deutscher Sicht
Da muss man etwas nach unten scrollen um sie zu finden: 26. FM Albrecht 7/11 (schlechte Wertung), 31. FM Korchynskyi 6,5/11, 34. FM Nechitaylo 6,5/11. Der Vollständigkeit halber (beim Schachbund nicht erwähnt) 53. CM Skembris, 56. FM Nunez Gregoire, beide 6/11.
Warum Neil Albrecht für Bundestrainer Vökler „die große (positive) Überraschung“ war kann ich nicht ganz nachvollziehen. Platz 26 für den 17. der Setzliste, Elo -23, nur nominell unterlegene Gegner im Turnier mag ordentlich bis gut sein, ist es „toll“? Die beiden Ex-Ukrainer mischten in der ersten Turnierhälfte vorne mit und dann „ging ihnen die Puste aus“. Nechitaylo verlor insgesamt dreimal gegen IMs und bestätigte am Ende genau seine Elozahl, Korchynskyi hatte dreimal gegen nominell unterlegene Gegner das Nachsehen und muss sich von 19 Elopunkten verabschieden.
Simon Max Skembris (an 74 gesetzt) ist wohl insgesamt zufrieden, der an 13 gesetzte Daniel Nunez Gregoire vermutlich nicht. Ein schlechtes Turnier kann passieren, im deutschen Sprachraum (vgl. Lukas Dotzer) und auch darüber hinaus.
U16w
1. WFM Abramkina (FID) 9/11, 2. Jiang Tianyu (CHN) 8,5, 3. WIM Li (USA) 8,5, 4. WIM Kaliakhmet (KAZ) 8, 5. WFM Kolyavko (KAZ) 8, 6. WIM Mgeladze (GEO) 8, 7. WFM Mendoza (PHI) 8.
Auch hier die Entscheidung in der letzten Runde, wodurch Kasachstan nur Blech bekam. Für Silber und Bronze entschied der direkte Vergleich – beide Buchholz-Wertungen waren identisch aber direkter Vergleich ist ohnehin erster Tiebreaker.
Aus deutscher Sicht
Tamila Trunz erzielte mit 7/11 und sehr schlechter Wertung Platz 19, fast passend zu Platz 16 in der Setzliste. Schlechte Wertung lag daran, dass sie mit mäßigen 2,5/6 begann, nach dem Ruhetag lief es dann besser. Auch die fünf anderen deutschen Teilnehmerinnen im Elosoll, gerade im Bereich unter 2000 sind Spielerinnen aus einigen anderen Ländern womöglich oft unterbewertet.
U14
1. FM Radzimski (POL) 9/11, 2. CM Bulgak (FID) 8,5, 3. FM Guo (USA) 8 und acht(!) weitere Spieler mit 8/11.
Auch hier enttäuschend für Kasachstan, das die Setzliste zu dritt anführte. Der an zwei gesetzte FM Abdsattar hatte ein durchgehend schlechtes Turnier, der Elofavorit IM Smirnov und der an drei gesetzte FM Kuandykuly mischten vorne mit und landeten dann unter „8/11 aber keine Medaille“. Kuandykuly hatte durch zwei Remisen zu Turnierbeginn die schlechteste Wertung.
Aus deutscher Sicht kann ich mich kurz fassen: Platz 36 (6,5/11) für den an 55 gesetzten Nazar Tarasenko, Platz 90 (5/11) für den an 46 gesetzten Justin Michael Fadeev. Beide sammelten Erfahrungen.
U14w
1. Allahverdi (AZE) 9/11, 2. WIM Qiu (USA) 8,5, 3. Abak (TUR) 8,5, 4. WFM Begmuratova (UZB) 8, 5. WFM Wu Shuang (CHN) 8, 6. Kovalskyy (GER) 8, 7. Enkhnamuun (MGL) 8.
Die an 47 gesetzte Tuana Abak war die positive Überraschung aus türkischer Sicht. Nach anfangs bescheidenen, dabei für ihre nominellen Verhältnisse bereits guten 3/5 gewann sie fünfmal nacheinander. Das Schwarzremis am Ende gegen Zahra Allahverdi war recht ungefährdet, die Gegnerin stand damit als Weltmeisterin fast und Abak hätte noch nach Wertung eine Medaille verpassen können.
