Nachdenklicher Chronist des DSB. Symbolbild: Gemini KI
Liebe Schachfreunde, wer die Nachrichten der letzten 12 Monate zum Deutschen Schachbund verfolgt hat, oder gar selbst in der Organisation mitwirkte, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Verband aktuell in seiner größten Krise seit Jahrzehnten ist.
Im folgenden wird der Versuch unternommen, die Ereignisse kurz darzustellen, und im Zeitablauf einzuordnen, und zwar anhand von Beiträgen, die auf dieser Seite erschienen sind.
Aus unserer Sicht begann die Krise mit der Gegenkandidatur von Paul Meyer-Dunker auf dem Kongress in Paderborn im Mai 2025 gegen die amtierende Präsidentin Ingrid Lauterbach.
Diese Kandidatur scheiterte ziemlich knapp, und es war damals schon klar, dass die Delegierten in zwei Lager gespalten waren. Wer gedacht hätte, dass damit die Lage befriedet worden wäre, irrte sich gewaltig, denn es brodelte weiter.
Als nächstes stand der Hauptausschuss im Oktober 2025 in Hofgeismar an, von dem es übrigens bis heute kein Protokoll gibt. In dieser Sitzung reichten fünf Landesverbände (Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Bayern, Thüringen) einen Antrag für einen außerordentlichen Verbandstag ein – mit dem Ziel der Abwahl des Präsidiums und gleichzeitiger Neuwahlen.
Diesen Antrag nahm das Präsidium nicht gut auf, und es kam schließlich durch Vermittlung der Emanuel Lasker Gesellschaft zwischen den verfeindeten Lagern in Berlin zu einer schriftlichen Einigung, dass der Kongress mit Neuwahlen in den August 2026 verschoben werden sollte, und es beim Hauptausschuss im Mai (ohne Neuwahlen) bleiben sollte.
Im Februar 2026 folgte dann ein zweiter „Abwahlantrag“, diesmal unterzeichnet von 9 Landesverbänden. Über den Bundesrechtsberater wurde daraufhin ein Gutachten erstellt, mit dem Tenor, dass das Vorziehen einer Sitzung nach Satzung nicht zulässig sei, wenn innerhalb von 6 Monaten bereits ein Termin für den Kongress angesetzt war, was tatsächlich das Fall war und auch plausibel klang.
Nun wurden die Landesverbände wiederum aktiv, und riefen das Schiedsgericht des DSB an, wonach dem Antrag gemäß übergeordnetem Recht, also dem Bürgerlichem Gesetzbuch im Interesse des Minderheitenschutzes stattzugeben sei, und dies wurde vom Schiedsgericht auch einstimmig so entschieden, mit dem Ergebnis, dass nun doch im Mai nun doch ein außerordentlicher Kongress angesetzt wurde. Für diesen Kongress beantragte der Vorsitzende des Badischen Schachverbands Dr. Christoph Mährlein die Abwahl des kompletten Präsidiums und auch des Bundesrechtsberaters (aufgrund des vermeintlichen Gefälligkeitsgutachtens).
Zwischendurch traten auch noch der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des DSB, Matthias Wolf und der Vizepräsident Finanzen, Alexander von Gleich nach Differenzen mit dem Präsdium zurück bzw. kündigten ihren Arbeitsvertrag. Sie sahen sich in ihrer Arbeit beschnitten und gegängelt, um es auf gut deutsch zu sagen.
Einziger Lichtblick in diesem Zeitraum war, dass es gelang in der Geschäftsstelle in Berlin mit Carsten Schmitt einen Nachfolger für die gekündigte Geschäftsführerin Dr. Anja Gering zu finden. Eine Kündigung, die nach dem vorliegenden Finanzbericht zu Mehrkosten von rund 100.000 Euro führte, aber gleichfalls als alternativlos angesehen wurde. Sie endete übrigens mit einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht.
Wer gedacht hätte, dass sich die Lage nunmehr beruhigen würde, täuschte sich abermals. Unerwartet trat ein „weißer Ritter“ auf den Plan, und zwar der ehemalige Bahnchef Dr. Richard Lutz, in seiner Jugend selbst ein starker Schachspieler, der als Präsident kandidieren wollte, und hierfür ein Team aufstellte.
