08.05.2026

7 Gedanken zu „Betrachtung zum Gleichstellungsreport des Schachbunds

  1. Hallo Gerald,

    Dein Zitat: „Der Bericht gibt als Weg zum strategischen Ziel 16.000 diverse Förderaktionen an, so das „10.000 € Projekt“ oder den „Mädchen Schach Super Tuesday“ (einmal pro Monat ein Internet-Training für 12jährige, derzeit ca. 70 Teilnehmerinnen) sowie den regelmäßigen Frauenschach-Newsletter.“

    Das Projekt des Ehepaars Jussupow habe ich bisher mit Interesse mitverfolgt: Das läuft bisher sehr erfolgreich mit hochratigen weiblichen Spitzenspielerinnen, die das Online-Training leiten, bei jedem Training leitet eine andere Frau das Training, sodass die Mädchen, die regelmäßig teilnehmen, sehr viele verschiedene deutschsprachige Spitzenspielerinnen im Schach kennenlernen.

    Leider gibst du eine FALSCH-INFO: „Internet-Training für 12-jährige“ ist nicht korrekt,
    Sondern es ist „Internet-Training für Mädchen U 12“ (= unter 12 Jahren), mit gewissen Ausnahmen von Mädchen die auch schon älter sein dürfen. Damit werden auch die potienziellen Drop-Outs angesprochen, die schon als 10-11-jährige die Schachvereine verlassen würden.

    Was den „Frauenschach-Newsletter“ betrifft, der erscheint nur ganz selten, ich selber kenne ihn kaum, es geht da wohl um Turniere, die nur für Frauen sind.

    1. Hallo Jolien, hier liegt ein Missverständnis vor, der Beitrag ist von Heinz Brunthaler, und nicht von mir. Ich habe ihn nur eingestellt. Um das deutlicher zu machen, habe ich jetzt eingangs darauf hingewiesen.

  2. Interessant ist auch etwas anderes: Man liest öfters die Behauptung es gäbe weniger gute Schachspielerinnen weil es weniger sind. Suggeriert wird dass weibliche und männliche Spieler die gleichen individuellen Voraussetzungen haben.
    Bei den männlichen Spielern sind man eine Glockenkurve um die DWZ 1500. Darüber und darunter nimmt die relative Anzahl ab. Wenn die These oben stimmen würde müsste das bei den Spielerinnen ebenfalls der Fall sein, nur mit weniger Spielerinnen und deshalb weniger Spitzenspielerinnen. Dem ist aber nicht so. Die weibliche Kurve nimmt von ganz unten beginnend stetig ab. Ob dies nun einem biologischen Unterschied oder einem unterschiedlicher Verhaltensweisen ist natürlich nicht zu erkennen. Gleich sind die Voraussetzungen allerdings nicht.

  3. Manche Darstellungen in dem Bericht sind mir zu einfach.

    Es wurde ein Gender-Gap in der DWZ festgestellt, so weit so gut. Das wird so sein. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Klar ist doch, dass man für die Steigerung der Spielstärke regelmässig an Turnieren teilnehmen muss. Da vermute ich mal, dass es da zwischen Frauen und Männern gravierende Unterschiede gibt. Interessant wären weitere Informationen. Wie viele DWZ-Auswertungen hat denn eine Spielerin bzw. ein Spieler im Durchschnitt? Interessant dürfte auch das Durchschnittsalter sein.

    Mir ist auch nicht klar, was man erreichen will. Mehr Mädchen für Schach zu begeistern, ist ja in Ordnung. Das allein löst allerdings nicht die Probleme im Leistungsbereich, wenn die Mädchen im Verein bleiben, aber dann kaum an Turnieren teilnehmen.

    Die relative Anzahl von Trainerinnen und Schiedsrichterinnen erklärt in dem Zusammenhang gar nichts. Darüber hinaus völlig illusorisch, dass dieser Anteil in nächster Zeit steigen wird. Das mag ja in einen Gleichstellungsbericht gehören, aber für die Mitgliedergewinnung erklärt das wenig bis gar nichts.

  4. Hallo Uwe! Du hast Recht, die „Participation Rate“ von Frauen an Turnieren ist mit wenigen Ausnahmen weltweit erheblich geringer als die der Männer. Der Spruch „It’s more fun to compete“ (der früher auf der bunten Glasscheibe jedes Flipperautomaten stand) scheint für Mädchen und Frauen nur recht eingeschränkt zu gelten. Das macht auch die Forderung nach mehr Turnieren für Mädchen und Frauen fraglich. Es ist gewiss einer der Faktoren, die zum Gender-Gap beitragen. Man sieht bei besonders erfolgreichen Mädchen auch, dass sie früh und oft bei Open-Turnieren mitspielen, obwohl das für sie harte Kost ist.
    Ein einzelnes Ziel kann in und mit den Projekten kaum definiert werden.
    – Zum einen kann das Interesse am Schach bei Mädchen geweckt werden, was allerdings keineswegs zum Vereinseintritt führen muss. Der DSB hat also nicht viel davon.
    – Das Ziel, die Zahl von Mitgliedschaften zu erhöhen, ist schwer zu erreichen und manchmal auch durch die jeweiligen lokalen Umstände sogar fast unmöglich.
    – Das Ziel, Mädchen im Verein zu halten, könnte durch Trainingsmaßnahmen vermutlich verbessert werden. Spielen sie stärker ist ihre Akzeptanz im Verein höher und sie haben mehr Erfolgserlebnisse.
    Ich werde bald einen entsprechenden Projekt-Vorschlag machen.
    – Der Leistungsbereich könnte indirekt durch eine allgemeine Anhebung des Niveaus unterstützt werden, wieder ist frühzeitiges Training auf breiter Ebene der Schlüssel. Das derzeitige Niveau im frühen Bereich ist Gift für die Talententwicklung.
    Leider werden diese Bereiche in der Diskussion oft in den gleichen Topf geworfen, so dass wenig dabei herauskommt. Wer alles erreichen will wird weniger erreichen als bei gezielten Maßnahmen möglich wäre.