Aus deutscher Sicht
Die positive Überraschung aus deutscher Sicht war die an 22 gesetzte Alicia Kovalskyy. Etwas Glück hatte sie in der entscheidenden Turnierphase: in Runde 9 hat die Gegnerin in einer „nichts los“ Stellung und mit reichlich Bedenkzeit plötzlich einen Turm eingestellt. Tags darauf stand sie über weite Strecken der Partie schlechter, und am Ende wählte die Gegnerin die falsche Version von Turm gegen Bauer – Remis statt für sie gewonnen. Der Sieg zum Schluss gegen die an eins gesetzte WFM Sunea war einerseits souverän und schön herausgespielt einschließlich Qualitätsopfer. Andererseits war es ein weiteres Zeichen, dass die Elofavoritin kein gutes Turnier hatte: wenn Engines nach 13.Sd1?! Thf8 14.Sc3 vorschlagen und nach stattdessen 14.Lc4 d5 15.Lb3 (statt 15.exd5, jeweils den letzten Zug zurücknehmen) stimmt bei Weiß etwas nicht.
Elo-Spielereien
Dabei ist Elo gerade mit K-Faktor 40 auch relativ: nach Live-Elo einschließlich 77,6 Punkten von der deutschen Jugendmeisterschaft U14 (offen also unter Jungens) wäre Kovalskyy mit Elo 2008 bereits Nummer 7 der Setzliste gewesen. Das Turnier endete am 30.5. und wird erst für die Juli-Liste ausgewertet. Zusammen mit 81,6 Punkten aus diesem Turnier (also jeweils etwa 2 Punkte besser als nominelle Erwartung) wäre es bei einer direkten Neuauflage mit 2089 Platz 5, oder noch höher da einige deutlich Elo einbüßten. Neben Sunea auch die Schweizerin Christina Jordan – neben -102 aus diesem Turnier auch -62 von der Deutschen Jugendmeisterschaft U14w. Oder wieder etwas niedriger da z.B. Allahverdi sich von 1997 auf 2105 verbessert.
Zusammenfassung
Wenn ich bei deutschen Spieler(innen) mitunter ins Detail gehe und dadurch etwas relativiere ist das keine böse Absicht oder „typisch deutsche Kritik“, von mir eben keine „Hofberichterstattung“. Die insgesamt 27 deutschen Teilnehmenden haben sicher alle Erfahrungen gesammelt. Einige sind mit sich selbst wohl zufriedener als andere, einige betreiben vielleicht zusammen mit Trainern Ursachenforschung oder planen das jedenfalls. Es waren diesmal 16 Mädels und 11 Jungens, gut auch für den FIDE Gender Equality Index. Da müsste man dann vielleicht recherchieren, wie das zustande kam. Wer wurde vom Verband unterstützt, und wer hat eventuell als Selbstzahler(in) teilgenommen?
Im offiziellen Medaillenspiegel gewann Aserbaidschan (zweimal Gold) vor – Trommelwirbel – Kanada (Gold und Silber). In der relativ kleinen kanadischen Delegation noch einige weitere, die über ihren nominellen Möglichkeiten abschnitten. FIDE (zweimal Gold, einmal Silber) ist ja kein Land – die drei Medaillen verteilen sich auch über einmal Russland und zweimal Weißrussland. Drei Medaillen auch für die große Delegation der USA – dabei einmal Silber und zweimal Bronze. Zahlreich vertreten und nominell chancenreich auch Kasachstan aber dann nur einmal Bronze (sowie ein vierter und drei fünfte Plätze).
„Wie geht es weiter?“
Bei jungen Spielern muss man abwarten, wie (ob?) sie sich weiter entwickeln. In der langjährigen Wikipedia Hall of Fame einige später bekannte Namen aber auch viele aus der dann zweiten oder dritten Garnitur. Deutschland hat im Laufe der Jahre und Jahrzehnte vier Weltmeister (Leonid Kritz, Arik Braun, Roven Vogel, Frederik Svane) und zwei Weltmeisterinnen (Elisabeth Pähtz und Annmarie Mütsch).
Besten Dank für diesen sehr informativen Bericht!
