10.05.2026

5 Gedanken zu „Deutscher Schachbund in großer Not!

  1. Das Ergebnis einer Wahl sollte akzeptiert werden. Das ist doch schon das grundsätzliche Problem, wenn das nicht der Fall ist.

    Einige Landesverbände haben einen außerordentlichen Kongress erzwungen, damit jedes einzelne Präsidiumsmitglied abgewählt wird. Gründe wurden nicht genannt. Laut den Anträgen sollen die nachgereicht werden. Ein Unding!

    Die Mehrheitsverhältnisse dürften unsicher sein. Bevor ein neues Präsidium gewählt werden kann, müssten die Abwählanträge erst einmal durchgehen.

    Die Satzung des DSB machte ja einen Sinn. Wenn schon ein Kongress geplant war, musste man den nicht unbedingt vorziehen. Mir kam einzig die 6-Monatsfrist ziemlich hoch vor. Mit der verkürzten Frist bricht nun das Chaos aus. Dass die Formulierung in der Satzung laut Schiedsgericht nicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht, interessiert auch niemanden. Jedenfalls ist keine Anpassung der Satzung beantragt.

    Ich sehe jetzt die Landesverbände in der Verantwortung, die die momentane Lage herbeigeführt haben. Das sind die, denen der außerordentliche Kongress nicht früh genug angesetzt werden konnte. Wenn die das Problem nicht lösen können, sollte es dann doch erst einmal Konsequenzen in diesen Landesverbänden haben.

    1. Lieber Uwe, es verhält sich natürlich so, dass die Landesverbände auch ihre Gründe haben, jemanden zu wählen oder nicht zu wählen. Bloß wenn das dazu führt, dass kaum noch ein Präsidium gewählt werden kann, dann ist definitiv was schief gelaufen! Und wenn ein Team, das mit großer Kompetenz an den Start gehen würde, keine Mehrheit findet, dann finde ich das auch problematisch. Aber wie dem auch sein, unsere Kandidatur ist jetzt Geschichte, und so eine Chance wird sich nicht so schnell wieder bieten. Und wenn jetzt auch noch das alte Präsidium abgewählt werden sollte, dann ist das Chaos aus meiner Sicht komplett.
      Ich wiederhole mich: mit Entsetzen haben viele prominente Schachfreunde auf die aktuellen Vorgänge beim DSB reagiert (die internen Mails liegen mir vor). Es wird jetzt noch einige Krisensitzungen beim DSB geben, da bin ich mir sicher!

      1. Die Kandidatur des Teams könnte sich erst bei der kompletten Abwahl des bisherigen Präsidiums ergeben. Die Wahrscheinlichkeit ist doch gar nicht so klein, dass zumindest nicht alle Präsidiumsmitglieder abgewählt werden. Das hätte das Team dann aber gesprengt.

        Ich habe zu meinem Erstaunen festgestellt, dass auf dem letzten Kongress Ämter unbesetzt geblieben sind, weil der einzige Kandidat bei der Wahl nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hat. Offenbar hat man keine Skrupel, dass dies auch für Posten im Präsidium gilt. Wenn signalisiert wird, dass jemand bei der Kandidatur für einen Posten im Präsidium nicht die Mehrheit der Stimmen erhält, auch wenn er der einzige Kandidat ist, dann läuft ja wohl so ziemlich alles falsch.

        Wenn persönliche Befindlichkeiten die entscheidende Rolle spielen, dann wird es nie eine Lösung geben. In den Perlen vom Bodensee stand ja: „In Bayern nimmt man Hertneck krumm, dass er die Deutsche Meisterschaft 2025 in München mitorganisiert hat – bei der der Bayerische Schachbund außen vor blieb, ja, nicht einmal davon wusste.“ Wenn das stimmt, dann sollte der Präsident des Bayerischen Schachbunds selbst hinterfragen und schnellstmöglich zurücktreten.

        Eine Erneuerung kann nicht allein von oben kommen, die muss auch von der Basis kommen, den Mitgliedern des DSB. Das sind die Verbände und deren handelnde Personen.