Jedoch nicht ohne zuvor bei den Landesverbänden zu sondieren, ob es für ihn und sein Team eine Mehrheit bei der Abstimmung auf dem außerordentlichen Kongress am 16. Mai in Frankfurt geben würde. Zum Entsetzen vieler prominenter Schachfans in Deutschland, die die Kandidatur von Lutz unterstützt haben, war dies nicht bzw. nur zum Teil der Fall. Oder anders formuliert, für zwei Kandidaten gab es keine klare Mehrheit, sondern man sah die Wahrscheinlichkeit der Wahl bei etwa 50%. Unter diesen Umständen einigte sich das Team geschlossen darauf, nicht zur Wahl anzutreten.
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass beim Deutschen Schachbund in den letzten 12 Monaten so viel Porzellan zerschlagen wurde, wie noch nie. Und vor allem, dass völlig unklar ist, wie es nun weitergeht, also unter welcher Führung der Verband künftig steht. Und ob sich noch alles zum Guten wendet oder nicht.
- Wird das bestehende Präsidium weiter im Amt bleiben, ggf. nach vorheriger Abwahl und durch Neuwahl? Möglich, aber wir erinnern uns, dass 9 Verbände einen Kongress mit Neuwahlen gefordert haben, in der festen Absicht, gegen die Amtsinhaber zu stimmen.
- Wird das Team Lutz seine Position überdenken, und doch noch zur Wahl antreten? Keinesfalls, denn die negativen Reaktionen auf die Kandidatur haben gezeigt, dass der Schachbund in seiner jetzigen Struktur nicht bereit dafür ist.
- Wird sich vielleicht ein Kompromisskandidat zur Wahl stellen? Dies halten wir tatsächlich für möglich! Dann muss er oder sie aber bei den völlig zerstrittenen Delegierten konsensfähig sein. Vielleicht auch nur als Übergangspräsident, wer weiß.
- Oder wird sich die Versammlung so zerstreiten, dass überhaupt kein Präsidium gewählt wird? In diesem Fall müsste wohl unverzüglich ein Folgekongress angesetzt werden, und ein neues Team gesucht werden. Dies wäre wohl die schlechteste Lösung von allen, und sollte keinesfalls eintreten!
Will denn überhaupt noch jemand für so einen zerstrittenen Verband kandieren, diese Frage muss man sich inzwischen stellen.
Mit großem Bedauern und großer Sorge haben wir diese Entwicklung zur Kenntnis genommen, und zum Teil auch als persönlich Betroffener verfolgt. Unser Eindruck lautet, dass neben der offensichtlichen Spaltung in ein pro-Lauterbach-Lager und ein contra-Lauterbach-Lager einigen Delegierten immer noch nicht bewusst ist, wie viel auf dem Spiel steht, nämlich nicht mehr und nicht weniger die Zukunft des Deutschen Schachbunds!
Ganz zum Schluss möchten wir zum Abschluss dieses Beitrags unsere persönliche Meinung einfließen lassen.
1. Mit der mangelnden Unterstützung der Kandidatur des Teams Lutz wurde eine große Chance vertan, und dafür müssen sich vor allem die Landesverbände aus NRW und aus Bayern innerlich rechtfertigen. Nun, wenn ein Neuanfang im DSB mit Herrn Chadt-Rausch (Landesvorsitzender NRW) und Herrn Thorn (Landesvorsitzender Bayern) nicht möglich ist, dann vielleicht ohne sie, indem sie erkennen, dass sie Teil des Problems und nicht Teil der Lösung sind. Natürlich sollte auch ihnen Gelegenheit zum Rücktritt gegeben werden!
2. In dem ganzen Konflikt wurden inzwischen so viele Personen (sowohl Ehrenamtliche als auch hauptamtliche Mitarbeiter) beschädigt, dass man die Namen der Betroffenen kaum noch aufzählen kann (zum Teil stehen sie weiter oben in diesem Bericht, aber keinesfalls vollständig!).
3. Die Amtsinhaber Ingrid Lauterbach, Prof. Dr. Jürgen Klüners und Jannik Kiesel haben aus unserer Sicht die starke Ablehnung, die ihnen von einigen Landesverbänden entgegenschlägt, nicht verdient! Es ist offensichtlich, dass man es nicht immer allen recht machen kann, aber das darf auch nicht der Maßstab für Wahlen sein, sondern die Gesamtleistung muss betrachtet werden. Umgekehrt ist unbestritten, dass alle drei hervorragende ehrenamtliche Arbeit geleistet haben, die zum Teil weit über das hinausgeht, was man in ehrenamtlicher Tätigkeit erwarten kann. Allerdings muss man gerade der Präsidentin eine gewisse Sturheit attestieren, die es nicht erleichtert, Kompromisse zu schließen, und eben an dem Punkt entzündet sich die Kritik der Opposition, die wir durchaus nachvollziehen können.
