11.07.2026

11 Gedanken zu „Unterwasserschach – ein Exportschlager – wollt ihr es auch einmal ausprobieren?

  1. An dieser Stelle sollte einmal deutlich betont werden, was das für ein Quatsch ist. Im Schach geht es darum, unter Turnierbedingungen den besten Zug zu finden, so wird Schach seit Jahrhunderten gespielt. Züge unter Wasser und mit Taucherbrille zu spielen, verbessern die Qualität des Schachs nicht, so wird es einfach nur zum billigen Spektakel herabgewürdigt.
    Im Bericht steht: Unterwasserschach spricht sich schnell herum und erfreut sich großer Beliebtheit. Ob als pädagogisches Highlight, als besonderes Erlebnis oder einfach als Spaßfaktor.
    Ich weiß nicht, was daran pädagogisch sein soll, aber mag sein, dass es einen gewissen Spaßfaktor hat.

    1. Bullet- und Blitzschach dürften dann ebenfalls infrage gestellt werden.
      Ganz klar und unbestritten bleibt: Lange Partien bieten eine viel größere Tiefe im Denken.
      Es schadet meiner Meinung nach nicht, wenn wir dem klassischen Format weitere Schachformate an die Seite stellen. Im besten Fall steigert das die Aufmerksamkeit für das Spiel und den Wunsch, die Spielqualität zu verbessern. Das gelingt selbstverständlich nur durch solides Endspiel-, Taktik- und Eröffnungstraining.
      Und das findet dann auch nicht mehr unter dem Wasser statt 😉.
      Ein Format schließt die anderen also nicht aus.
      Ich möchte sogar behaupten, dass Kurzpartien eine eigene Dynamik in der Taktik haben. Gute Spieler haben auch hier ihren Vorteil, müssen allerdings unter Zeitdruck gute Entscheidungen treffen – was ein Abwägen zwischen schnellem Ziehen und sinnvollen Zügen erfordert.

    2. 🤔…noch ein Nachtrag zur Pädagogik: Ich bin Schwimmlehrer und habe beobachten können, dass Kinder in ihrem Tauchverhalten beim Unterwasserschachspielen große Fortschritte machen.
      Ein Kind, das sich am Anfang noch mit einer Hand seine Nase beim Tauchen zuhält ist einige Tauchzüge weiter, konzentriert unter Wasser, hält den Atem lange an, der Blick auf das Brett gerichtet, eine Hand an der Hantel, die andere macht den Zug.
      Das bekomme ich ohne Unterwasserschach nicht so schnell vermittelt.
      …es gibt nicht nur Schachpädagogik, hier geht es auch die Attraktion des Tauchens zu steigern.
      Spaß und die Attraktion ist hier essenziell.

      1. Hallo Holger, aha, jetzt kommt es raus: der „Erfinder“ des Unterwasserschachs ist Schwimmlehrer, so ein Zufall aber auch! Ich weiß, dass ich gestern einen etwas provokanten Kommentar abgesetzt habe, und zwar auch ganz bewusst, weil es mich zunehmend nervt, dass Schach zum Spaßfaktor oder zum reinen Show-Wettkampf degradiert wird. Ich schreibe absichtlich degradiert, also herabgestuft, weil ich es so empfinde. Ein anderes „Lieblingsthema“ von mir in dem Zusammenhang ist „Schachboxen“. Beide Sportarten haben aus meiner Sicht überhaupt nichts miteinander zu tun, und es würde mich nicht wundern, wenn hier der Initiator Boxpromoter wäre. Da wird einfach so getan, als ob es eine Riesensache ist, wenn zwei Dinge verknüpft werden, die nicht zusammengehören. Was mich dann noch mehr stört, wenn über das Ganze völlig kritiklos in der Presse berichtet wird. Als nächstes schlage ich eine neue Sportvariante „Käfigschach“ vor, in dem ein Mensch im Käfig ein Schachmatch gegen einen Schimpansen austrägt. Wird sicher auch wieder unkritisch bejubelt werden, vor allem von Walter Rädler, der jede neue Attraktion von vornherein erst mal gut findet!

