Unter dem Titel „Außerordentlicher Bundeskongress in Frankfurt: Quo vadis DSB?“ ist auf der Homepage des Schachbunds eine kleine Vorschau auf den Kongress erschienen.
Dort wird auch ein respektvoller Umgang miteinander angemahnt – ebenjener die manche Landesverbände aus unserer Sicht zuletzt vermissen ließen.
Zitat: 80 Teilnehmer werden erwartet, Platz wäre sogar noch für einige mehr: Im Saalbau Volkshaus Sossenheim 65936 Frankfurt am Main) findet am Samstag, 16. Mai, ab 10.30 Uhr, der außerordentliche Bundeskongress des Deutschen Schachbundes statt. Bis 18.30 Uhr ist die Veranstaltung terminiert, wenn sie anhand der umfangreichen Tagesordnung nicht verlängert wird.
Der Finanzbericht ist erfreulich, mit rund 2,2 Mio. Euro Einnahmen und rund 2,1 Mio. Euro Ausgaben.
Gleich zu Beginn wird sich entscheiden, ob die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird oder nicht (Antrag Filmann). Fall nicht, dann würde er öffentlich übertragen, was natürlich für einige Schachjünger interessant wäre.
Dann kommen die Formalien:
1. Eröffnung und Begrüßung
2. Feststellung der Anwesenden, der Stimmberechtigten und der Zahl der vertretenen Stimmen
3. Wahl des Protokollführers
4. Feststellung der Tagesordnung
5. Genehmigung des Protokolls des Bundeskongresses vom 31.05.2025
6. Berichte des Präsidiums, der Funktionsträger gem. §14 Abs. 1. Nr. 4 – 18 sowie des DSB- Vertreters in der gemeinsamen Kommission 1. Schachbundesliga
7. Ehrungen
8. Satzungsändernde Anträge
9. Kassen- und Revisionsbericht
Dann kommen die satzungsändernden Anträge zur Beratung wie immer.
Und dann wird es ganz spannend: geht der Abwahlantrag (TOP 10) des Badischen Schachverbands gegen des Präsidium durch oder nicht? Wird das Präsidium von der Mehrheit der Landesverbände en bloc abgewählt oder nicht?
Und vor allem: wer stellt sich dann zur Wahl, falls entweder das ganze Präsidium oder einzelne Mitglieder abgewählt werden sollten? Bleiben eventuell sogar Posten vakant? Bis jetzt sind keine weiteren Kandidaten bekannt geworden. Es bleibt also spannend!
Alle Anträge zum Kongress sind nachzulesen unter folgendem Link.
Nach diesem Video https://www.youtube.com/watch?v=A-cJpg137OE (Interview mit Alexander von Gleich) wage ich zu bezweifeln, dass ein respektvoller Umgang miteinander je möglich war oder in der jetzigen Besetzung (Beauftragte und diverse Landesfürsten) möglich sein wird. AvG ist an einigen Stellen ziemlich deutlich geworden. Und das Interview geht unter die Haut.
Ich frage mich, was die Motivation derjenigen war, so eine einmalige Chance zu sabotieren und – wieder einmal – ein Trümmerfeld zu hinterlassen. Und wer es sich überhaupt noch antun möchte, als Funktionär auf Bundesebene aktiv zu werden. Nicht, um sich mit einem Posten oder Titel zu schmücken, sondern um tatsächlich im Sinne des Schach etwas zu bewegen.
Aber wir werden es wohl nie genau erfahren, der Präsident des hessischen Landesverbands hat ja vorausschauend bereits vor einem Monat mit seinem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit den Weg dafür bereitet, dass sich alle Beteiligten mehr oder weniger ungestört einer weiteren Schlammschlacht widmen können.
Zum Wunsch von Ingrid Lauterbach nach „Fairplay und respektvollem Umgang“ (ob sie sich selbst immer daran gehalten hat, da gehen die Meinungen wohl auseinander) steht beim Schachbund ja auch „Womöglich gelingt es am Vortag hier in einer gemeinsamen Sitzung der Landesverbände bereits die Weichen zu stellen.“
Das ist dann morgen – mit allen bereits angereisten Delegierten (aber ohne DSB-Führung) oder in kleinerem Kreis? Wird da auch geklärt, wer denn als Präsident(in) kandidieren will? Und wenn sich niemand findet, wird der Antrag auf Abwahl dann zurückgezogen? Oder besteht das „Lauterbach muss weg“ Lager auf „Lauterbach muss weg“, auch wenn es keine Alternative gibt?