Eine kleine Ergänzung zum Abschneiden der deutschen Mädels:
Nur zwei von ihnen konnten bei der WM einen ELO-Gewinn verbuchen. Außer der bereits lobend erwähnten Alicia Kowalsky gelang dies nur WFM Mara Haug, die allerdings vorher recht viel an ELO verloren hatte. Sie gewann in Montesilvano 25,6 ELO-Punkte hinzu.
Alle anderen mussten teilweise empfindliche ELO-Verluste hinnehmen, darunter auch die frisch gebackene WFM Tamila Trunz, die damit mit Mutter Elena und Schwester Michelle gleichgezogen hat.
Bei den Mädels hat auch Maha Ali in der U14 53 Elopunkte hinzu bekommen, wie bei Mara Haug nach zuvor recht klarem Abwärtstrend. Dieses Eloplus aus den letzten drei Runden nach zuvor „neutralem“ Ergebnis.
Was ist mit K-Faktor 40 ein „empfindlicher“ Eloverlust? Ich rechne das immer um nach K-Faktor 10, da mich vor allem die Elo von etablierten männlichen Spielern interessiert, bzw. nach „Ergebnis im Vergleich zur Elo-Erwartung“. Bei den Mädels insgesamt folgendes Bild:
– drei im Eloplus (+26 bis +82)
– sechs ganz leicht negativ (-3 bis -12), statistisch neutraler Bereich (bis zu 0,3 Punkte unter der Erwartung)
– drei mit leichten Verlusten (-18 bis -23), etwa ein halber Punkt unter der Erwartung
– vier mit deutlichen („empfindlichen“) Verlusten (-45 bis -146).
Eine Spielerin („bleibt mal anonym“) hat bei diesem Turnier und zuvor bei deutschen Jugendmeisterschaften jeweils dreistellig Elo verloren – nun wohl das offizielle Niveau, das sie zuletzt im Oktober 2023 hatte. Wenn sie sich nicht berappelt, kann (sollte?) das Konsequenzen für zukünftige Kaderförderung haben? Als Jugendleiter musste ich mitunter Spielern bzw. eher den Eltern erklären, dass Kaderförderung (da auf bayerischer Ebene) nicht automatisch verlängert, sondern jährlich evaluiert wird.
Zu Michelle und Tamila Trunz: kurios, dass sie vor dem Turnier genau dieselbe Elo 2098 hatten. Nun zieht die etwa zwei Jahre ältere Michelle wieder davon: +126 von der DJM U18 gegen Jungens und -7 aus der WM, Tamila +49 von der DJM U16w und -21 aus der WM.
Bei den Jungens ist es „optisch-numerisch komplizierter“, da sie teilweise K-Faktor 20 haben (sobald man mal 2300 geknackt hat bzw. dann ab dem Kalenderjahr des 19. Geburtstags) oder K-Faktor 10 (mindestens einmal im Schachleben Elo 2400+). Grob gilt da: vier im Eloplus, zwei neutral (Punktlandung für Nechitaylo), fünf im Elosoll.
Man kann das jeweils auch mit anderen Ländern vergleichen, aber mit welchen – ähnlich große Delegationen, ähnliche Voraussetzungen was auch immer das bedeutet? Die Niederlande (n=2 in der U14, beide im Elosoll) jedenfalls nicht.
@Henning Geibel: Eine Spielerin hast du übersehen – Maha Ali hat in der U14w ebenfalls ihre Elo-Zahl verbessert (+ 53,2).
@Thomas Richter: Die Nominierungskriterien sind beim DSB in einem früheren Beitrag genannt worden (https://www.schachbund.de/news/nominierungskriterien-aufgeweicht-wer-greift-bei-der-jugend-wm-nach-den-sternen.html)
Ich zitiere: „Alle NK 1 und NK 2 Spieler und -Spielerinnen dürfen grundsätzlich als Selbstzahler an der Jugend-WM teilnehmen. Des Weiteren dürfen Spieler unter der Flagge GER antreten, die in den jeweiligen Elo-Ratinglisten ihrer Altersklasse in den Top Ten liegen – als Selbstzahler. Welcher Spieler, welche Spielerin den Freiplatz erhält, entscheidet sich am 2. April anhand der Elo-Zahl.“
Danke! Kriterien waren „aufgeweicht“, da die Deutschen Jugendmeisterschaften erst kurz vor dem Turnier und deutlich nach Meldeschluss für die WM stattfanden. Teilgenommen haben soweit ich es überblicke – abgeglichen mit https://www.schachbund.de/nachwuchs-kader.html :
– 4 von 8 aus dem NK1 männlich (zwei U12 Spieler bleiben außen vor)
– 4 von 8 aus dem NK1 weiblich, sowie Charis Peglau (bereits im Erwachsenenkader, gilt auch für Lisa Sickmann sowie Leonardo Costa, Marius Deuer und Christian Glöckler)
– 4 aus dem NK2 männlich
– 6 aus dem NK2 weiblich
– demnach noch acht, die sich auf top10 ihrer Altersklasse (natürlich in Deutschland) berufen konnten. Und insgesamt 21 von 27 als Selbstzahler(in).
