DSB Wertungsportal. Quelle: Homepage DSB
Pressemeldung des Deutschen Schachbunds vom 1. Juni 2026
In nicht einmal zwei Monaten soll das neue Wertungsportal des DSB in Betrieb gehen und das alte Berechnungstool DeWIS ablösen. Zum ersten Mal in der Geschichte der DWZ sollen externe Turniersoftware-Anbieter direkt Zugriff auf die Schnittstelle eines DWZ-Systems bekommen. Bisher konnte eine Schnittstelle nur von der DSB-Website genutzt werden und externe Dienstleister waren auf die Zurverfügungstellung von Downloads in verschiedenen Formaten angewiesen. Neben der Anhebung der DWZ für einen Großteil der Spieler bringt das neue Wertungsportal auch Änderungen für Turnierveranstalter.
René Plötz, Landesspielleiter im Schachverband Sachsen, hat die wichtigsten Neuerungen nachfolgend zusammengefasst. (fb)
Liebe Schachfreunde,
die Einführung des neuen Wertungsportals für die DWZ des Deutschen Schachbundes steht kurz bevor. Ich möchte euch einen Überblick über die zeitliche Planung und die Auswirkungen auf die verschiedenen Personenkreise geben, um Missverständnisse und Unsicherheiten zu minimieren.
Zeitplan
Das neue Wertungsportal wird ab dem 22.07.2026 für alle DWZ-Turniere genutzt. Da die Umstellung mit der Übertragung der Daten vom alten System verbunden ist, gibt es eine Übergangszeit vom 07.06.2026 bis zum 22.07.2026.
In dieser Übergangszeit werden Turniere, die bis zum 07.06.2026 abgeschlossen sind, noch mit dem alten System ausgewertet, vorausgesetzt, sie werden bis zum 01.07.2026 beim zuständigen DWZ-Bearbeiter eingereicht und verarbeitet. Turniere, die nach dem 07.06.2026 beendet werden, können ebenfalls eingereicht werden; jedoch erfolgt die Veröffentlichung der berechneten Wertungszahlen erst am 22.07.2026 im neuen System. Die DWZ-Werte auf der DSB-Homepage stammen bis zum 21.07.2026 aus dem alten System und ab dem 22.07.2026 aus dem neuen Wertungsportal.
Anpassung der DWZ
Mit der Umstellung wird auch eine Anpassung der DWZ vorgenommen. Dies geschieht aufgrund der Elo-Anpassung vor etwa zwei Jahren, die DWZ und Elo voneinander entfernt hat. Zudem sind neue Einstiegswerte für Spieler unter 18 Jahren vorgesehen.
Bedeutung für Spieler, Schiedsrichter und Turnierleiter
- Für Spieler: Zwischen dem 07.06.2026 und dem 22.07.2026 erhaltet ihr keine Aktualisierung eurer DWZ. Eure Leistungen gehen jedoch nicht verloren und werden nach dem 22.07.2026 veröffentlicht. Bis dahin werden eure DWZ-Werte mit Stichtag 08.06.2026 erhöht, sodass ihr vom 08.06. bis 22.07.2026 mit der neuen Wertzahl spielt, auch wenn diese in den Turnierverwaltungsprogrammen nicht sichtbar ist. Daher sind etwaige DWZ-Berechnungen dieser Programme als inkorrekt anzusehen.
Die DWZ-Erhöhung orientiert sich an der Elo-Anpassung und folgt im Wesentlichen diesen Formeln:
- Bei einer alten DWZ < 1000: DWZ-Neu = DWZ-Alt + 400
- Bei einer alten DWZ > 1000: DWZ-Neu = 0,64 * DWZ-Alt + 760
Die neue DWZ wird nur dann umgerechnet, wenn der Wert größer ist als der Wert der alten DWZ. Für Spieler mit einer DWZ > 2110 erfolgt keine Anpassung.
Für Schiedsrichter und Turnierleiter
Durch die Umstellung des Wertungsportals ändert sich insbesondere die Art der Kommunikation mit den jeweiligen DWZ-Bearbeitern. Im Rahmen dieser Umstellung wird ein neues Format für die DWZ-Auswertung eingeführt. Die Anbieter der großen Software-Produkte zur DWZ-Auswertung (wie Swiss Chess, Swiss-Manager, ChessManager usw.) sind bereits über das neue System informiert, und es ist geplant, dass sie ihre Software zeitnah anpassen.