4. Persönliche Befindlichkeiten werden leider über Sachfragen gestellt. Ein Beispiel: wenn der Bundesrechtsberater Strobl ein Gutachten erstellt, dass gemäß Satzung einem Antrag nicht Folge geleistet werden kann, dann ist das aus unserer Sicht kein ehrenrühriger Vorgang, auch wenn dieses Gutachten später vom Schiedsgericht wieder aufgehoben wird. Ein Abwahlantrag des Bundesrechtsberaters schießt daher weit über das Ziel hinaus! Und wenn Herrn Chadt-Rausch oder Herrn Thorn die Nase von einem Kandidaten nicht gefällt, ohne schlüssige Sachargumente dafür vorzutragen, dann ist das ein falsches Amtsverständnis!
5. Am Rande sei noch erwähnt, dass die Stimmung im Deutschen Schachbund inzwischen so vergiftet ist, dass sogar Klagen im Raum stehen, was aber nur Insidern bekannt ist.
***
Nachtrag:
Nach der Veröffentlichung dieses Beitrags erhielten wir eine Mail des NRW-Landesvorsitzenden, mit der er u.a. auf folgendes hinwies: „Der Landesverband NRW wird beim Bundeskongress des Deutschen Schachbundes von vier Delegierten vertreten, die ihre eigene Meinung haben und am 16.05.2026 in Frankfurt ohne Zwang entscheiden können. Des weiteren habe NRW die Kandidatur von Richard Lutz selbst unterstützt.
Das ist zwar schön und gut, läuft aber eine Ablehnung hinaus, wenn von dort nicht das ganze Team unterstützt wird.
Dies wird analog bei Bayern so sein, allerdings wollte dort der Landesvorsitzende sogar Einfluss auf die Stimmen der bayerischen Delegierten nehmen, damit geschlossen gegen einzelne Kandidaten gestimmt wird.
Das Ergebnis einer Wahl sollte akzeptiert werden. Das ist doch schon das grundsätzliche Problem, wenn das nicht der Fall ist.
Einige Landesverbände haben einen außerordentlichen Kongress erzwungen, damit jedes einzelne Präsidiumsmitglied abgewählt wird. Gründe wurden nicht genannt. Laut den Anträgen sollen die nachgereicht werden. Ein Unding!
Die Mehrheitsverhältnisse dürften unsicher sein. Bevor ein neues Präsidium gewählt werden kann, müssten die Abwählanträge erst einmal durchgehen.
Die Satzung des DSB machte ja einen Sinn. Wenn schon ein Kongress geplant war, musste man den nicht unbedingt vorziehen. Mir kam einzig die 6-Monatsfrist ziemlich hoch vor. Mit der verkürzten Frist bricht nun das Chaos aus. Dass die Formulierung in der Satzung laut Schiedsgericht nicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht, interessiert auch niemanden. Jedenfalls ist keine Anpassung der Satzung beantragt.
Ich sehe jetzt die Landesverbände in der Verantwortung, die die momentane Lage herbeigeführt haben. Das sind die, denen der außerordentliche Kongress nicht früh genug angesetzt werden konnte. Wenn die das Problem nicht lösen können, sollte es dann doch erst einmal Konsequenzen in diesen Landesverbänden haben.
Lieber Uwe, es verhält sich natürlich so, dass die Landesverbände auch ihre Gründe haben, jemanden zu wählen oder nicht zu wählen. Bloß wenn das dazu führt, dass kaum noch ein Präsidium gewählt werden kann, dann ist definitiv was schief gelaufen! Und wenn ein Team, das mit großer Kompetenz an den Start gehen würde, keine Mehrheit findet, dann finde ich das auch problematisch. Aber wie dem auch sein, unsere Kandidatur ist jetzt Geschichte, und so eine Chance wird sich nicht so schnell wieder bieten. Und wenn jetzt auch noch das alte Präsidium abgewählt werden sollte, dann ist das Chaos aus meiner Sicht komplett.