  5. Zum internationalen Vergleich gibt es ja den FIDE Gender Equality in Chess Index, auf https://espace.library.uq.edu.au/view/UQ:9ec1c7e verlinkt (University of Queensland da David Smerdon Erstautor ist) – andere pro Land kleinere Datenbasis: nur Spieler(innen) mit FIDE-Elo während hier auch Personen ohne FIDE-Elo und auch (noch) DWZ-lose einfließen.
    Eingangs zwei weltweite Mittelwerte für Female Participation: 16.5% aber für Female % (Standard-Rated) nur 10.2% – entsteht der große Unterschied durch Spieler(innen), die nur eine Schnellschach- oder Blitz-Elo haben?
    Dann eine lange Tabelle mit Werten pro Land, ich bespreche mal nur Europa und nur „Participation“. Man kann Deutschland da nicht vergleichen mit z.B. Georgien (22,97%, traditionell stark im Frauenschach), Türkei (22,48%, da tut sich offenbar auch im Frauen/Mädchenschach einiges), Aserbaidschan (22,22%) oder auch dem kleinen Monaco (28,4% – aktuell 13 Frauen und 32 Männer mit aktiver FIDE-Elo, und nicht alle mit FIDE-Affiliation MNC sind Teil der lokalen Schachszene. Sie haben z.B. auch einen Münchner und seit Februar 2026 eine Münchnerin).
    Interessanter der Vergleich mit (Fast-)Nachbarländern: „besser“ als Deutschland (nach diesen Kriterien 10,2%) sind Frankreich (15,8%), Italien (15,63%) und Polen (15,59%). England (9,75%) ist vergleichbar, schlechter sind Belgien (7,85%), Österreich (8,72%), Schweiz (7,55%), Tschechische Republik (8,45%) und vor allem Niederlande (5,29%) sowie Dänemark (3,97% – Aufgabe für PH Nielsen??).
    Woran es in den Niederlanden liegt, da bin ich überfragt – in meiner Zeit dort gab es durchaus Aktionen für Frauenschach. Frankreich hat vielleicht etwas getrickst: Frauen-Pflichtbrett in ALLEN Ligen, wenn auch untere Ligen Elo-gewertet steigt der Frauenanteil zwangsläufig?
    Von 10.000 auf 16.000 würde – Zufall oder nicht – bei konstanter Anzahl männlicher Spieler auch grob bedeuten: zu Polen, Frankreich und Italien sowie zum höheren globalen Mittelwert aufschließen.

  6. Zu einigen Punkten dieses Artikels (bzw. dessen Quellen):
    DWZ-los kann ja vieles bedeuten:
    – gar kein Schach (mehr) aber noch Mitglied im Verein, und zuvor nur vereinsintern für eine kürzere oder längere Periode
    – aktuell/bisher nur vereinsintern (auch für Erwachsene)
    – noch kein Turnierschach da man noch herangeführt wird – kann bei jungen Jugendlichen 6-12 Monate oder auch länger dauern
    – bereits Turnierschach aber bisher zu wenige Gegner mit DWZ (oder gegen diese immer verlieren aber gegen andere DWZ-lose durchaus punkten).
    Wenn man dann das erste Turnier gegen relativ starke Gegner spielt, kann man sich eine durchaus beachtliche erste DWZ oder Elo erspielen – aktuell ein Jugendlicher meines Vereins und auch diverse Teilnehmer des Grenke C- oder auch B-Opens (das waren auch Erwachsene, auch aktuell vereinslose die dann keine DWZ bekommen).
    Zum Teil liegt es auch am lokalen Turnierangebot: in München gibt es spezielle Turniere für DWZ-lose damit sie eine DWZ bekommen können (DWZ-Pokal, DWZ-Elfmeter), das gibt es in Osthessen nicht. DWZ-los oder niedrige DWZ bedeutet jedenfalls nicht unbedingt „dauernd/immer verlieren“ – auf praktisch jedem Niveau gibt es auch gleichwertige und schwächere Gegner(innen).

    „Um etwas zu ändern, brauchen wir eine Situation, in der die Mehrheit der Vereine Mädchen und Frauen will.“
    Das betrachte ich wie Heinz Brunthaler als Unterstellung oder „Spruch“. Was sein kann:
    – Das wird vermutet oder unterstellt, da Schach bisher männerdominiert ist (was sich auch nicht „plötzlich“ ändern wird).
    – Nur wenige Vereine haben oder erwägen Angebote _speziell_ für Frauen/Mädchen, da sie dafür keine Kapazitäten hätten, die potentielle Gruppe zu klein wäre oder plausibel vermutet wird „die bleiben doch nicht im Verein“.

    Eines scheint mir klar: eine deutliche Erhöhung des Frauenanteils würde das „Gender Gap in der sportlichen Leistung“ eher verstärken. 6000 neue weibliche Mitglieder kämen ja anfangs „unten“ dazu, viele werden wohl weit unten bleiben. Einige entdecken vielleicht ihr großes Talent und entwickeln Ehrgeiz, aber das sind wohl relativ wenige.

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