Nachdem mein gestriger Artikel über den Erfolg von Fiona Sieber in Batumi große Resonanz erzielt hat, (auch im Kommentarbereich), und die Nominierung der Frauennationalmannschaft für Olympia unmittelbar bevorsteht, und Spekulationen etwas schönes sind, erlaube ich mir, spaßeshalber die Frauennationalmannschaft zu nominieren. Hierzu habe ich eine Excel-Tabelle angelegt, in der ich die wesentlichen Daten eingetragen habe, die zur Entscheidungsfindung beitragen:
| Spielerin | Elo 1. Juni |
Elo nach EM |
Partien 6 Monate |
Partien 12 Monate |
EM Partien | Kommentar |
| Wagner | 2412 | 2409 | 30 | 66 | +11 | gesetzt (Elo) |
| Pähtz | 2404 | 2404 | 7 | 26 | gesetzt (Elo) | |
| Klek | 2369 | 2345 | 27 | 55 | +11 | gesetzt (Elo) |
| Schulze | 2326 | 2326 | 23 | 53 | Keine EM-Teilnahme | |
| Dolzhykova | 2280 | 2280 | 4 | 27 | zu wenig aktiv, vor allem letzte 6 Monate |
|
| Schneider | 2263 | 2297 | 67 | 109 | +11 | Hat sehr viel gespielt |
| Safarli | 2252 | 2267 | 36 | 64 | +11 | Keine gute Elozahl |
| Peglau | 2238 | 2169 | 18 | 60 | +11 | hoher Eloverlust! |
| Sieber | 2224 | 2273 | 29 | 59 | +11 | nicht im Kader, aber super Ergebnis auf der EM |
Dies sind die ersten 9 Spielerinnen der deutschen Rangliste, die zugleich im Kader sind, mit Ergänzung von Fiona Sieber, die jetzt nach ihrem Erfolg in Batumi wohl in den Kader nominiert würde. Die Nominierungen sind aber erst im Dezember.
Es ist offensichtlich, dass Dinara Wagner und Elisabeth Pähtz mit einer Elo von über 2400 für die Mannschaft gesetzt sind. Sie sind seit Jahren die Stützen unserer Mannschaft. Elisabeth hat zwar die EM nicht gespielt, und in den letzten 6 Monaten sehr wenig Partien beigetragen, aber wie wir alle wissen, wurde sie ja Mutter, und soweit wir gehört haben, ist sie bereit zu spielen, trotz Kleinkind.
Hanna Marie Klek ist in der Liste zusammen mit Lara Schulze die einzige Spielerin über 2300, erfahrene Nationalspielerin, und hat zuletzt ein sehr gutes Ergebnis in der Nationalmannschaft eingefahren, also sehe ich auch sie als gesetzt an.
Nun sind also noch zwei Spielerinnen zu nominieren, und es wird jetzt sehr schwer, sich zu entschieden. Zwei Spielerinnen fallen aus der Auswahl klar raus: Katerina Dolzikhova kommt auf unter 30 Partien im letzten Jahr und hat die EM nicht gespielt, damit ist das Aktivitätskriterium nicht erfüllt. Und Charis Peglau hat auf der EM ganz viel Elo verloren, und steht live bei 2169, das reicht definitiv nicht für eine Nominierung!
Nach Elo wäre Lara Schulze die nächste Nominierte, allerdings hat sie anders als ihre Konkurrentinnen nicht an der EM teilgenommen (aus mir unbekannten Gründen, sie spielt ja sonst gerne und viel Schach).
Persönlich bin ich der Meinung, dass Jana Schneider sich die Nominierung mehr verdient hätte, denn sie steht nach der EM auf knapp 2300 Elo in der Live-Rating, und vor allem hat sie von allen Kandidatinnen am meisten gespielt – nämlich 109 Partien in 12 Monaten. Auch das sollte belohnt werden!
Wenn man dieser Einschätzung folgt, dann ist nur noch ein Platz in der Mannschaft (Frauschaft) zu vergeben, und diesmal wird die Auswahl so schwer, dass die Entscheidung fast unmenschlich wird.
Lara Schulze, wie erwähnt, die Elobeste, die aber den Vergleich auf der EM gescheut hat. Böse Zungen könnten sagen, weil sie ihre Elozahl, und damit ihre Nominierung nicht riskieren wollte. Sie hat zum Beispiel auch weniger Erfahrung in der Nationalmannschaft als Josefine.
Josefine Safarli (ehemals Heinemann), die erfahren Nationalspielerin, die aber zuletzt eine schlechte Phase hatte, und nicht mehr auf über 2300 kommt. In der Live-Elo steht sie bei 2267, was eigentlich nicht reicht. Und auch das Ergebnis auf der EM (plus 15 Elo) war OK, aber nicht überragend.
