Das wird nur ein Kurzbericht, ich schreibe ihn auch da ich dem Limburg Open seit Jahren verbunden bin. 2014 war ich als Reporter vor Ort, ab Texel einmal quer durch die Niederlande bis nach Maastricht. Das Jahr kann ich rekonstruieren, da Erwin l’Ami damals alleiniger Turniersieger war. Andere, nun auch (noch nicht erwähnt) Christian Glöckler, müssen sich diese Ehre in der Hall of Fame mit einigen bis vielen teilen. Konkrete Erinnerungen: auf die vorsichtige Anfrage der Organisatoren, ob er in einer Pause zwischen den Runden zu einem Interview bereit sei, meinte Erwin „ja natürlich, den kenn ich doch!“ und streckte mir seine Hand entgegen. Zuvor war ich ja auch Reporter in Wijk aan Zee.
Meine Konvention: nur bei Spielern, zu denen ich angenehmen direkten Kontakt hatte, nenne ich auch mal nur den Vornamen. Einen duzte ich damals direkt: 2014 war mein erster Kontakt mit dem gerade 15-jährigen FM Jorden van Foreest – kurz danach wurde er IM.
Und noch etwas: bei der Suche nach dem genauen Datum von Pfingsten 2014 (für das genaue damalige Alter von Jorden) stieß ich im Internet auch auf Tiefdruckgebiet Ela – schwere Gewitter nach einem damals noch heißeren Pfingstwochenende. Schäden und auch Todesopfer vor allem in NRW, aber Maastricht ist nicht weit weg und es war die Geräuschkulisse für die letzte Runde. Soweit 2014, nun zurück in die Gegenwart:
Endstand 2026
1.-8. IM Glöckler, GM van Wely, GM Vrolijk, IM Zwirs, GM Beerdsen, FM Lenaerts, IM Dann, GM Guliyev 5,5/7. Das muss reichen, für alles weitere siehe chess-results.com. Tiebreaker war TPR bzw. gegnerischer Eloschnitt, etwas unfair gegenüber Loek van Wely (auch ein alter Bekannter) da er ja als recht klarer Elofavorit nicht gegen sich selbst spielte. Preisgeld wurde dabei offenbar gleichmäßig geteilt, so bekamen alle acht knapp 1000 Euro. Anscheinend wurden auch die 100 Euro Preisgeld für Platz neun zwischen neun Spielern gleichmäßig geteilt. Sie freuten sich über jeweils 11 Euro (oder auch nicht).
Nochmal zurück nach 2014: Damals sagte Thomas Beerdsen voller Überzeugung „ja ich will Schachprofi werden!“. Andere junge Talente meinten dazu „bist Du verrückt, willst Du in Armut leben? Wir werden studieren, dann ein bürgerlicher Beruf und Schach als Hobby.“ Jorden van Foreest sagte „Mal sehen, wie ich mich weiter entwickle. Noch gehe ich zur Schule … (lachend) naja, ich werde zu Hause unterrichtet und kann jederzeit Turniere spielen“.
Glöcklers Turnier
Etwas Glück war schon dabei (alle Partien auf Lichess). In Runde 5 stand er gegen einen gewissen FM Quang Thai Ngo (Vietnamese, spielt für den Aachener Schachverein 1856, also vermutlich kurze Anreise zum Turnier) im Mittelspiel sehr verdächtig. Er überlebte und gewann dann im Endspiel – aus gegnerischer Sicht vermeidbar. Tags darauf stand er im Showdown gegen Loek van Wely (den muss ich nicht vorstellen) einige Zeit ebenfalls verdächtig. Loek konnte den Sack nicht zumachen, kurz nachdem der Vorteil dahin war Remis durch Zugwiederholung. Das Remis zuvor gegen GM Liam Vrolijk war relativ korrekt (bis auf einige kurze Momente). Das Remis in der letzten Runde gegen IM Matthias Dann (OSG Baden-Baden) war ebenfalls korrekt.
Und in der letzten Runde hatten (bis auf einen) alle Glück, dass IM Nico Zwirs seinen Endspielvorteil, immerhin zwei Mehrbauern, gegen GM Loek van Wely nicht verwerten konnte. Finanziell wäre der Unterschied für dann sechs Spieler auf dem geteilten zweiten Platz dabei relativ klein gewesen, größer für IM Zwirs (2.250 Euro für den alleinigen Turniersieg) und GM van Wely (30 Euro für den mit vielen geteilten achten Platz). Jedenfalls King Loek bekam dabei wohl auch ein Antrittsgeld.
Matthias Dann wird demnächst bereits zum zweiten Mal in der Hall of Fame erwähnt. 2023 teilte er den Turniersieg mit (wertungsbesser) IM Thomas Beerdsen und GM Frederik Svane sowie (wertungsschlechter) FM Daniel Kopylov, GM Daniel Dardha, GM Sipke Ernst und FM Machteld van Foreest. Die Svanes haben in einer eventuellen langjährigen Familienwertung noch Nachholbedarf. Da führt klar Familie van Foreest (2015 IM Jorden geteilt, 2022 GM Lucas alleine, 2023 FM Machteld geteilt). Weitere Familienmitglieder nicht, das Turnier gibt es erst seit 2007.
Wann wird er GM?
TPR 2596 wäre für Christian Glöckler auch dann keine GM-Norm, wenn die Elo des ersten Gegners von 2144 auf 2200 angehoben wird. Es waren ja nur sieben Runden und nur zwei großmeisterliche Gegner. 2024 und 2025 gab es in Maastricht auch „Tienkampen“ mit, im Gegensatz zu Wijk aan Zee, jeweils drei GMs. Dieses Jahr gab es stattdessen auch ein Match zwischen Lokalmatador GM Max Warmerdam und einem Spieler, den ich auch nicht vorstellen muss – the one and only GM Vasyl Ivanchuk. Es endete 2-2.
Eine andere Voraussetzung für den GM-Titel hat Christian Glöckler nun erfüllt: Elo 2500+, er hat sich von 2497 auf 2506 verbessert.
Das war ein für meine Verhältnisse kurzer Bericht, auch „Wie geht es weiter?“ entfällt diesmal.