08.05.2026

6 Gedanken zu „Rubrik Geschichte – 1987: Skandal in der Regionalliga OWL?

  1. In der obersten tschechischen Schachliga gibt es eine 3-Punkte-Regel. Endet ein Kampf 4:4, bekommt jedes Team einen Punkt. Siegt ein Team (4,5 oder mehr Punkte), bekommt es drei Punkte und das Gegnerteam null Punkte. Grund dafür war, dass vor einigen Jahren 4:4-Absprachen häufig geworden waren.

    1. In unterklassigen französischen Ligen gibt es eine andere Dreipunkteregel: 0 Punkte für nicht antreten, 1 Punkt für Niederlage am Brett, 2 für Mannschaftsremis und 3 für Sieg (am Brett oder kampflos). Da gab es wohl zuvor zu viele Fälle von kampflosen Siegen.
      In der tschechischen Liga gilt das wohl egal wie ein 4-4 zustande kam. Es kann ja auch ausgekämpft sein und eine oder beide Mannschaften wollten mehr. Diese Fälle von 4-4 hatte mein Verein diese Saison zweimal – jeweils 3 Siege, 3 Niederlagen und nur zwei Remisen. Meine zweite Mannschaft führte zuvor 4-2 bevor wir (ich und ein Teamkollege) Remisendspiele vergeigten – keinesfalls absichtlich. Bei der ersten Mannschaft hatte ich, zurück vom eigenen Auswärtsspiel, nur das Ende mitbekommen (Stand als ich kam 2,5-3,5 und zwei Endspiele liefen noch) – zuvor war offenbar 4,5-3,5 oder 3,5-4,5 oder auch noch andere Ergebnisse denkbar.

  2. Was damals wirklich passierte weiß Markus Schirmbeck wohl nicht, ohne sein genaues Alter zu verraten kann man sagen dass er „da noch sehr jung“ war. Womöglich weiß es der nun hochbetagte und immer noch für SK Minden aktive Dr. Kaufhold.
    _Wenn_ es doch „geschoben“ war reichte es, das hinterher anders darzustellen. Dabei waren geschobene Ergebnisse „im letzten Jahrtausend“ durchaus üblich und wurden generell akzeptiert. Drei Anekdoten aus meiner Zeit in Schleswig-Holstein in den 90er Jahren:
    1) Bei einem Mannschafts-Schnellturnier einigten sich zwei Teams am Spitzentisch der letzten Runde auf 2-2 – aber so, dass Spieler beider Teams auch Brettpreise bekamen. Das wurde mit „Freund und Feind“ in Hörweite fröhlich live kommentiert, etwa so: „Peter hat erwartungsgemäß gewonnen, Klaus wird verlieren – in einem Remisendspiel muss er wohl eine Figur einstellen oder die Bedenkzeit überschreiten.“
    2) In der letzten Runde gewann ich bei einem Blitzturnier gegen einen Vereinskollegen – er war zwar etwa 300 DWZ-Punkte besser aber ich war generell für ihn ein Angstgegner. Er beschwerte sich bitter, dass er dadurch kein Preisgeld bekam. Ich meinte nur „hättest Du vor der Partie was gesagt ….“, auch direkt betroffene Zuhörer nickten nur zustimmend.
    3) Beim nächsten Blitzturnier für mich umgekehrte Rolle, letzte Runde gegen einen generell etwa gleichwertigen Spieler – anderer Verein aber auch Stammgast bei unserem Vereinsabend. Vor der Partie sagte ich „ich brauch den Punkt! (für Preisgeld)“. Er stand auf, schaute sich die Tabelle an (selbst war er irgendwo im Mittelfeld), kam zurück ans Brett und meinte „lass uns spielen“. Wie immer wurde es eine wilde Partie, irgendwann übersah er eine Springergabel – bis heute weiß ich nicht ob das Absicht war.

    1. „Geld verdirbt den Charakter“, soweit überhaupt vorhanden, möchte ich ergänzen.
      Nein, Herr Richter, derartige Schiebereien waren nie „generell akzeptiert“. Schade, dass den seinerzeit Beteiligten anscheinend jedes Unrechtsbewusstsein fehlte.

  3. Jetzt habe ich nachgeschaut. Pikant war die Sache, dass einer der anderen Abstiegskandidaten Bünde II war, der Klub, zu dem auch Spielleiter Schieffer gehörte. Halle-Minden war in der vorletzten Runde. Absteiger wurden am Ende abgeschlagen Paderborn und Halle(!) (es gab vier Klubs mit 7:11 Punkten, darunter Halle, Minden, Bünde II und Lemgo). Eigentlich hatte von den Vieren Halle die zweitbeste Brettpunktzahl. Da muss es wohl Stichkämpfe oder irgendwelche Sonderregeln gegeben haben.

    1. Stand nach der April-Runde:
      Halle 7:9 (fast gerettet)
      Minden 7:9 (fast gerettet)
      Bünde II 5:11
      Lemgo 5:11
      Paderborn 1:15 (schon Abstieger)

      Ergebnisse der Runde am 3. Mai 1987 (Auswahl):
      Bünde II – Ennigerloh-Oelde 5 : 3
      Lemgo – Paderborn 5 : 3
      Minden – Detmold 2,5 : 5,5
      Lippstadt – Halle 6:2

      Also aus Sicht von Halle ein Katastrophen-Finale.

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