Fiona Sieber, die auf der EM das zweitbeste Ergebnis aller deutschen Spielerinnen erzielt hat, und ein beeindruckendes Turnier gegen starke Konkurrenz gespielt hat. Allerdings kommt sie in der Live-Elo nur auf 2273. Und sie steht nicht im DSB-Kader, und normalerweise werden nur Kaderspielerinnen nominiert. Aber sie ist mit 26 Jahren noch jung und wird wahrscheinlich Ende 2026 nominiert werden.
Um ein persönliches Fazit abzugeben: aus meiner Sicht sollte sich der Bundestrainer für den fünften Platz zwischen Lara und Fiona entscheiden.
Lieber Gerald,
M.E.ist Deine Liste der Kandidatinnen für künftige Einsätze in der National-Mannschaft nicht vollständig.
Es fehlt der Name von WGM Olga Babiy, die seit einiger Zeit für Deutschland spielberechtigt ist. Sollte sie das Kandidatinnen-Turnier bei der kommenden Deutschen Meisterschaft gewinnen und damit die Spiel-Berechtigung in der Meistergruppe 2027 erlangen, wäre sie eine ernstzunehmende Anwärterin für kommende internationale Aufgaben und könnte m.E. ziemlich sicher mit einer Aufnahme in den Leistungskader rechnen.
Lieber Henning, aber sie ist nicht im Kader, und mit den Aufstellungen für Olympia wird bereits in den kommenden Tagen gerechnet. Aus diesem Grunde muss ich sagen: das ist Zukunftsmusik, dass die in der deutschen Nationalmannschaft spielt. Außerdem könnte die sechsmonatige Wechselfrist noch nicht abgelaufen sein, das weiß ich aber nicht.
Der Schachbund zitiert Zahar Efimenko mit „kann ich in einer Woche die endgültige Zusammensetzung der Nationalmannschaft für die Olympiade bekannt geben.“ Das ist dann etwa drei Monate vor dem Turnier, es soll ja auch noch gemeinsame Vorbereitung geben.
Aktuell ist Olga Babiy ohnehin keine Option, zukünftig vielleicht – laut https://ratings.fide.com/transfers.phtml (2025 auswählen) notification date 2025-03-26, transfer date 2025-06-27 (dauerte also etwas), Date starting from which a player can represent the new federation fee free 2026-04-30.
Ich denke mal, dass Lara Schulze bei der Olympiade teilnehmen wird, da der Bundestrainer auch ihr Privattrainer ist und sie vor der EM bestimmt schon wusste, dass sie dort spielen wird . Deswegen musste sie bei der Europameisterschaft auch nicht ihr Können unter Beweis stellen.
Eine gewagte Behauptung, denn der Bundestrainer sollte neutral sein. Sonst kommt man in Teufels Küche. In dem Fall hat Lara mit Elo 2330 allerdings ein gewisses Anrecht auf die Nominierung, denke ich mal. Trotzdem wäre es besser gewesen, sie hätte die EM gespielt!
Natürlich sollte ein Bundestrainer neutral sein, aber wenn ich schon jemand einige Jahre trainiere, ist das nicht so einfach. Ich finde es auch besser, sie hätte die EM gespielt und würde mich daher für Fiona Sieber entscheiden , die es meiner Meinung nach mehr verdient hätte, da sie sich fast für den Weltpokal qualifiziert hat.
Ich habe gerade herausgefunden, dass Lara Schulze zwei Runden des Norway Chess parallel zur EM bei chess.com kommentiert hat. Ob das die Begründung für die Nichtteilnahme der EM ist, weiß ich nicht. Es ist aber meiner Meinung nach ziemlich riskant, einen Platz bei der Nationalmannschaft so zu riskieren.
In punkto Aktivität holt Kateryna Dolzhykova allerdings noch auf. An diesem Wochenende hat sie am RLP-Open teilgenommen (Platz 7 entsprach genau der Setzlistenposition, dabei war sie punktgleich mit dem Turniersieger und gewann 10 Elo-Punkte), für die Deutsche Betriebsschachmannschaftsmeisterschaft in der nächsten Woche (zugegebenermaßen ohne Elo- und DWZ-Auswertung und mit der sehr kurzen Bedenkzeit 70/40 + 15/Rest (+30 Sekunden/Zug)) ist sie ebenfalls gemeldet, und schließlich soll sie auch an der deutschen Frauenmeisterschaft teilnehmen.
Dolzhykova hatte auch beim Grenke Open mitgespielt, allerdings (nicht Elo-gewertet) Freestyle Chess – diese neun Partien kann man vielleicht trotzdem „für Aktivität berücksichtigen“.
Tatsache (um mal einen neutralen Begriff zu verwenden) ist dabei, dass sie letzte Saison nur sporadisch Mannschaftskämpfe spielte – in der Oberliga Südwest (Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland) als Stammspielerin gemeldet (Brett 4) nur 2 von 11 Partien, die erste und die letzte Runde. Das ist auch im Vergleich zu den Jahren zuvor wenig:
– 2024/25 Oberliga Südwest B (Hessen) an Brett 8 gemeldet 7 von 9 Partien (nur an einem Wochenende verhindert oder krank?)
