Symbolbild Schachtraining. Quell: Brunthaler
Heute möchte ich alle, die sich für Schachpsychologie interessieren, auf einen Artikel in der englischsprachigen ChessBase News vom 15.8. hinweisen:
https://en.chessbase.com/post/recent-scientific-research-on-chess-skill-and-its-development
Der bekannte Schachpsychologe Dr. Robert Howard hat ein neues Buch veröffentlicht, das hier vorgestellt wird und aus dem interessante Auszüge gezeigt werden. Themen sind u.a. „The nature of chess skill“; „Titles“; „Peak skill performance age“; „Natural talent for chess“ und „Sex differences at the top“.
Letztes ist eine Fortschreibung seiner 2014 veröffentlichten Untersuchung, die zeigte, dass sich seit 1975 bis dato der Spielstärke-Unterschied zwischen den Geschlechtern trotz großer Bemühungen nicht verändert hat. Das hat sich selbst in Georgien, wo das Frauenschach ungewöhnlich stark ist und mit 25% gegenüber dem internationalen Durchschnitt von 11% die Partizipationsrate (Teilnahme an Turnieren) die höchste ist, nicht geändert.
Interessant ist auch der Rückgang des Alters, zu dem Top-Spieler ihren Höhepunkt (peak) erreichen. Während er früher mit ca. 35 Jahren angenommen wurde, ist er nun auf 30 gefallen. Magnus hat also rechtzeitig die Bremse gezogen.
Howards Aussage zu Talent wird denen nicht gefallen die glauben, alles sei durch Übung erreichbar (10.000 Std. Regel). Er schreibt (übersetzt von mir):
„Meine Analyse … legt nahe, dass ein Spieler viel natürliches Talent benötigt, um GM oder WGM zu werden, aber möglicherweise deutlich weniger, um IM-Niveau zu erreichen. Möglicherweise reicht es meist aus, das Unterbewusstsein mit Pattern und Strategien zu füllen, um IM-Niveau zu erreichen, jedoch bedarf diese Frage noch weiterer Forschung.“
In diesem Zusammenhang möchte ich noch kurz auf den Artikel „How I train“ – IM Rose Atwell, Schachkicker 30.8.26, den Markus Schirmbeck dankenswerterweise veröffentlicht hat.
Darin wird das Training der jungen amerikanischen Meisterin Rose Atwell, das in seiner Art – Homeschooling, 5-6 Std. tägliches Training, Verzicht auf viele normale Aktivitäten etc. – an Judit Polgar erinnert. Ihre Turnierergebnisse zeigen Potential, u.a. durch Erfolge gegen 2500er GMs in Open, aber der Aufwand scheint groß im Verhältnis zum bisherigen Erfolg. Nur wenige Frauen schaffen es, die Elo 2.400 „Gender-Gap Schallmauer“ nachhaltig zu überschreiten oder sogar noch höher zu steigen. Die Top-100-Frauen zeigt derzeit 11 Frauen über Elo 2.500 und 36 über 2.400. Es ist ein interessantes Phänomen, das im Top-Schach einige Mädchen sich ähnlich schnell entwickeln wie Jungs, dann aber um die 2.400 stagnieren und sogar wieder zurückfallen. Rose Atwells Aufwand, mit dem sie die 2.400 kurz erreicht hat, scheint auch wesentlich größer zu sein als der vergleichbarer Jungen, von denen die meisten eine normale Schulausbildung absolviert haben. Es ist interessant, ihre weitere Entwicklung abzuwarten.