Da jedoch zu erwarten ist, dass die Umstellungen nicht gleichzeitig erfolgen, wird es eine Übergangslösung geben:
- Einreichungen für Turniere, die nach dem 07.06.2026 beendet werden, müssen im FIDE-Format (TRF) erfolgen.
- Im Swiss-Chess-Programm ist dazu das Format “FIDE (Weltschachverband, *.FID)” auszuwählen. Eine Auswertung im Swiss-Chess SWI-Format ist nicht mehr möglich.
Eine bebilderte Anleitung zur Übergangslösung für Swiss-Chess findet ihr hier.
Wann und unter welchen Umständen ein Programm auf das neue endgültige Format umgestellt wird, liegt im Ermessen der jeweiligen Hersteller. Ich möchte euch eindringlich bitten, von Anfragen an die Hersteller abzusehen, um deren personelle Ressourcen nicht durch eine Vielzahl ähnlicher Nachfragen zu überlasten.
Wir rechnen damit, dass die Umstellung einige Zeit in Anspruch nehmen wird; während dieser Zeit kann die Übergangslösung genutzt werden.
Auswirkungen auf die Gruppenbildung
Die Anpassung der DWZ hat auch Auswirkungen auf die Gruppenbildung, die auf der DWZ basiert. Da die Anpassung zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem keine aktuellen Zahlen sichtbar sein werden, liegen bereits Empfehlungen seitens der Wertungskommission des Deutschen Schachbundes vor. Auch für die DSAM wird es in diesem Zeitraum Übergangslösungen geben.
Wichtiger Hinweis
Die Umstellung eines jahrzehntealten Systems innerhalb kurzer Zeit birgt grundsätzlich Risiken. Es ist nicht ausgeschlossen, dass gerade in der Anfangsphase Probleme auftreten werden, obwohl die Projektverantwortlichen alles daransetzen, einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Ich bitte euch um Verständnis, falls zu Beginn nicht alles so funktioniert, wie ihr es erwartet. Konstruktive Kritik ist in dieser Phase besonders wertvoll. Das Team, das an der Umstellung des Wertungsportales arbeitet, tut dies freiwillig und unentgeltlich in seiner Freizeit.
René Plötz
Es ist faszinierend dass auf den Seiten des DSB von dem Theater null Informationen veröffentlicht sind. Man mauschelt im Kleinen, da man Angst hat in der Luft zerissen zu werden. Halbwegs professionell wäre es die Umstellung zu automatisieren, gründlich zu testen und dann in einer Nacht durchzuziehen. Aber man plant den eigenen Dilletantismus schon ein. Stattdessen eine Auszeit der DWZ von knapp zwei Monaten! Und ich denke ich weiß was nach der Zeit passieren wird.
Es wird das Gleiche wie bei der ELO passieren. Spieler, die viel spielen, werden ihren Bonus schnell nach oben abgeben. Und dann weiß man nicht. Spielt man gegen einen 1700er, der seine Punkte schon abgegeben hat und einem von heute entspricht oder gegen einen auf 1700 hochgehobenen 1500er. Da dies 25% Erwartung ausmacht, heißt dies in diesem Bereich sind DWZ Zahlen Zufallszahlen und haben nichts mit Spielstärke zu tun.
Diese „Pressemeldung“ bzw. dieser Artikel wurde ja im Original beim Schachbund veröffentlicht – https://www.schachbund.de/news/informationen-zur-einfuehrung-des-wertungsportals-und-der-anpassung-der-dwz.html ist derzeit auf Platz 3 auf der Startseite.
FIDE hatte Elozahlen für die 3/2024 Liste „sofort“ angepasst. Dass es beim Schachbund für DWZ länger dauert liegt wohl an gleichzeitiger Einführung einer neuen Software, die auch für DWZ-Auswerter (es gibt ja deutschlandweit viele) gewöhnungsbedürftig ist. Man könnte diese vielleicht erst ausgiebig testen und dann „in einer Nacht“ einführen, das geschieht eben nicht.
Zum Kernpunkt „Es wird das Gleiche wie bei der ELO passieren.“ Ist das tatsächlich passiert. ist diese These „datenbasiert“? Ich habe mir das mal grob im Bereich Elo 1500-1900 für Spieler meines aktuellen und vor allem (größere Datenbasis) meines vorigen Vereins angeschaut – nicht zwingend repräsentativ, statistisch und/oder graphisch aufbereiten würde zu weit führen. Jedenfalls:
– Vielspieler, die ihren Elo-Bonus schnell wieder nahezu abgegeben haben, gibt es – aber eher vereinzelt. Das sind vor allem über 80-jährige, die wohl dem Alter Tribut zollen mussten. Auch in Seniorenturnieren bekommen sie ja etwas jüngere und/oder gesundheitlich fittere Gegner, erst recht wenn sie auch noch „normale Turniere“ spielen.