Parallel gab es – gerade erst entdeckt – auch den FIDE World Cadets Cup (U8, U10, U12, jeweils auch weiblich) in Batumi. „Kurzbericht“:
– recht große deutsche Delegation, da 17 Jungens und 5 Mädels. Alle endeten unter „auch dabei“ (ab Platz 34) – gilt auch für die nominell hoch eingeschätzten Aadith Ranganathan (in der U10 an vier gesetzt) und Harshill Pradeep (immerhin nominell Nummer 14 bei der U12), die jeweils dreistellig Elo einbüßten.
– Medaillen vor allem für Asien: China dreimal Gold sowie Silber und Bronze, Indien und Kasachstan jeweils einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze.
– einziger europäischer Weltmeister der Franzose Marc Llari bei der U12.
Leider habe ich Maha Ali trotz ihrer erfreulichen Leistung übersehen – Asche auf mein Haupt!
Ich hatte leider nur auf die TOP 50 der Mädchen-Rangliste geschaut…
Ich spielte selbst vor ein paar Wochen gegen IM Besou auf dem Münchner GM-Turnier, und hatte kein leichtes Leben in dieser Partie! Dass er aber mit 3 aus 3 startet und mit 3 aus 3 endet, und dazwischen unterging, ist irgendwie kurios.
Total kurios ist so ein Ergebnis nicht wirklich: im Schweizer System bekommt man ja nach Siegen tendenziell stärkere, und nach Niederlagen wieder schwächere Gegner – betrifft Elo und auch oder hier vor allem Form im Turnier.
Dabei hatte Hussain Besou auch zuvor zwei- oder dreigeteilte Turniere: beim von Gerald erwähnten Münchner Normturnier 2,5/3, 0,5/3 und wieder 2,5/3, ebenfalls für die Juni-Liste beim Mitropa-Cup 3,5/5 und dann 0,5/4 (bzw. 3/4 und dann 1/5) – jeweils lag es nicht oder nur ein bisschen an unterschiedlich starken Gegnern.
Zu Besou muss man leider sagen, dass er kein großes Talent zu sein scheint. Habe gerade seine Elo-Entwicklung angesehen. Er hat 3 Jahre gebraucht, um von 2350 auf 2400 zu kommen. Drei Jahre in dem Alter, das ist eine Ewigkeit. Ich freue mich natürlich über jeden Nachwuchsspieler, der nach oben kommt, und mich wird er wohl bald überholt haben. Traue ich ihm zu, Großmeister zu werden? Ja. Traue ich ihm zu, über 2600 zu kommen? Eher nein!
Ich denke die Diskussion ist ziemlich überflüssig. Geht man weit genug zurück, da spielten mehr oder weniger alle Topspieler mit. Heute spielt von den Top 40 der Berechtigten fast keiner mit. Entsprechend sind die Ergebnisse und Titel zu bewerten. Ein Grund mag sein, dass die WM dem Geldverdienen dient, im wesentlichen darüber dass die Spieler gezwungen sind in überteuerten Hotels des Origanisators zu logieren. Deshalb hat die FIDE auch nichts gegen eine Maximierung der Teilnehmerzahl.
Die Rechnungen mit den Ratings übersieht, dass es in der Welt eine Reihe regionaler Töpfe oder ELO-Biotope gibt, die nahezu nichts miteinander zu tun haben. Bei den Topspielern spielt es weniger eine Rolle, da diese Spieler viel im Ausland spielen. Das gravierende Beispiel ist Indien, wo Spieler bei gleicher Spielstärke 200 Punkte weniger haben als in Westeuropa. Das in der Bewertung zu berücksichtigen ist aufwändig.
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