Zu Ausschluss der Öffentlichkeit kann man geteilter Meinung sein, abwarten ob dieser Antrag angenommen wird. Auch z.B. Koalitionsverhandlungen sind nicht öffentlich – vielleicht gibt es Zwischenberichte, sonst wird die Öffentlichkeit erst nach Erfolg oder Scheitern der Verhandlungen informiert. Wenn es richtig krachen sollte wird die Versammlung womöglich unterbrochen, und dann verhandeln die Lager ohnehin „ohne Mikrofone“ unter- oder miteinander. Und bei Ausschluss der Öffentlichkeit wird hinterher wohl selektiv berichtet.
Bundeskongresse eines großen (übrigens mit öffentlichen Mitteln geförderten) Sportverbands sind etwas anderes als „Koalitionsverhandlungen“. Der DSB-Bundeskongress ist keine Kungelrunde, sondern ein Gremium vergleichbar mit einem Parlament, das ja auch öffentlich tagt. Eine gemeinsame Sitzung am Vortag mag sinnvollerweise ohne die Öffentlichkeit stattfinden. Dass sich der eigentliche Kongress ins Hinterzimmer verziehen könnte, ist m.E. nicht nur feige, sondern auch nicht im Sinne der gebotenen verbandsinternen Transparenz.
ES ist ganz normal, dass sich die Landesverbände am Vorabend beraten. Ja und das dürfte tatsächlich eine Option sein, dass der Antrag auf Abwahl zurückgezogen wird.
“ Ja und das dürfte tatsächlich eine Option sein, dass der Antrag auf Abwahl zurückgezogen wird.“
Das Brimborium, ob nun Hauptausschuss oder Kongress (einschließlich Schiedsgerichtsverfahren), würde sich in diesem Fall nachträglich als überflüssig erweisen. Passt aber irgendwie zum DSB …
Wünschenswert wäre ein respektvoller und menschlicher Umgang miteinander und eine gut moderierte Aufarbeitung der Ereignisse, auch wenn es weh tut! Miteinander statt übereinander reden, bitte! Und danach ein klarer Blick für die Schach-Community nach vorn. Es gibt so viel Gutes, was man gemeinsam erreichen kann für den Schachsport in Deutschland! Allen, die das in den anstehenden Gesprächen erreichen wollen, sind die Daumen gedrückt!
Danke dir, Achim, für den Link mit dem Jutoube-Interview mit Alessander von Gleich über seine Kandidatur beim DSB. Das ist ein sehr langes und ausführliches Interview, aber es gibt einen detaillierten Einblick, was sich beim DSB alles abspielt und abgespielt hat. Es lohnt sich, dem zuzuhören.
(Sorri, meine beiden Buchstaben iks + üpsilon sind defekt).
Im Nachgang zu diesem Beitrag kann man folgendes festhalten:
1. Der Antrag auf Abwahl des kompletten Präsidiums wurde tatsächlich zurückgezogen.
2. Stattdessen wurde beantragt, einen Antrag auf Abwahl der Präsidentin zu stellen. Dieser wurde angenommen.
3. Es fanden sich zwei Kandidaten für die Kandidatur im Präsidentenamt: Paul Meyer Dunker und Niklas Rickmann.
4. Das Abstimmungsergebnis zwischen den beiden war so knapp, dass es auf eine einzige Stimme ankam.
5. Die Vizepräsidenten Jürgen Klüners und Yannik Kiesel blieben im Amt.
6. Jürgen Gersinska wurde zum Vizepräsidenten Finanzen als Nachfolger von Alexander von Gleich gewählt.
7. In dieser kritischen Lage hat der DSB Resilienz bewiesen.
Ich sehe das durchaus ähnlich. Allerdings würde ich nicht von Resilienz sondern eher von Resistenz sprechen.
PMD ist es in seinem dritten Anlauf endlich gelungen denkbarst knap den Präsidenten würde zu erlangen.
Hoffen wir, dass das klassische Schach, das vielen von uns so viel gegeben hat, nicht im E-Sport Dschungel untergeht.
Wenn PMD weiter seinem E-Sport-Hype frönt, dann gute Nacht klassisches Schach. Dann kann er den „Laden DSB“ gleich zumachen.