Ich wiederhole mich: mit Entsetzen haben viele prominente Schachfreunde auf die aktuellen Vorgänge beim DSB reagiert (die internen Mails liegen mir vor). Es wird jetzt noch einige Krisensitzungen beim DSB geben, da bin ich mir sicher!
Die Kandidatur des Teams könnte sich erst bei der kompletten Abwahl des bisherigen Präsidiums ergeben. Die Wahrscheinlichkeit ist doch gar nicht so klein, dass zumindest nicht alle Präsidiumsmitglieder abgewählt werden. Das hätte das Team dann aber gesprengt.
Ich habe zu meinem Erstaunen festgestellt, dass auf dem letzten Kongress Ämter unbesetzt geblieben sind, weil der einzige Kandidat bei der Wahl nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hat. Offenbar hat man keine Skrupel, dass dies auch für Posten im Präsidium gilt. Wenn signalisiert wird, dass jemand bei der Kandidatur für einen Posten im Präsidium nicht die Mehrheit der Stimmen erhält, auch wenn er der einzige Kandidat ist, dann läuft ja wohl so ziemlich alles falsch.
Wenn persönliche Befindlichkeiten die entscheidende Rolle spielen, dann wird es nie eine Lösung geben. In den Perlen vom Bodensee stand ja: „In Bayern nimmt man Hertneck krumm, dass er die Deutsche Meisterschaft 2025 in München mitorganisiert hat – bei der der Bayerische Schachbund außen vor blieb, ja, nicht einmal davon wusste.“ Wenn das stimmt, dann sollte der Präsident des Bayerischen Schachbunds selbst hinterfragen und schnellstmöglich zurücktreten.
Eine Erneuerung kann nicht allein von oben kommen, die muss auch von der Basis kommen, den Mitgliedern des DSB. Das sind die Verbände und deren handelnde Personen.
Hallo Uwe, hier noch ein Wort zu den persönlichen Befindlichkeiten des Bayerischen Präsidenten. Dass die Deutsche Meisterschaft, die im Mai 2025 in München stattfand, dort ausgetragen wird, war bereits im November 2024 bekannt, und zwar sicherlich auch Ingo von Thorn, zumal es meiner Erinnerung auf dem Hauptausschuss in Rosenheim vorgetragen wurde. Er wusste also mindestens 6 Monate vorher Bescheid. Richtig ist dass er keine Einladung zur Deutschen Meisterschaft (Eröffnung oder Abschlussfeier) erhalten hat, aber dazu muss ich sagen, der Schachbund hätte sie jederzeit aussprechen können, aber ich war nicht in der Rolle, dies zu tun, da ich lediglich an der Organisation der DEM mitgewirkt habe, aber nicht den DSB vertreten habe. Der Vorwurf trifft also den Falschen. Unabhängig davon wäre ein solcher „Lapsus“ wohl kaum ein Grund, eine Kandidatur komplett abzulehnen.
Es ist inzwischen kaum noch fassbar. Hier wird Ehrenamt offenbar mit einem persönlichen Fürstentum verwechselt. Leidtragende sind am Ende die Schachsportler in Deutschland, in deren Interesse eigentlich gehandelt werden sollte – ein Anspruch, der offenbar zunehmend verloren geht.
Wenn es möglich ist, dass einzelne Akteure den gesamten Schachsport derart blockieren, in Geiselhaft nehmen, dann zeigt das vor allem eines: Die bestehenden Strukturen sind grundlegend reformbedürftig.
Der Auszug aus dem offenen Brief von Richard Lutz (https://schachkicker.de/das-team-von-dr-richard-lutz-zieht-seine-kandidatur-auf-dem-dsb-kongress-zurueck/) macht deutlich, welche große Chance hier vertan wurde. Es gab offenbar ein Team, das verstanden hatte, wie man mit Professionalität und klarer Struktur im Sinne der Schach-Community zielorientiert arbeiten kann. Diese Perspektive hätte dem deutschen Schach dringend gutgetan.
Stattdessen bleibt ein Scherbenhaufen. Angesichts der aktuellen Situation stellt sich ernsthaft die Frage, ob ein kompletter Neuanfang, eine „grüne Wiese“, nicht konsequenter wäre. Oder ein DSB-Präsidium nicht basisdemokratisch, also von allen Schachsportlerinnen und Schachsportlern, gewählt werden sollte. Die Landes- und Fachverbände können dann gern weiterhin den Ligabetrieb organisieren, Meisterschaften ausrichten und lokal den Schachsport in allen Facetten voranbringen.