  2. Es ist inzwischen kaum noch fassbar. Hier wird Ehrenamt offenbar mit einem persönlichen Fürstentum verwechselt. Leidtragende sind am Ende die Schachsportler in Deutschland, in deren Interesse eigentlich gehandelt werden sollte – ein Anspruch, der offenbar zunehmend verloren geht.
    Wenn es möglich ist, dass einzelne Akteure den gesamten Schachsport derart blockieren, in Geiselhaft nehmen, dann zeigt das vor allem eines: Die bestehenden Strukturen sind grundlegend reformbedürftig.

    Der Auszug aus dem offenen Brief von Richard Lutz (https://schachkicker.de/das-team-von-dr-richard-lutz-zieht-seine-kandidatur-auf-dem-dsb-kongress-zurueck/) macht deutlich, welche große Chance hier vertan wurde. Es gab offenbar ein Team, das verstanden hatte, wie man mit Professionalität und klarer Struktur im Sinne der Schach-Community zielorientiert arbeiten kann. Diese Perspektive hätte dem deutschen Schach dringend gutgetan.

    Stattdessen bleibt ein Scherbenhaufen. Angesichts der aktuellen Situation stellt sich ernsthaft die Frage, ob ein kompletter Neuanfang, eine „grüne Wiese“, nicht konsequenter wäre. Oder ein DSB-Präsidium nicht basisdemokratisch, also von allen Schachsportlerinnen und Schachsportlern, gewählt werden sollte. Die Landes- und Fachverbände können dann gern weiterhin den Ligabetrieb organisieren, Meisterschaften ausrichten und lokal den Schachsport in allen Facetten voranbringen.

    Vor allem aber: Wer soll unter all diesen machtbesessenen Voraussetzungen noch die Kraft und eigene Glaubwürdigkeit haben, die Beteiligten wieder zusammenzuführen und den entstandenen Imageschaden, dazu noch im Ehrenamt, zu beheben? Dieses Himmelfahrtskommando wird sich wohl niemand antun.

  3. Das einzige Ziel, welches Herr Lutz öffentlich erklärte, war eine „kulturellen Transformation“ im DSB anzustoßen. Das ist ein ziemlich wolkiger Begriff. Ich interpretiere ihn so, dass er Konflikte der Vergangenheit möglichst hinter sich lassen wollte, damit alle zu einem Neuanfang bereiten Funktionsträger wieder produktiv im Sinne des Schachs zusammenarbeiten können. Das Ziel teile ich aus vollem Herzen. Wenn Herr Lutz aber wirklich diesen integrativen Ansatz verfolgt hat und auch aus seinem ehemaligen Team immer zu hören war, dass niemand unbedingt ein bestimmtes Amt haben möchte, wieso war es dann nicht möglich hinsichtlich des Personals einen Kompromiss zu finden? Es ist nunmal in der Satzung nicht vorgesehen, dass ein Team gewählt wird. An der Stelle habe ich durchaus Verständnis für das Argument, dass man den Landesverbänden nicht vorschreiben kann, wen sie in einzelne Ämter zu wählen haben und wen nicht. Ich habe selbst mal die Übernahme eines Ehrenamts an Bedingungen geknüpft, weil ich Dinge grundlegend verändern wollte. Das haben die die Wahlberechtigten aber damals mehrheitlich nicht mittragen wollten und dann habe ich es eben nicht gemacht. Soweit so normal.
    Für den DSB ist das in diesem Fall aber natürlich sehr bitter, weil auch ich Chancen und Hoffnungen mit der Kandidatur von Herrn Lutz verknüpft hatte, obwohl er öffentlich sich nicht dazu geäußert hatte, was er konkret beim DSB verändern wollte.

    Sehr problematisch finde ich aber auch, dass sich die Gegenseite in Schweigen hüllt, was ihre Beweggründe angeht. Ich fände es angemessen, wenn sich die Verbände, die die Bedingungen von Herrn Lutz für seine Wahl nicht akzeptieren wollten, öffentlich dazu erklären. Vielleicht haben sie ja überzeugende Gründe, wer weiß? Nur so könnte ich mir eine qualifizierte Meinung darüber bilden, wessen Argumente mich mehr überzeugen. Bis das geschieht, bleibt bei mir nur ein diffuses Gefühl, dass „die da oben es einfach nicht hinbekommen“. Das ist frustrierend.

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