11.07.2026

9 Gedanken zu „Jugend-WMs aus globaler und deutscher Sicht

  1. Besten Dank für diesen sehr informativen Bericht!

    Eine kleine Ergänzung zum Abschneiden der deutschen Mädels:

    Nur zwei von ihnen konnten bei der WM einen ELO-Gewinn verbuchen. Außer der bereits lobend erwähnten Alicia Kowalsky gelang dies nur WFM Mara Haug, die allerdings vorher recht viel an ELO verloren hatte. Sie gewann in Montesilvano 25,6 ELO-Punkte hinzu.

    Alle anderen mussten teilweise empfindliche ELO-Verluste hinnehmen, darunter auch die frisch gebackene WFM Tamila Trunz, die damit mit Mutter Elena und Schwester Michelle gleichgezogen hat.

    1. Bei den Mädels hat auch Maha Ali in der U14 53 Elopunkte hinzu bekommen, wie bei Mara Haug nach zuvor recht klarem Abwärtstrend. Dieses Eloplus aus den letzten drei Runden nach zuvor „neutralem“ Ergebnis.
      Was ist mit K-Faktor 40 ein „empfindlicher“ Eloverlust? Ich rechne das immer um nach K-Faktor 10, da mich vor allem die Elo von etablierten männlichen Spielern interessiert, bzw. nach „Ergebnis im Vergleich zur Elo-Erwartung“. Bei den Mädels insgesamt folgendes Bild:
      – drei im Eloplus (+26 bis +82)
      – sechs ganz leicht negativ (-3 bis -12), statistisch neutraler Bereich (bis zu 0,3 Punkte unter der Erwartung)
      – drei mit leichten Verlusten (-18 bis -23), etwa ein halber Punkt unter der Erwartung
      – vier mit deutlichen („empfindlichen“) Verlusten (-45 bis -146).
      Eine Spielerin („bleibt mal anonym“) hat bei diesem Turnier und zuvor bei deutschen Jugendmeisterschaften jeweils dreistellig Elo verloren – nun wohl das offizielle Niveau, das sie zuletzt im Oktober 2023 hatte. Wenn sie sich nicht berappelt, kann (sollte?) das Konsequenzen für zukünftige Kaderförderung haben? Als Jugendleiter musste ich mitunter Spielern bzw. eher den Eltern erklären, dass Kaderförderung (da auf bayerischer Ebene) nicht automatisch verlängert, sondern jährlich evaluiert wird.
      Zu Michelle und Tamila Trunz: kurios, dass sie vor dem Turnier genau dieselbe Elo 2098 hatten. Nun zieht die etwa zwei Jahre ältere Michelle wieder davon: +126 von der DJM U18 gegen Jungens und -7 aus der WM, Tamila +49 von der DJM U16w und -21 aus der WM.

      Bei den Jungens ist es „optisch-numerisch komplizierter“, da sie teilweise K-Faktor 20 haben (sobald man mal 2300 geknackt hat bzw. dann ab dem Kalenderjahr des 19. Geburtstags) oder K-Faktor 10 (mindestens einmal im Schachleben Elo 2400+). Grob gilt da: vier im Eloplus, zwei neutral (Punktlandung für Nechitaylo), fünf im Elosoll.

      Man kann das jeweils auch mit anderen Ländern vergleichen, aber mit welchen – ähnlich große Delegationen, ähnliche Voraussetzungen was auch immer das bedeutet? Die Niederlande (n=2 in der U14, beide im Elosoll) jedenfalls nicht.

  2. @Henning Geibel: Eine Spielerin hast du übersehen – Maha Ali hat in der U14w ebenfalls ihre Elo-Zahl verbessert (+ 53,2).
    @Thomas Richter: Die Nominierungskriterien sind beim DSB in einem früheren Beitrag genannt worden (https://www.schachbund.de/news/nominierungskriterien-aufgeweicht-wer-greift-bei-der-jugend-wm-nach-den-sternen.html)
    Ich zitiere: „Alle NK 1 und NK 2 Spieler und -Spielerinnen dürfen grundsätzlich als Selbstzahler an der Jugend-WM teilnehmen. Des Weiteren dürfen Spieler unter der Flagge GER antreten, die in den jeweiligen Elo-Ratinglisten ihrer Altersklasse in den Top Ten liegen – als Selbstzahler. Welcher Spieler, welche Spielerin den Freiplatz erhält, entscheidet sich am 2. April anhand der Elo-Zahl.“