– Am häufigsten vorkommend: neue Elozahl etwa bestätigen.
– Auch vorkommend: es geht weiter aufwärts – das sind dann vor allem junge Spieler.
– Auch vorkommend: vor und nach der Umstellung jahrelang Elo-inaktiv. Mit oder ohne Umstellung weiß man da nicht, wie aussagekräftig ihre Zahl ist. Es kann eine veraltete „Zufallszahl“ sein, oder sie „stimmt noch“. Am ehesten weiß man das bei Elo-inaktiven aber weiterhin DWZ-aktiven Spielern (nur noch Mannschaftskämpfe in nicht Elo-ausgewerteten Ligen).
– in diesem Datensatz nicht vorkommend: bis März 2024 ziemlich aktiv und danach nicht mehr. Das mag es auch geben, es kann zeitlicher Zufall sein oder „neue Elozahl unbedingt behalten wollen“. Als Gegner weiß man das ja eventuell vor der Partie (wenn man sich vorbereiten will und kann oder eher nicht) bzw. sonst im Nachgang.
„Bonus nach oben abgeben“ kann dabei nur substantiell der Fall sein, wenn man häufig auf nominell stärkere Gegner trifft – passiert im Schweizer System (außer in der ersten Runde) vor allem dann, wenn man zuvor relativ erfolgreich war. Es war dabei auch „Sinn der Sache“. Grund für Elo-Anpassung im unteren Bereich des Spektrums war ja, dass Ergebnisse von 2000ern gegen 1700er zuvor insgesamt nicht zur statistischen Erwartung passten. Das hat sich wohl grob bestätigt und ist nun nicht mehr der Fall, jedenfalls auf Basis meines recht kleinen Datensatzes (insgesamt vielleicht 20 Spieler).
Wichtig wäre für die Ehrenamtlichen in den Vereinen dass es funktioniert und ebenso schnell erreichbar ist wie das bisherige DeWIS. Ob das nun 1-2 Tage dauert oder sich etwas länger über den Sommer hinzieht ist m. E. zweitrangig. Aber es lässt tief blicken. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen bei der Beauftragung nicht die gleichen Fehler, wie beim seinerzeit bestellten Ergebnisdienst SCHACH.liga.nu gemacht haben. Damit können bspw. Spielgemeinschaften für ein Seniorenturnier bis heute nämlich nicht abgebildet werden.
Am ersten gibt es eine Pressemitteilung, dass ab dem sechsten die DWZ nicht mehr zur Verfügung steht, in Württemberg am vierten weiter gegeben.
Guter Glaube und ein Datensatz von 20 Spielern genügen leider nicht. Da die Berechnung der Zahlen sich nicht geändert hat, genauer die Erwartungswerte, wird sich auch nichts an der Verteilung der Punkte ändern. 1500 ist so der Median und diese Spieler bekommen 200 Punkte. Dies heißt, dass pro Spieler gut 100 Punkte verschenkt werden. Die werden direkt oder indirekt oben ankommen und ein 2300 Spieler wird ein 2400 Spieler. So gut das alternden Großmeistern tut, die das Spielen nicht lassen können. Wenn etwas falsch ist hilft es nicht wenn man irgendwo Punkte reinschüttet. Bei der FIDE wird es nicht mehr lange dauern bis man den IM-Titel bekommt wenn man lange von kurzer Rochade unterscheiden kann. Gut für die Finanzen allemal.
Was hier passiert ist wie wenn man feststellt, dass sich der Meerespiegel erhöht aus dem Hafenbecken ein paar Hektoliter abzupumpen in der Hoffnung das löse das Problem.
Wenn der Heini von der FIDE genauer hingeschaut hätte, hätte er festgestellt, dass es kein vertikales sondern ein horizentales Problem gibt. Spieler z.B. aus Indien mit keinem Kontakt nach außen haben durchaus eine Spielstärke 200 Punkte über ihrer Zahl.