– 2023/24 Oberliga Ost B (Hessen plus Erfurter SK II) an 1 gemeldet(!) alle 11 Partien
– 2022/23 Zweite Bundesliga, neu im Verein an Brett 11 gemeldet alle 9 Partien
Oberursel hatte tendenziell immer dieselbe Mannschaft bei der sich auch niemand stark verbessert oder verschlechtert hat, dabei offenbar unterschiedliche taktische(?) Aufstellungen.
Auch in der Frauenbundesliga spielte Dolzhykova für Solingen diesmal seltener als in den Jahren zuvor. Der Bundestrainer kann vielleicht auch nachfragen (geht auch in der gemeinsamen Muttersprache?) was die Hintergründe sind, vielleicht gibt es eine plausible Erklärung.
Ich möchte nicht in der Haut des Bundestrainers stecken, denn es liegen wirklich schwierige Entscheidungen vor ihm.
Entscheidung 1 (schwer):
Ja, Elisabeth Pähtz und Dinara Wagner sind gesetzt, aber wer an Brett 1?
Entscheidung 2 (einfach):
Hanna Marie Klek hat bei der aktuellen EM Elo´s verloren, aber aufgrund Elo/Erfahrung/tolles letzte Mannschafts-EM sollte Sie Brett 3 einnehmen.
Entscheidung 1 (sehr schwer):
Brett 4/5: Kandidatinnen sind m.E. Lara Schulze, Josefine Safarli und – natürlich – Fiona Sieber
– Lara Schulze hat die beste Elo und spielte 1. Bundesliga, allerdings insgesamt wenig Partien, wenig internationale Turniere
– Josefine Safarli hat die Mitropa-Cup Mannschaft gecoacht, streamt auch, viel internationale Erfahrung
– Fiona Sieber hat viel gespielt, sich verbessert, starkes Ergebnis bei der Einzel-WM
Dass der Bundestrainer Lara Schulze aufgrund des „Heimvorteils“ bevorzugt, halte ich für ausgeschlossen. Damit wäre seine Glaubwürdigkeit innerhalb der Mannschaft zerstört.
Dass Lara Schulze die Einzel-EM nicht mitgespielt hat, kann auch finanzielle Gründe haben. Sie hat zwar einen Sponsor, aber ob das für 2-3 Wochen Hotel etc. reicht?!
Ich meine Jan Gustafsson stand letztes Jahr auch schon mal vor so einer problematischen Entscheidung (Mannschafts-EM 2025 zwischen Rasmus Svane/Alexander Donchenko/Dennis Wagner) Letztlich haben 2 (!!) Elopunkte den Ausschlag gegeben.
Also: Sollte nicht eine der Spielerinnen freiwillig verzichten, müssten die (aktuellen, also nach Einzel-EM) Elo´s entscheiden.
P.S.: War früher auch jahrelang Mannschaftsführer, allerdings unterklassige Ligen, da war aber eher das größte Problem alle 8 zusammenzubringen
Huch, ich habe Jana Schneider vergessen, ich bitte um Entschuldigung.
Sie gehört natürlich auch in die Aufstellung zu Brett 4/5.
Jetzt wird´s noch schwieriger…
Hallo Peter, wir werden es bald erfahren. Wir erinnern uns, dass der Bundestrainer der Männer in ähnlicher Situation eine salomonische Entscheidung getroffen hat: er nahm den Sechsten (Svane) als Trainer für die Nationalmannschaft mit!
Generell: jedenfalls formal sind Spielerinnen aus dem Weltklassekader für die Nationalmannschaft gesetzt, und diesen Status bekamen alle fünf die bei der Mannschafts-EM Bronze erzielten (Wagner, Klek, Dolzyhkova, Safarli, Schulze). Eine muss wohl Platz machen für Elisabeth Pähtz, muss noch eine Platz machen für Jana Schneider? Die drei anderen im Perspektivkader (Sarah Papp, Charis Peglau, Lisa Sickmann) werden es wohl nicht – unklar ob Fiona Sieber überhaupt nominiert werden könnte (wäre dann „doppelte Ausnahme“).
Der Bundestrainer ist eventuell außer bei Lara Schulze auch bei Dolzhykova positiv voreingenommen bzw. das könnte man vermuten oder ihm unterstellen. Sie vor allem deshalb NICHT nominieren damit dieser Eindruck nicht entstehen kann kann es dabei auch nicht sein!? Vielleicht sollte er die Entscheidung dann einer „Kommission“ überlassen oder jedenfalls nicht alleine treffen, oder so wird es dann öffentlich dargestellt.
Heute wurde übrigens auch das geänderte(?) Teilnehmerinnenfeld der Deutschen Frauen-EM Meisterklasse verkündet: Dinara Wagner, Lara Schulze, Jana Schneider, Sarah Papp(!), Kateryna Dolzhykova, Josefine Safarli, Charis Peglau, Lisa Sickmann, Dora Peglau (als Siegerin des Kandidatinnenturniers qualifiziert), Olga Babiy(!). Es fehlen Pähtz (wie letztes Jahr), Klek und Sieber.