Vor allem aber: Wer soll unter all diesen machtbesessenen Voraussetzungen noch die Kraft und eigene Glaubwürdigkeit haben, die Beteiligten wieder zusammenzuführen und den entstandenen Imageschaden, dazu noch im Ehrenamt, zu beheben? Dieses Himmelfahrtskommando wird sich wohl niemand antun.
Das einzige Ziel, welches Herr Lutz öffentlich erklärte, war eine „kulturellen Transformation“ im DSB anzustoßen. Das ist ein ziemlich wolkiger Begriff. Ich interpretiere ihn so, dass er Konflikte der Vergangenheit möglichst hinter sich lassen wollte, damit alle zu einem Neuanfang bereiten Funktionsträger wieder produktiv im Sinne des Schachs zusammenarbeiten können. Das Ziel teile ich aus vollem Herzen. Wenn Herr Lutz aber wirklich diesen integrativen Ansatz verfolgt hat und auch aus seinem ehemaligen Team immer zu hören war, dass niemand unbedingt ein bestimmtes Amt haben möchte, wieso war es dann nicht möglich hinsichtlich des Personals einen Kompromiss zu finden? Es ist nunmal in der Satzung nicht vorgesehen, dass ein Team gewählt wird. An der Stelle habe ich durchaus Verständnis für das Argument, dass man den Landesverbänden nicht vorschreiben kann, wen sie in einzelne Ämter zu wählen haben und wen nicht. Ich habe selbst mal die Übernahme eines Ehrenamts an Bedingungen geknüpft, weil ich Dinge grundlegend verändern wollte. Das haben die die Wahlberechtigten aber damals mehrheitlich nicht mittragen wollten und dann habe ich es eben nicht gemacht. Soweit so normal.
Für den DSB ist das in diesem Fall aber natürlich sehr bitter, weil auch ich Chancen und Hoffnungen mit der Kandidatur von Herrn Lutz verknüpft hatte, obwohl er öffentlich sich nicht dazu geäußert hatte, was er konkret beim DSB verändern wollte.
Sehr problematisch finde ich aber auch, dass sich die Gegenseite in Schweigen hüllt, was ihre Beweggründe angeht. Ich fände es angemessen, wenn sich die Verbände, die die Bedingungen von Herrn Lutz für seine Wahl nicht akzeptieren wollten, öffentlich dazu erklären. Vielleicht haben sie ja überzeugende Gründe, wer weiß? Nur so könnte ich mir eine qualifizierte Meinung darüber bilden, wessen Argumente mich mehr überzeugen. Bis das geschieht, bleibt bei mir nur ein diffuses Gefühl, dass „die da oben es einfach nicht hinbekommen“. Das ist frustrierend.
Hier die Stellungnahme von Herrn Chadt-Rausch zum Beitrag:
Lieber Herr Hertneck,
ich habe von Dritten erfahren, dass Sie in einem Schachkicker-Artikel meinen Namen erwähnt haben und andeuten, ich sei gegen die Kandidatur von Herrn Lutz als Präsident des Deutschen Schachbundes.
Das ist leider nicht korrekt. Ich unterstütze die Kandidatur, sofern eine Wahl des Präsidenten am 16.05.2026 stattfindet. Allerdings gibt es vor einige Voraussetzungen, deren Ergebnisse erst nach den Abstimmungen bekannt sind. Ich möchte Sie bitten, dies umgehend richtigzustellen.
Es ist wahr, dass Ihr Auftreten und Ihre bisherigen Erfahrungen bei einigen Landesverbänden Fragen zur Kandidatur aufgeworfen haben. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Eignung von Herrn Lutz.
Der Landesverband NRW wird beim Bundeskongress des Deutschen Schachbundes von vier Delegierten vertreten, die ihre eigene Meinung haben und am 16.05.2026 in Frankfurt ohne Zwang entscheiden können. Es ist wichtig, die Demokratie zu respektieren.