Übergangszeit vom 07.06.2026 bis zum 22.07.2026 – das sind 6 Wochen, also schon ziemlich happig! Und auch die DWZ-Geschenke finde ich ziemlich hoch, oder genauer: zu hoch. Und wie bei der FIDE gehen die Schachspieler mit höherer Zahl erst mal leer aus. In Suumme macht einen diese Umstellung und Reform nicht ganz glücklich
Natürlich wären 100, 1000 oder 10000 Spieler besser als ca. 20 – das müsste dann automatisiert mit irgendwelchen Skripten erfolgen. Eventuell könnte man dann (auch mit Hilfe von KI?) auch regionale Unterschiede herauskitzeln. Die gab es vor Jahrzehnten auch in (West-)Deutschland: Ingo war, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, in Rheinland-Pfalz systematisch höher als in Hessen – getrennte Ligen und offenbar zu wenig „Durchmischung“ in Turnieren. Individuelle Folgen hatte es dann, wenn ein Spieler z.B. aus Mainz nach Wiesbaden wechselte oder umgekehrt. Das wird auch nach wie vor auf https://de.wikipedia.org/wiki/Ingo-Zahl#DWZ angedeutet: bei späterer Umrechnung von Ingo auf DWZ „wurden von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Normierungsfaktoren verwendet“.
Aber es ist jedenfalls besser als unbelegte Behauptungen oder Vermutungen, nun auch „ein 2300 Spieler wird ein 2400 Spieler“. Anpassung der FIDE-Elo ist zwei Jahre her, das sollte also für deutsche Spieler mittlerweile der Fall sein. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fand ich da Christian Glöckler (*2011), Bennet Hagner (*2008) und Mykola Korchynskyi (*2010) – für alle drei ging es zunächst etwas abwärts und dann aufwärts. Das (jedenfalls letzteres) wäre wohl ohnehin der Fall gewesen, so ging es vielleicht ein kleines bisschen schneller. „Alternde Großmeister, die das Spielen nicht lassen können“ (warum sollten sie?) – diejenigen in der deutschen top100 stagnierten seit März 2024 tendenziell oder es ging abwärts. Es gibt auch weiterhin aktive alternde GMs (in Deutschland und anderswo) mit damals und nun Elo unter 2400.
In etwas tieferen Regionen fand ich „nicht ganz zufällig“ einen „alternden FM, der das Spielen nicht lassen kann“. Er hatte sich von 2108 im März 2024 auf 2189 im Mai 2025 verbessert, nun nach einigen schlechten Monaten wieder 2125. Dabei hatte er in Turnieren und Mannschaftskämpfen relativ viele Gegner mit Elo unter 2000, die zuvor womöglich einen Bonus erhalten hatten und diesen dann weiterreichten – oder sie hatten bei anderen Turnieren 1700er und profitierten von deren Bonus. „Profitieren“ kann auch bedeuten: weniger Eloverlust bei Remis oder Niederlage. Da könnte man durchrechnen, wie sich die Elo des FM ohne vorige Anpassung der FIDE-Elo für andere entwickelt hätte – das wäre aber kompliziert: „unkorrigierte Elo“ für seine Gegner und auch für deren Gegner bei anderen Turnieren.
Allgemeiner: Grund für Anpassung der FIDE-Elo war, dass die „Erwartungswerte“ im Bereich Elo unter 2000 nach ihrer datenbasierten(!) Einschätzung nicht mehr zu den Ergebnissen gegen nominell stärkere Spieler passten. Deshalb einmalige Anpassung der Elozahlen (Komprimierung im Bereich <2000). Erwartungswerte anpassen war eventuell die andere Option, wäre aber verwirrend gewesen - unterschiedlich für verschiedene Elobereiche, und dann vorübergehend (wie lange?) bis sich die Situation generell normalisiert?
Anpassung der DWZ erfolgt nun wohl auch (oder vor allem?) damit Elo und DWZ wieder vergleichbar wird. Es ist ja Grundlage für Auslosung im Schweizer System, in Turnieren gibt es Elo-lose Spieler mit DWZ (erstes FIDE-gewertetes Turnier) und DWZ-lose Spieler mit Elo (vor allem Ausländer, eventuell auch aktuell vereinslose Deutsche). Daher sollten beide Zahlen "so vergleichbar wie möglich" sein.
Sinn, Zweck und Notwendigkeit der FIDE-Reform kann man hinterfragen, dass der Schachbund nun für DWZ nachzieht ist logisch - da kann man am ehesten hinterfragen, warum es zwei Jahre gedauert hat. Man muss über die DWZ-Reform nicht "ganz glücklich" sein. Wann wäre das der Fall, welche DWZ-Geschenke in welchem Bereich des Spektrums wären "perfekt"? Und selbst wenn man "total unglücklich" ist muss man diese Reform akzeptieren - oder in ein Land auswandern, in dem einem das dortige System besser gefällt?