        Zu Recht schreibst du „Spaß und die Attraktion ist (sind) hier essenziell.“ Ja das ist mir schon klar, dass sich einige Kinder für so etwas begeistern lassen. Und es gibt ja auch lustige Bilder dazu. Und natürlich ist es eine doppelte Herausforderung, die erst mal gemeistert werden muss. Ich möchte nicht behaupten, dass das eine spaßfreie Angelegenheit ist. Um es auf den Punkt zu bringen: es ist ein Spektakel, so wie im Zirkus, und hat daher seinen eigenen Reiz.

        Du schreibst weiter: Bullet- und Blitzschach dürften dann ebenfalls infrage gestellt werden. Bei Bulletschach gehe ich konform, ich finde diese Variante völlig idiotisch, und spiele sie nie, weil es eine Art von Perversion ist (wer hebt wen über die Zeit?), aber bei Blitzschach muss ich entschieden widersprechen. Ich habe in den letzten 10 Jahren Tausende von Partien auf Lichess und ICC geblitzt, und zwar auf sehr hohem Niveau (um die 2600), gilt für mich und meine Gegner. Und da man ja mit Zeitzugabe spielt (3+2), verliert man auch selten auf Zeit. Blitzen ist für mich wirklich pädagogisch (trotz des berühmten Fischer-Zitats, das aber aus einer ganz anderen Zeit stammt), weil man lernt, in sehr kurzer Zeit gute Entscheidungen zu treffen. Und es geht noch weiter: neulich hatte ich eine Blitzpartie, in der ich mit Weiß ganz schlecht aus der Eröffnung kam. Ich habe die Stellung dann einen Tag später eine Stunde lang analysiert, bis ich die Stellung (die sehr ungewöhnlich war) endlich verstanden hatte.

        Wenn wir schon über Schachvarianten diskutieren, möchte ich noch kurz ausführen, wie meine Meinung zu Schach 960 oder Freestyle ist, das ja zunehmend in Mode kommt. Tatsächlich ist es so, dass ich inzwischen auf Lichess mehr im Schach 960 unterwegs bin als im klassischen Schach (aktuell auf meinem Geheimaccount 947 Partien zu 915 Partien, also etwa gleichauf). Also ich sage mal so; ich blitze beides mit hohem Genuss, und tatsächlich verhält es sich hier so, dass durch das „Shuffling“ dem Schach nichts von seinem Wesenskern genommen wird, und eben vor allem die ausgeuferte Theorie vermieden wird. Nach 50 Jahren die ich mittlerweile im Schach unterwegs bin, hat sich hier für mich ein neuer Horizont geöffnet, und ich zögere nicht zu sagen, dass das mit Abstand die beste Schachvariante ist, die ich je kennengelernt habe! Das einzige Problem besteht in der Praxis darin, dass die Zahl der aktiven Spieler etwa bei 10:1 (oder noch ungünstiger) liegen dürfte, das heißt, es ist nicht immer leicht, Gegner zu finden. Und das ist der Grund, weshalb ich dann doch oft, wieder klassisch spiele. Persönlich finde ich es schade, dass viele Schachspieler sich hier nicht locken lassen.

        1. Markus bringt es auf den Punkt, dem schließe ich mich an.
          Jede und jeder hat die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie oder er gelegentlich in den Zirkus geht.
          Schach960 ist aus meiner Sicht eine großartige Erfindung von Fischer.
          Ich möchte noch klarstellen: Ich bin nicht der Erfinder des Tauchschachs. Das geht auf Itan Ilfeld zurück, der 2012 in London diese Variante entwickelte. Er soll übrigens kein großer Fan von Schachboxen sein und bevorzugt stattdessen Tauchschach.
          Ich freue mich über die Vielfalt, die es gibt. Sie kann neugierig machen und rückt Schach immer mehr ins öffentliche Interesse.
          An unserer Schule erlebe ich eine große Schachbegeisterung, die in einem schwierigen Umfeld definitiv verhaltensregulierend wirkt.
          Ich nötige niemanden zum Tauchen, freue mich aber über das große Interesse. Es bringt unterschiedliche Menschen zusammen und vereint sie im gemeinsamen Spiel. Formate, die integrieren, kann ich nur gutheißen und befürworten.
          In diesem Sinne bin ich ganz bei Walter Rädler: Nicht alles muss perfekt sein. Respekt, Spaß und Verbundenheit kann jede Gesellschaft gut gebrauchen.