Viele Grüße aus Dortmund in Westfalen,
Ralf Chadt-Rausch
Mehrere Landesverbände haben eine Chance vertan, ein Team zu wählen, dass den DSB hätte nach vorne bringen können. Das ist doch sonnenklar, wer so in ein Haifischbecken springt tut es nicht alleine. Er muss ein Team um sich scharen, das im gegenseitigen Respekt und Vertrauen von Anfang an arbeiten kann. Schachfreund Lutz hat doch klargestellt, dass er nur mit dem 4er-Team antritt. Entweder werden alle gewählt oder keiner. Hier sollte das große Ganze gesehen werden. Einige Landesvertreter oder müsste man besser von Landesfürsten sprechen, sind wohl zu engstirnig um etwas Neues zu wagen. Da kann ich nur sagen: Tretet endlich zurück und gibt neuen Delegierten eine Chance den jetzt vorliegenden Scherbenhaufen vielleicht noch zu kitten. Ein einzelner neuer Präsident wird es aber nicht richten. Hoffen wir trotzdem das beste für den DSB!
Lieber Gerald,
bzgl. dem Protokoll vom Hauptausschuss in Hofgeismar ist anzumerken, dass dieses am 30. Oktober 2025 versendet worden ist. Aber nach der GO gilt: „Die Protokolle sind nicht allgemein zu veröffentlichen.“.
bzgl. dem Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist anzumerken, dass der mir vorliegende Antrag von fünf Landesverbänden (Badischer Schachverband, Hamburger Schachverband, Berliner Schachverband, Schachverband Schleswig-Holstein und Deutscher Fernschachbund) unterzeichnet ist. Und nicht 9, wie im Artikel genannt.
Liebe Grüße
Andreas Filmann
Auf der DSB-Homepage steht:
… neun von 22 Mitgliedsverbänden: Der Berliner Schachverband, mit seinem Präsidenten Paul Meyer-Dunker, der Badische Schachverband mit Präsident Dr. Christoph Mährlein, der Deutschen Fernschachbund mit Präsident Manfred Scheiba, der Hamburger Schachverband, vertreten durch den Vorsitzenden Klaus-Jürgen Herlan, der Schachverband Schleswig-Holstein, mit Präsident Dirk Martens, der Bayerische Schachbund mit Präsident Ingo Thorn, Präsident Michael S. Langer für den Niedersächsischen Schachverband, Daniel Meitzner für den Thüringer Schachbund und Michael Fuhr, Präsident des Landesschachbundes Brandenburg.
Es ist so. wie das Herr Filmann geschrieben hat. Der außerordentliche Kongress wurde von den 5 genannten Mitgliedsverbänden beantragt.
9 Verbände haben sich dann an das Schiedsgericht gewandt. Mir ist allerdings nicht klar, warum man sich an das Schiedsgericht wendet, wenn man gar keinen Antrag gestellt hat.
Laut Antrag der 5 Verbände sollten ja durch die außerordentliche Einberufung die Kosten gesenkt werden. Da bin ich gespannt, ob das so sein wird. Sollte es in diesem Jahr noch einen weiteren Kongress geben, ist das ganz sicher nicht der Fall.
Die 9 Mitglieder haben das vereinsinterne Schiedsgericht eingeschaltet, weil sie die Ablehnung für satzungs- und rechtswidrig gehalten haben. Letztlich sind alle Mitgliedsverbände von dieser Entscheidung betroffen und haben deswegen ein berechtigtes Interesse.
Und dass es jetzt so kompliziert läuft, haben doch eher die zu verantworten, die das Team Richard Lutz abgelehnt haben.
Das sieht das Schiedsgericht aber anders.
In der Entscheidung steht nämlich:
„Zwar dürfte die herrschende Ansicht dahin gehen, dass der Zugang zum Gericht von denjenigen Verbänden betrieben werden muss, die bereits an der ursprünglichen Antragstellung beteiligt waren, sodass die Antragsteller nicht anführen könnten, dass sich noch weitere vier Verbände ihrem Begehren angeschlossen haben.“
Über die Kosten des Schiedsverfahrens wurde ja bisher vom Schiedsgericht nicht entschieden, weil es eine Entscheidung im Eilverfahren war. Die Kostenentscheidung soll im Hauptverfahren fallen.
Wer aber nicht berechtigt war das Schiedsgericht anzurufen, wird ja wohl die eigenen Kosten und die Kosten der Gegenseite zu tragen haben. Das betrifft dann die Landesverbände Niedersachsen, Bayern, Thüringen und Brandenburg.