    1. Danke! Kriterien waren „aufgeweicht“, da die Deutschen Jugendmeisterschaften erst kurz vor dem Turnier und deutlich nach Meldeschluss für die WM stattfanden. Teilgenommen haben soweit ich es überblicke – abgeglichen mit https://www.schachbund.de/nachwuchs-kader.html :
      – 4 von 8 aus dem NK1 männlich (zwei U12 Spieler bleiben außen vor)
      – 4 von 8 aus dem NK1 weiblich, sowie Charis Peglau (bereits im Erwachsenenkader, gilt auch für Lisa Sickmann sowie Leonardo Costa, Marius Deuer und Christian Glöckler)
      – 4 aus dem NK2 männlich
      – 6 aus dem NK2 weiblich
      – demnach noch acht, die sich auf top10 ihrer Altersklasse (natürlich in Deutschland) berufen konnten. Und insgesamt 21 von 27 als Selbstzahler(in).

      Parallel gab es – gerade erst entdeckt – auch den FIDE World Cadets Cup (U8, U10, U12, jeweils auch weiblich) in Batumi. „Kurzbericht“:
      – recht große deutsche Delegation, da 17 Jungens und 5 Mädels. Alle endeten unter „auch dabei“ (ab Platz 34) – gilt auch für die nominell hoch eingeschätzten Aadith Ranganathan (in der U10 an vier gesetzt) und Harshill Pradeep (immerhin nominell Nummer 14 bei der U12), die jeweils dreistellig Elo einbüßten.
      – Medaillen vor allem für Asien: China dreimal Gold sowie Silber und Bronze, Indien und Kasachstan jeweils einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze.
      – einziger europäischer Weltmeister der Franzose Marc Llari bei der U12.

    2. Leider habe ich Maha Ali trotz ihrer erfreulichen Leistung übersehen – Asche auf mein Haupt!

      Ich hatte leider nur auf die TOP 50 der Mädchen-Rangliste geschaut…

  3. Ich spielte selbst vor ein paar Wochen gegen IM Besou auf dem Münchner GM-Turnier, und hatte kein leichtes Leben in dieser Partie! Dass er aber mit 3 aus 3 startet und mit 3 aus 3 endet, und dazwischen unterging, ist irgendwie kurios.

    1. Total kurios ist so ein Ergebnis nicht wirklich: im Schweizer System bekommt man ja nach Siegen tendenziell stärkere, und nach Niederlagen wieder schwächere Gegner – betrifft Elo und auch oder hier vor allem Form im Turnier.
      Dabei hatte Hussain Besou auch zuvor zwei- oder dreigeteilte Turniere: beim von Gerald erwähnten Münchner Normturnier 2,5/3, 0,5/3 und wieder 2,5/3, ebenfalls für die Juni-Liste beim Mitropa-Cup 3,5/5 und dann 0,5/4 (bzw. 3/4 und dann 1/5) – jeweils lag es nicht oder nur ein bisschen an unterschiedlich starken Gegnern.

      1. Zu Besou muss man leider sagen, dass er kein großes Talent zu sein scheint. Habe gerade seine Elo-Entwicklung angesehen. Er hat 3 Jahre gebraucht, um von 2350 auf 2400 zu kommen. Drei Jahre in dem Alter, das ist eine Ewigkeit. Ich freue mich natürlich über jeden Nachwuchsspieler, der nach oben kommt, und mich wird er wohl bald überholt haben. Traue ich ihm zu, Großmeister zu werden? Ja. Traue ich ihm zu, über 2600 zu kommen? Eher nein!

  4. Ich denke die Diskussion ist ziemlich überflüssig. Geht man weit genug zurück, da spielten mehr oder weniger alle Topspieler mit. Heute spielt von den Top 40 der Berechtigten fast keiner mit. Entsprechend sind die Ergebnisse und Titel zu bewerten. Ein Grund mag sein, dass die WM dem Geldverdienen dient, im wesentlichen darüber dass die Spieler gezwungen sind in überteuerten Hotels des Origanisators zu logieren. Deshalb hat die FIDE auch nichts gegen eine Maximierung der Teilnehmerzahl.
    Die Rechnungen mit den Ratings übersieht, dass es in der Welt eine Reihe regionaler Töpfe oder ELO-Biotope gibt, die nahezu nichts miteinander zu tun haben. Bei den Topspielern spielt es weniger eine Rolle, da diese Spieler viel im Ausland spielen. Das gravierende Beispiel ist Indien, wo Spieler bei gleicher Spielstärke 200 Punkte weniger haben als in Westeuropa. Das in der Bewertung zu berücksichtigen ist aufwändig.
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