Vera Menchik. Quelle: ECF
Hier ein historischer Rückblick auf die Frauen-WM 1939, zu dem wir angeregt wurden.
Die Schachweltmeisterschaft der Frauen im Jahr 1939 war der siebte Wettkampf um den Titel der Schachweltmeisterin, und der letzte vor der durch den Zweiten Weltkrieg bedingten Pause – wobei ein Teil des Turniers bereits nach dem Kriegsausbruch in Europa stattfand, was die Teilnehmer vor unerwartete Probleme stellte.
Damals musste man nach Südamerika noch mit dem Schiff anreisen. An Bord der Piriápolis befanden sich fast ausschließlich europäische Schachspieler, die an der Olympiade in Buenos Aires, und auch Damen, die an der zeitgleich stattfindenden Frauenweltmeisterschaft teilnehmen wollten.
Bei der Anreise ahnte wohl kaum einer der Passagiere, dass während der Schacholympiade der 2. Weltkrieg ausbrechen würde und dass viele von ihnen in der Ferne bleiben und sich dort eine neue Heimat würden suchen müssen. Mancher ist auch nie mehr nach Europa zurückgekommen. So ist diese Schacholympiade ein besonderer Schnittpunkt, wo sich Welt- und Schachgeschichte auf sehr bemerkenswerte und auch manchmal anrührende, in einigen Fällen auch sehr traurige Weise treffen.
Der Titel der Frauenweltmeisterin wurde in einem Rundenturnier in Buenos Aires während der Schacholympiade 1939 ermittelt, das Vera Menchik ungeschlagen gewann. Sie gab nur zwei Remis gegen ihre 19 Gegnerinnen ab.
Aus deutscher Sicht sehr erfreulich, dass mit Sonja Graf auf dem zweiten Platz und Friedl Rinder gleich zwei deutsche Teilnehmerinnen um die WM spielten.
Und tatsächlich hätte Graf ihre Partie gegen Menchik gewinnen können:

Menchik-Graf, Buenos Aires 1939, Stellung nach dem 60. Zug von Weiß. Sonja griff hier zu 60..Dxe2+?, aber es war wahrlich nicht schwer zu sehen, dass 60….Db2! ganz einfach gewann, weil der c-Bauer durchläuft. Hier hätte die Weltmeisterin sofort aufgeben können!
Zum Lebensweg von Sonja Graf vermerkte der Schachhistoriker Negele folgendes: Für Sonja wurden nun die Lebensumstände in Deutschland immer schwieriger zu ertragen. Die Nazi-Herrschaft nahm zunehmend auf die Schachorganisationen Einfluss, aufgrund der slawischen Abstammung – oft bezeichnete sie sich als „Zigeunerin“- und ihres emanzipierten Lebensstils entsprach sie natürlich nicht dem Frauenideal der Nationalsozialisten und konnte somit kaum Unterstützung durch die Schachorganisation erwarten. Außerdem widerstrebte die in Deutschland dominierende politische Richtung ihrer eigenen kosmopolitischen Einstellung; mit großem Unbehagen musste sie die Ächtung der vormals hoch angesehenen jüdischen Schachspieler und Funktionäre in den Vereinen ab 1933 miterleben. So kam es Ende 1934 zur Übersiedlung nach London.
Die Kubanerin María Teresa Mora konnte nur durch die kurz zuvor erfolgte Aufnahme ihres Landes in den Weltschachverband FIDE teilnehmen. Die Deutsche Sonja Graf-Stevenson trat als Staatenlose unter der Phantasie-Flagge des fiktiven Landes „Libre“ an. Sie kehrte laut Wikipedia von dem Turnier nicht mehr nach Europa zurück.

Das System zur Ermittlung der Frauenweltmeisterin blieb in den Jahren davor unverändert:
Bereits die erste Schachweltmeisterschaft für Frauen wurde von der FIDE als Rundenturnier organisiert und fand parallel zur Schacholympiade 1927 statt. Siegerin und somit erste Schachweltmeisterin wurde Vera Menchik. In der Folge hatte sie jedoch – im Gegensatz zu den allgemeinen Schachweltmeistern – keine besonderen Vorrechte und musste sich genau wie ihre Herausforderinnen erst für den WM-Kampf qualifizieren. Sie blieb unbesiegt und verteidigte ihren Weltmeistertitel erfolgreich in den Jahren 1930, 1931, 1933, 1935, 1937 und 1939 bei jeweils parallel zur Schacholympiade ausgetragenen Turnieren.