Ob diese 9 Verbände überhaupt die Mehrheit der Stimmen auf dem Kongress vertreten werden, wird man sehen müssen. Die Wahl eines Kandidaten für das Präsidium mit Ausnahme des Vizepräsidenten Finanzen – dieser Posten ist ja vakant – bedingt ja zunächst mal die Abwahl des bisherigen Amtsinhabers und dafür braucht man eine Mehrheit der Stimmen.
„Aber nach der GO gilt: „Die Protokolle sind nicht allgemein zu veröffentlichen.“.“
Auch hier frage ich mich, was (wir) Funktionäre schreckliches zu verbergen haben…
Lieber Schachfreund Achim,
die Sitzungen von Vereinen und Verbänden sind im Allgemeinen nicht öffentlich. Die vom Hauptausschuss ist es, den allgemeinen Gepflogenheiten im deutschen Vereinsrecht, auch nicht. Von daher ist es normal, dass die Protokolle nicht veröffentlicht werden.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Filmann
Ein GO-Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit beim Kongress(!!!) des
Deutschen Schachbund. Ohne Begründung, die soll dann vor Ort mündlich erfolgen.
Wir Funktionäre sind doch ein Geheimbund. So geheim, dass ich nichts davon weiß.
Quelle: https://www.schachbund.de/files/dsb/kongresse/2026/antraege/BK_2026_01_Hessen_2026-04-16_GO.pdf
Lieber Herr Filmann,
dass Sitzungen (insbesondere Jahreshauptversammlungen o.ä.) „im Allgemeinen nicht öffentlich“ seien, ist schlichtweg falsch. Ich empfehle einen Blick in jede beliebige Lokalzeitung. Auch von „allgemeinen Gepflogenheiten (!) “ dieser Art habe ich noch nie gehört. Normalerweise freuen sich doch Vereine, Organisationen und Verbände, wenn über ihre Versammlungen, Wahlen und Aktivitäten berichtet wird. In Teilen der Schach-Organisation ist das seltsamerweise anders. Aber selbst wenn ausnahmsweise die Öffentlichkeit – oder die Mitglieder – ausgeschlossen sein sollten, dann ist es im Anschluss doch umso wichtiger, dass es ein Protokoll gibt. Nur so können doch die relevanten Stakeholder im Sinne der Organisation handeln. Wie soll die Verbandsöffentlichkeit sonst wissen, was ihre Vertreter im Hinterzimmer vereinbart haben? Und warum, sie sich so oder so entschieden haben? Mit besten Grüßen Holger Hank
Ich wurde gebeten, pro Lutz etwas zu schreiben und habe es nicht gemacht. Die Begründung: ich kenne ihn leider nicht. Ob es eine Chance war, ich denke ja, aber nicht so glorreich, wie alle meinen. Was ist von der von Weizsäcker-Zeit geblieben?
Das schreibt der Vorgänger von Frau Lauterbach, Ulrich Krause, der den DSB fast gegen die Wand gefahren hat.
Früher war ich pro Lutz, langsam kommen mir Zweifel!
Ullrich Krause hat vergessen, den Alexandergruß für den neuen Präsidenten einzufordern!
Ullrich Krause
2 Tage vor
Ich habe lange überlegt, ob ich mich nach drei Jahren wieder öffentlich zum DSB äußern soll. Angesichts der aktuellen Entwicklungen rund um den Deutschen Schachbund habe ich mich nun aber dazu entschieden, weil mir der Verband nach wie vor sehr am Herzen liegt. Ich würde mir wünschen, dass mögliche Antworten auf diesen Kommentar auf der inhaltlichen Ebene bleiben und nicht in eine Diskussion über meine Amtszeit von 2017 bis 2023 abgleiten.
Aus meiner Sicht ist Richard Lutz mit großem Abstand der beste Kandidat für das Amt des Präsidenten seit vielen Jahren. Ich habe schon während meiner Amtszeit immer wieder gesagt, dass ich meinen Platz sofort räumen würde, wenn jemand mit echter professioneller Erfahrung und dem entsprechenden Format Interesse an diesem Amt bekunden würde. Ich glaube, dass meine Vorgänger Alfred Schlya und Herbert Bastian und meine Nachfolgerin Ingrid Lauterbach das ähnlich sehen.
