Sieg und Niederlage – so lautet die Bilanz aus Deizisauer Sicht am Nachhol-Doppelspieltag der Schachbundesliga. Austragungsort war die heimische Gemeindehalle in Deizisau.

Schachfreunde Deizisau – USV TU Dresden 4,5 : 3,5
Gegen den Tabellenletzten aus Dresden verspürte man im Vorfeld durchaus den Druck, gewinnen zu müssen. Deizisau trat erstmals in dieser Saison ohne Matthias Blübaum an, der sich aktuell auf das Kandidatenturnier vorbereitet. Dafür kam erstmals Top-Schachbuchautor („Von den Legenden lernen“) Mihail Marin aus Rumänien zum Einsatz. Er feierte sein Bundesligadebüt.
Die entscheidenden Siege steuerten unser Uhrensimultan-Weltrekordler Daniel Dardha aus Belgien sowie Zdenko Kozul bei. Unser deutscher Nationalspieler Dmitrij Kollars musste sich hingegen gegen Dresdens Spitzenspieler Roven Vogel mit einem Remis begnügen.

Kollars ließ sich mit Schwarz in einer eigentlich überlegenen Stellung zu 82. … Lxf5? verleiten. Auf 83. Sxf5? wäre … Tf4+ gefolgt, doch Vogel fand die stärkere Fortsetzung: 83. Txg7! – ein Gratisbauer, da der König wegen 83. … Kxg7 84. Sxf5+ (Gabel) nicht zurücknehmen kann. Das resultierende Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm konnte Kollars nicht mehr in Zählbares verwandeln.

Auch Banusz, Moussard und Marin steuerten jeweils ein Remis bei. Die etwas überraschende Niederlage von Ruben Gideon Köllner gegen Hans Möhn fiel dadurch nicht entscheidend ins Gewicht.
Dautov (links) und Marin (rechts) ließen ihr Wiedersehen anschließend gemeinsam im Restaurant ausklingen (Foto: Rustem Dautov auf Facebook).

SF Berlin – Schachfreunde Deizisau 4,5 : 3,5

Auch gegen Berlin war Deizisau an nahezu allen Brettern favorisiert. Dennoch gelang dem möglichen künftigen Absteiger ein knapper Sieg. Zwar gewann Dmitrij Kollars die Spitzenpartie gegen den Polen Tomczak, doch unsere beiden Routiniers Rustem Dautov und Zdenko Kozul mussten sich gegen Marius Fromm beziehungsweise Ilja Schneider geschlagen geben.

In einer kritischen Stellung bestand die einzige Hoffnung für Weiß (Zdenko Kozul für Deizisau) in einem Dauerschach. Schwer zu erkennen, doch Weiß hätte den schwarzen König mit 64. De8+ auf der linken Brettseite halten müssen. Die Bauern e5 und a3 dienen dabei als stabile Stützpunkte für weitere Schachgebote. Der schwarze Turm auf c2 kann nicht dazwischenziehen, da sonst sein Gegenstück auf f2 verloren geht. Nach dem Partiezug 64. Dd6? gelang es Schwarz jedoch, auf den Königsflügel zu entkommen.
So geht es weiter
An der Tabellenspitze scheint sich Viernheim nach einem weiteren Punktverlust von Baden-Baden etwas abgesetzt zu haben.
Die Saison endet mit dem großen Finale – der Endrunde in Berlin vom 24. bis 26. April. Dort stehen gleich drei Spieltage auf dem Programm. Deizisau trifft dabei auf MSA Zugzwang, den Düsseldorfer SK sowie die SG Solingen. Um nicht doch noch in ernsthafte Abstiegsgefahr zu geraten, sollten möglichst zwei Mannschaftspunkte eingefahren werden.

Es gibt ja seit vielen Jahren das Liga-Orakel aus Bad Homburg. Vor der heutigen Runde hatte es progostiziert: Meister fast sicher Viernheim; fast sichere Absteiger Dresden und Berlin, Absteiger mit knapp 70 Prozent Zugzwang München, mit knapp 30 Prozent Neuwied.
Bei dem schweren Neuwieder Restprogramm und nach den heutigen Ergebnissen dürfte Neuwied auf über 50 Prozent „geklettert“ sein, während Berlin und vor allem ZZ München wieder mehr Hoffnung haben dürfen.
Tatsächlich gibt das aktualisierte Liga-Orakel nun Neuwied 71,7% Abstiegschancen, und Zugzwang nur noch 46,4%. Team Hertneck braucht dabei noch mindestens einen Mannschaftspunkt, wohl am ehesten gegen Deizisau oder (ex-Meister) Düsseldorf. Sonst rächen sich diverse verpasste Chancen, und München hat nächste Saison nur einen Verein in der ersten Bundesliga (der Münchner SC hat heute den Aufstiegs-Stichkampf gegen Erkenschwick überraschend verloren).
Ah dann hat der MSC 1836 heuer keinen Treffer gelandet. Dabei sah es noch vor einem Monat so aus, als ob sie auf Aufstiegskurs lagen. Aber dann haben sie die zwei entscheidenden Matches verloren!
Das Orakel hat nach 12 Runden folgende Abstiegswahrscheinkeiten im Tabellenkeller (gerundet auf volle Prozent): Dresden 100 %, Berlin 80 %, Neuwied 72 %, München ZZ 46 %.
Meldung aus den 2. Bundesligen: Erkenschwick hat den Stichkampf um den dritten Aufstiegsplatz heute mit 5-3 gegen München 1836 gewonnen.
Hallo Herr Althöfer, vielen Dank für den Hinweis. Übrigens hat Dresden am „Abstiegswochenende“ in Deizisau zwei Mal 3,5 Punkte gemacht, nämlich gegen uns und gegen Deizisau. Und trotzdem stehen sie nur mit 3 Punkten in der Tabelle da. Dies zeigt auf, wie hart in der Bundesliga gekämpft wird, und wie eng die Abstände im Grunde sind. Zu unserem relativen Erfolg ist zu sagen, dass er ohne Eljanow nicht möglich gewesen wäre, der auf eine Performance von über 2800 kommt, und unzählige Partien am 1. Brett gewonnen hat. Zu Heimbach-Weis ist zu bemerken, dass das Team besser einen Punkt gegen Solingen gemacht hätte, denn jetzt wird es extrem eng!