19.01.2026

4 Gedanken zu “Schachtraining – die Rolle des Trainers

  1. Ich kenne viele Autodidakten, die nie einen richtigen Trainer hatten, und trotzdem Höchstleistungen im Schach erzielten: GM Kindermann, GM Bischoff, GM Hickl, GM Hertneck, wohl auch GM Schlosser. Gut vor 40 bis 50 Jahren, das waren andere Zeiten. Man bildete sich eben selbst fort!

  2. Autodidakt war ich auch, wennauch kein GM zum Schluss, ds hatte andere Gründe.
    Ich kann mich erinnnern, wie zweimal in meiner Schachentwicklung ein Groschen fiel, buchstäblich. Jedes Mal machte ich da einen Schritt.
    Es wird wohl so sein, dass ein geeigneter Trainer mehr solcher Steps auslösen kann. Und auch früher.

  3. Es scheint eine zu beengte Sicht auf den Begriff „Schachtrainer“ zu geben, die nur Lektionen oder Sitzungen mit einem Trainer umfasst. Viele Schachfreunde glauben, ganz ohne Trainer eine gewisse Spielstärke erreicht zu haben. Aber ich kennen nur „Einen“, der das wirklich von sich behaupten kann, und das ist AlphaZero, das Künstliche Intelligenz (KI) anwendet und selbstlernend ist. Durch Spielen von 800.000 Partien gegen sich selbst erlernte es Schach und steigerte sich dabei in wenigen Stunden auf eine bis dahin unerreichte Spielstärke. Menschen dagegen verbessern sich nur wirklich durch Feedback aus dem Umfeld, das auch eine Art von Trainer sein kann. Nehmen wir ein Beispiel auf höchster Ebene, und zwar den sagenhaften Bobby Fischer (*1943).
    Er hatte nur als kindlicher Anfänger einiges Training vom Vereinsvorsitzenden Carmine Nigro. Ab 1956 besuchte er den privaten Klub von Jack Collins. Hier traf er regelmäßig auf einige der besten Spieler der USA, so Donald und Robert Byrne, Irvin Chernev, William Lombardy (Jugendweltmeister 1957 mit 11 aus 11) und vielen anderen starken Spielern. Dies und die Möglichkeit, die riesige Schachbibliothek seines Mentors Collins zu nutzen, brachte ihn schnell vorwärts auf dem Weg zum jüngsten Großmeister aller Zeiten im Alter von 15 Jahren. Bobby hatte nach der frühen Kindheit nie einen „richtigen“ Trainer, der ihm Lektionen gab o. dgl., sondern ein Umfeld, dass ihn anregte und unterstützte, Total Immersion und Material in Form der Bücher. Das ersetzte ihm einen Trainer, heißt aber nicht, dass er nie „Trainerleistungen“ erhalten hat.
    Solche „Trainer“ findet man auf allen Ebenen. Ein mitleidiger Schachfreund, der einem jungen Novizen etwas erklärt, Hinweise nach Partien, Zuschauen und später mitmachen bei Analysen der stärkeren Spieler, einen Ratschlag, Buch- oder Trainingsempfehlung usw. Ein guter Verein ist in formloser Weise auch ein guter Trainer.
    Ein Schachfreund denkt, man brauche keinen Trainer, sondern könne mit Puzzles und Videos im Internet darauf verzichten. Aber auch das sind Trainerleistungen, denn die muss ja jemand zusammengestellt / gemacht haben, eine Art „geronnene Trainerleistung“.
    Ein Punkt, der gerne übersehen wird, ist die Entwicklung des Schachs in den letzten 40-50 Jahren. Mehr und bessere Bücher, Chessbase (ab 1987, unter WINDOWS ab 1994), Engines … Schach ist komplexer geworden, das Niveau ist gewaltig gestiegen, selbst schwache Spieler sind schwerer zu schlagen, da sie sich hinter angelernten Eröffnungen verschanzen, weniger grobe Fehler machen und durch Online Spielen mehr Praxis haben. Dr. Reefschlägers Spott „Vielleicht finden wir ja in einigen Jahren Chessbase in der Kreisklasse“ ist mehr als Realität geworden.
    Zwar steht dem Autodidakten eine Unmenge an Material zur Verfügung, doch ist es schwer, das richtige auszuwählen und den besten Weg aufwärts zu finden und, ohne zumindest Feedback durch andere Spieler geht nicht viel. Wieviel hat jeder, der glaubt, nie einen Trainer gehabt zu haben, davon erfahren?
    Wohl kaum jemand, der heutzutage Großmeister wird, hat dies ohne Hilfe eines Trainers erreicht.

    1. Man mag darüber spekulieren, ob ein Vereinsspieler der einem Anfänger Schach beibringt, ein Trainer ist, oder nur ein barmherziger Schachfreund. Ein Trainer sollte eigentlich immer jemand sein, der gezielt trainiert, wo schon die Basis beim Empfänger vorhanden ist. Ansonsten ist er nur ein Unterrichter. Jedenfalls von einer höheren Warte aus gesehen.

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