Der letzte Kandidat für das Amt des Präsidenten mit einem vergleichbaren Format war für mich Robert von Weizsäcker im Jahr 2009 bzw. 2011. Ich habe schon viele öffentliche Reden von Schachfunktionären gehört, meine eigenen eingeschlossen, aber das Niveau seiner Auftritte wurde danach nicht mehr erreicht, und ich gehe davon aus, dass Richard Lutz in eine ähnliche Kategorie fällt. Alfred, Herbert, Ingrid und ich haben uns alle mit viel Einsatz für den DSB engagiert, aber wir sind im Vergleich zu solchen Persönlichkeiten eben doch eher mehr oder weniger begabte Amateure.
Die Frage ist, warum die Delegierten der Landesverbände dem Kandidaten Richard Lutz nicht einfach den roten Teppich ausrollen und dies mit der Bitte verbinden, dass er ihnen sagt, wohin die Reise des DSB gehen soll. Ich habe eine sehr persönliche Meinung dazu, woran das liegen könnte, möchte diese hier aber bewusst nicht kundtun. Mir geht es stattdessen vor allem darum, für diesen Neuanfang zu werben: mit einem Profi an der Spitze und drei sehr engagierten und begabten Amateuren im Team. Aus meiner Sicht hätte diese Konstellation eine echte Chance verdient. Und falls es nicht funktioniert, steht die nächste Wahl ja schon in einem Jahr an.
Hallo Ullrich,
ich denke bezogen auf die Amtszeiten und Amtsausübung wirst du einen besseren Überblick haben. Es ist leider keine gute Idee von ehemaligen Präsidenten ohne Kenntnisse über ihre direkten Nachfolger zu urteilen. Über Vorvorgänger ist das völlig in Ordnung. In der Tat sollte man bei einer Betrachtung der Präsidenten berücksichtigen, dass jeder Präsident seine eigenen Stärken einbringen will und sollte. Ich denke die Interpretation was ein Präsident oder eine Präsidentin tun sollte, könnte man als Versammlung zukünftig genauer fassen. Es sollte beispielsweise ein entscheidender Teil der meinetwegen gedachten Jobbeschreibung sein, dass der/die Amtsinhaber(in) als Teamplayer Referenten motivieren können sollte und nicht ihre/seine eigene Meinung wichtiger nimmt als das Engagement der anderen Ehrenamtlichen. Das Organisieren von Schachgipfeln oder Veranstaltungen gehört sicherlich nicht zu den primären Aufgaben eines Amtsinhabers und ich halte das wegen möglicher Interessenkonflikte sogar aus Gründen der Compliance in Einzelfragen für geboten. Aber das ist meine Interpretation – und jeder Amtsinhaber kann das aktuell anders definieren und sich meinetwegen angreifbar machen. Mit dem Vergraulen von Richard Lutz hat man jedenfalls eine große Chance verpasst manches neu und ohne viel Anstrengung, aber gutem Willen, besser regeln zu können. Das Anliegen, sein Team selbst zusammen stellen zu dürfen, ist angesichts der aktuell desolaten Lage des Schachbundes nicht nur nachvollziehbar, sondern sachlich geboten und legitim gewesen. Das sollte keine unüberwindbare Hürde darstellen, trotzdem ist es genau daran gescheitert und an Eitelkeiten sowie alten Rechnungen von einigen Landesvertretern. Der Deutsche Schachbund ist in seiner aktuellen Verfasstheit offenbar nicht gut reformierbar und das aktuelle Wahlgremium dürfte es auch in Zukunft nicht schaffen, eine gute Lösung im Sinne des deutschen Schachs zu finden. Der erste Antrag am nächsten Samstag ist ein GO-Antrag zum Ausschluss der Öffentlichkeit. Als ob das hülfe. Es bleibt zu hoffen, dass sich doch noch jemand Neues findet. Mir fehlt der Glaube an ein Wunder, aber wir werden es ja bald sehen.
https://www.sueddeutsche.de/sport/schach-richard-lutz-bahnchef-kandidatur-rueckzug-vorwuerfe-li.3481598
In einem Punkt irrt der Autor. Wenn ein Präsidiumsmitglied abgewählt werden sollte, wird es bei einer Neuwahl nicht mehr antreten. So würde ich es halten. Es lässt sich doch niemand zweimal bei derselben Veranstaltung vorführen.