  2. Biathlon ist auch populärer in der Kombination Schießsport und Langlauf als einzeln. Puristen mögen auch im Schach das Argument anbringen, dass Zeitdruck den Wesen des Spiels, nämlich den besten Zug zu finden stört. Beim Unterwasserschach wird das Element des Spiels noch dadurch befördert, dass einem buchstäblich die Luft ausgehen kann. Ich sehe da schon eine Verwandschaft zum Blitzschach. Gespielt wird, was Interesse findet. Unterwasserschach ist die Nische der Nische, das wird schon aufgrund des Orga Aufwands in der Wettkampfvorbereitung auch immer eine Seltenheit bleiben. Ich gönne allen ihren Spaß daran und akzeptiere alle, die damit nichts anfangen können, denen steht es frei Unterwasserschach einfach nicht zu spielen. Ich hatte auch mal überlegt so ein Turnier auszurichten, einfach weil es spannend klingt. Leider gibt es dafür im örtlichen Schwimmbad keine Kapazitäten.

    1. Die Kapazitäten im Schwimmbad zu bekommen ist wohl das größte Problem. Wo ein Wille ist manchmal allerdings ein Weg..
      Man könnte einen Schwimmverein anfragen, ob er vielleicht kurz vor den Sommerferien Interesse an ein Unterwasserschachangebot hat.
      Ich kenne viele Schulen, die in der letzten Schulwoche Projekte machen und auf ihre Schwimmzeit im Schwimmbad verzichten. Auch hier eröffnet sich eine Chance ein Angebot zu platzieren. Es wäre sicherlich ein Highlight und eine Win-Win-Situation auch für Schulen.
      Unterwasserschachsets können ja auch geliehen werden😉

      Hier ist der Transport eine Frage der Logistik.

  3. Tauchschach, warum nicht, wenn es den Kindern Spaß macht und sie dadurch besser und schneller schwimmen und tauchen lernen. Aber — hier steht ein zusätzlicher Spaßfaktor im Vordergrund. Man kann Schach für viele Sachen pädagogische wertvoll und wesensfremd einsetzen. Ich erinnere an Diskussionen zu Autismus und ADHS.
    Der seriösen Beschäftigung mit Schach steht folgendes entgegen. Einem (Schach)Sportler der vorzugsweise mit dem Gehirn arbeitet, wird unter Wasser der Sauerstoff zum Denken entzogen. Schach spielt hier nur eine sehr sekundäre Rolle und könnte auch durch Mensch ärger dich nicht oder Go(!) ersetzt weden. Ernsthaft Schach lernt man nicht unter Wasser.
    Dasselbe gilt für das Schachboxen. Dem Sport, der mit dem Kopf ausgeübt wird, wird durch Schläge auf den selbigen, die Grundlage entzogen.

    1. Hallo Fluffy,
      Ich stimme dir zu, dass es beim Unterwasserschach kein langes Variantenrechnen gibt.
      Es soll auch bitte nicht als Konkurrenz zum klassischen Schach gesehen werden. Und ja, auch andere Spiele können im Wasser versenkt und mit einem Atemzug Bedenkzeit gespielt werden.
      Ich möchte nicht nur unter Wasser Schach spielen, dennoch möchte ich gerne dazu einladen – wenn man die Gelegenheit hat und auch gerne einmal abtauchen mag – es auszuprobieren.
      In Südafrika haben sich viele Großmeister diesen Spaß gegönnt.
      Ich glaube nicht, dass diese Variante ihre Expertise gefährdet hat. Sie schienen auch Spaß daran zu haben.
      Es wäre schön, wenn wir diese Schachvariante einfach als ein Erlebnis betrachten, das jeder einmal für sich ausprobieren darf, wenn er Lust dazu hat.
      Die Favoriten dieser Variante sind auf jeden Fall Großmeister, die auch das Apnoetauchen beherrschen 😉.

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